Veränderte Anforderungen an Spionagesatelliten

Viele Leute hängen sich ja gerne an Zahlen auf. Besonders gern spekuliert wird, wie groß der Spiegel der KH-11 bis 13 Serie ist und wie hoch deren Auflösung. Was dabei gerne vergessen wird: Die Zahl dieser Satelliten ist rückläufig und dies schon seit Ende des kalten Kriegs. Stattdessen setzt das Militär auf den Aufkauf ziviler Produkte. So ist es guter Abnehmer der Bilder von WourldView Ikonos und Co und es erprobt neue Technologien, so war der vor etwa einem Jahr abgeschossene Satellit ein neues Exemplar mit IR-Technologie.

Warum dieser Wandel? Früher war die Aufgabe eine andere. Die USA wollten wissen wie stark der Gegner ist, wo seine Armee steht und was er zur Verfügung hat. Für die ersten beiden Punkten reichen Aufnahmen mit einer Auflösung aus, die es erlauben Panzer oder Flugzeuge zu erkennen und zu zählen. Das ist schon der Fall im Bereich von 1-2 m/Pixel. Dazu sind keine hochauflösenden Bilder nötig. Damit konnte dann auch regelmäßig der Ostblock abgetastet werden. Für die Information wie er ausgerüstet ist ist dann tatsächlich eine höhere Auflösung wünschenswert, aber neue Flugzeuge und neue Panzer und Schiffe muss man nicht überall suchen – die kann man auf bekannten Erprobungsgeländen fotografieren.

Nun hat Russland kein Geld neues zu entwickeln, wie ja kürzlich auch von offizieller Seite bestätigt wurde, mit China versteht sich die USA gut und der Ostblock ist zerfallen. So gibt es heute den Terrorismus als neuen Feind. Doch da nützt eine hohe Auflösung nichts. Ein Talibankämpfer trägt keine Uniform und ist als solcher nicht zu erkennen. Vor allem müssen einzelne Terroristen in einem großen Gebiet gefunden werden, die dort auch nicht stationiert sind, sondern sich bewegen.

Das verändert die Anforderungen an die Aufklärung. Das SARLupe System ist z.B. daraufhin entworfen worden ein Ziel möglichst rasch nach einem Auftrag zu beobachten und auch die Daten möglichst rasch zur Bodenstation zu übermitteln – wenn Taliban verfolgt werden und man kann sie erst nach 1-2 Tagen überwachen können sie längst woanders sein. SARLupe arbeitet auch mit Radar und nicht mit visuellen Sensoren und ist damit Wetter- und Tag/Nacht unabhängig.

Eine zweite Technologie betrifft den Übergang zu Infrarot. Dann erscheinen warme Dinge wie laufende Motoren oder Lebewesen hell und kalte Dinge wie der Erdboden dunkel. Das erlaubt es viel leichter Personen auszumachen als im visuellen Bereich. Wünschenswert wäre eine Wellenlänge von etwa 11 m, das entspricht der Körpertemperatur von Menschen. Noch gibt es keine CCD mit hoher Auflösung für diese Wellenlänge, aber immerhin bis 5-7 m, was auch schon ausreichend ist. Die Auflösung nimmt im selben Maße ab, und ist dann 10-20 mal kleiner. Aber das ist bei Spiegeldurchmessern von 2-3 m auch kein Problem, sie liegt dann immer noch bei rund 1 m. Daher vermute ich dass IR Sensoren inzwischen die visuellen ergänzt haben. Von Vorteil ist natürlich auch die geringere Datenmenge und dadurch kann auch ein größeres Gebiet abgetastet werden. Wourldview kann pro Tag etwa die Fläche der BRD in 1 m Auflösung abtasten, so dass US-Aufklärungssatelliten durchaus größere Gebiete von Afghanistan und Irak täglich überwachen können.

Allerdings werden Satelliten nur die erste Stufe sind. Sie dienen dazu festzustellen wo etwas verdächtiges ist – eine Menschenansammlung oder viele Fahrzeuge in einem Land mit wenigen Autos. Ob es sich um Zivilisten oder Terroristen handelt kann dann nur eine Detailaufklärung ergeben, die heute vorwiegend mit unbemannten Drohnen erfolgt. Insgesamt ist der Stellenwert des Satellitensegments gesunken. Früher waren sie beim Ostblock praktisch die einzige Möglichkeit an Informationen zu kommen. Demgegenüber gibt es eine Explosion an Systemen: Heute haben folgende Nationen eigene Aufklärungssatelliten oder Dual-Use Erdbeobachtungssatelliten in Betrieb oder geplant: Frankreich, Italien, Deutschland, Indien, Japan, China, Isreal, die USA, Russland. Vor 20 Jahren waren es noch drei Länder: China, Russland und die USA. Das liegt daran, dass die Investitionen deutlich gesunken sind und es heute kein Problem mehr ist einen Satelliten zu bauen der 1 m Auflösung liefert und die Daten dafür zwischenspeichern kann. Eine private Initiative möchte ein „Dobson SpaceTeleskope “ mit 1 m Auflösung schon in einen 100 kg Mikosatelliten einbauen.

Weiterhin sind viele der Staaten bei UN-Missionen im Einsatz in unsicheren Krisengebieten und benötigen daher eine Aufklärung die früher nicht nötig war.

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