Das Ende des freien Internets

Einmal wurde propagiert, dass das Internet es jedem erlauben würde frei sich zu bewegen, das anzuschauen was er will. Informationen zu beziehen von woher er auch will. In unserer Gesellschaft gibt es auch wenige Dinge die wirklich verboten sind wie Websites mit Kinderpornographie oder nationalsozialistischem Gedankengut. Selbst dieses Verbot kann man leicht umgehen, indem man das ganze im Ausland hostet, am besten mit einem ausländischen Strohmann als Admin-C. Vieles ist für Eltern schwieriger geworden wie z.B. zu verhindern dass die Kinder auf Pornowebsites kommen oder auch nur mit Werbung dieser Art überflutet werden (besuchen sie einmal ein Bittorrentportal und sie wissen was ich meine).

Es gibt Möglichkeiten selbst in kommunistischen Regimes wie China, die ausländische Webseiten sperren oder Vereinbarungen mit Google haben, das bestimmte Suchabfragen manipuliert werden über Proxy Server oder Anonymisierungsprogramme auf Webseiten zu kommen die den offiziellen Machthabern ein Dorn im Auge sind.

Interessanterweise hat es die Privatwirtschaft es geschafft das Internet abzuschotten. Ich habe erstmals vor einem Jahr davon gehört, das ausländische Clipfish User keine Videos ansehen konnten. Links die ich von anderen bekam für Youtube Videos oder einen Radiosender in Vegas verweisen dann auch, dass das entsprechende Video oder die Webseite nicht für mich verfügbar wäre, sondern nur für Bürger der vereinigten Staaten (Es handelte es sich nicht um Anleitungen für den Bombenbau sondern ein Musikvideo von Sting und einen Dienst bei dem man online die letzten 10 Lieder die der Radiosender ausgestrahlt hatte anhören konnte).

Mehr noch: Google liefert per Voreinstellung Ergebnisse zurück, die nur in Deutschland funktionieren, denn die Suche in Google Video nach dem Sting Video brachte kein Resultat, das wechseln auf google.com dagegen schon.

Es wäre interessant zu wissen warum dem so ist. Ich denke nicht dass es nur das Copyright ist. Ich kann mir nicht vorstellen, das die Musikindustrie dafür ist ein Sting Video nur für die USA freizugeben. Wenn es legal eingestellt wurde, dann sicher für alle (man will ja Platten verkaufen und die Videos machen Werbung). Wenn es illegal eingestellt wurde, dann wird man wohl hinter dem Uploader her sein, aber nicht eine geographische Beschränkung haben wollen. Bei Clipfish werden alle ausländischen User ausgesperrt und zwar unabhängig vom Content. Da sehe ich eher die Intention: Clipfish ist ein Portal, das letztendlich RTL gehört und man will mit dem Portal Geld verdienen und dies geht über Werbung. Von Benutzern die aus dem Ausland kommen hat man nichts. Sie erzeugen Seitenabrufe und wenn die wo Werbung schalten feststellen, dass sie für Besucher mitzahlen die nicht das Produkt kaufen können oder gar nicht deutsch können (zum Verständnis des halben Dutzend Buttons bei Clipfish braucht man keinerlei deutsche Sprachkenntnisse) dann dürfte das Ärger geben.

Vielleicht ist es nur folgerichtig und eine Folge der Kommerzialisierung des Internets. Es gibt ja nun auch schon spezielle Werbeclips fürs Internet, einprägsamer, manchmal lustiger als die Werbung im TV. Sei bauen auf eine Verbreitung durch Mundpropaganda. Inzwischen habe ich auch schon Videos gesehen mit einem vorgeschalteten Miniwerbespot. Wahrscheinlich werden bald alle Clips durch Werbespots unterbrochen.

Es dürfte interessant sein, wie dies weitergeht. So öffnen heute Zeitungen ihre Archive im Internet. Man kann heute schon bei Spiegel und Stern online nach 30 Jahre alten Artikeln recherchieren – Für Hobbyhistoriker oder einfach um die Stimmung jenseits der Fakten dieser Zeit mitzuerleben eine Fundgrube. Doch was ist wenn ich dies mal bei der Washington Post probiere – Wird das dann auch noch möglich sein?

Es bleibt zu hoffen, das kommerzielle Interessen nicht zu einer weiteren Abschottung führen.

2 thoughts on “Das Ende des freien Internets

  1. Ich sehe die Freiheit des Internet auch von anderen Stellen bedroht. Ein Stichwort ist hier die Vorratsdatenspeicherung. Ein Anderes z.B. die geplanten Onlinedurchsuchungen durch das BKA.
    Diese zunehmende Überwachung des Internet halte ich für wesentlich gefährlicher als nur „nicht als Ausländer“ auf Clipfish zu kommen. Hinzu kommt, dass man als Gründe (für die Massen) grundsätlich immernur KiPo, Terror oder Rechtsextremismus anführt. Sicher, dies gilt es zu bekämpfen. Aber bei den derzeitigen Plänen wird jeder Bürger erstmal als Verdächtig eingestuft.
    Zumal dies für die Verhinderung von Verbrechen eher sinnlos ist.
    Man kann, wenn man es will, sowieso sämtliche Hürden einfach umgehen kann. (auch bei clipfish und co)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.