Die geheimen Zahlen in der Weltraumfahrt

Kennen Sie die geheimsten Zahlen im Weltraumprogramm? Nein ist es ist nicht die Telefonnummer von Bolden oder Datum der ersten Marslandung. Es sind die mysteriösen Zahlen was was kostet. Auch wenn ab und an mal was publiziert wird, so sind Raumfahrtagenturen doch sehr vorsichtig damit zu publizieren was was kostet. Wie schon gesagt: Es gibt Ausnahmen. Meistens wenn es billiger als vergleichbare Projekte kommt (so bvei den Raumsonden des Discovery Programms). Meistens erfährt man gar nichts oder es gibt sogar gezielte Desinformation. Bei XMM Newton wurde z.B. angegeben, der Satellit kostete 230 Millionen Euro – ja aber nur der Satellit. Dann kommen noch die Instrumente dazu, der Start und die Mission – und zack ist man bei 686 Millionen Euro, tja und ein paar Jahre später sind es 919 Millionen Euro.

Gut viele Dinge sind schwer zu quantifizieren. So z.B. fallen bei fast allen Weltraumbahnhöfen die Fixkosten für diesen weg. Aber das so wenig über Kosten publiziert wird ist schon befremdlich. Schämt man sich dafür? Ich stehe auf dem Standpunkt, wenn man den Leuten klar macht wofür das Geld ausgegeben wird, dann kann man auch die Kosten rechtfertigen. Es ist primär eine Frage der Argumentation und wie man die Öffentlichkeit informiert – fachkundig und fair.

Vielleicht ist das nicht möglich oder es fällt bei bestimmten Projekten schwer, vor allem wenn es um Grundlagenfragen geht. Bei schönen Bildern tut man sich einfacher. Aber CERN kostet auch Milliarden, erzeugt Elementarteilchen die es im heutigen Universum nicht mehr gibt, ist also ehrlich gesagt nicht so nützlich – eben typische Grundlagenforschung und da muss man nicht suchen was der LHC kostet.

Natürlich könnten unangenehme Fragen kommen, wie auch in anderen Dingen wenn es um Geld geht. Aber wenn es gerechtfertigt ist, man sauber gewirtschaftet hat ist es doch kein Problem zu den Zahlen zu stehen oder? Zumal ja nur Weltraumorganisationen selbst zu teure Projekte abbrechen – oder eben nicht. Denn so wichtig, dass sich damit die Regierungschefs beschäftigen sind nur die Spitzenprojekte wie Constellation oder die Europa II+III Entwicklung um mal zwei Projekte zu nennen die nicht von den Weltraumagenturen sondern den Politikern gekippt wurden. Doch das sind die Ausnahmen.

Es hat sich meiner Erfahrung nach verschlechtert. So ab Mitte der Achtziger Jahre wir es schwierig Daten über Entwicklungskosten, Startpreise etc. zu bekommen. Okay, außer mir interessiert sich wohl keiner für die Kosten eines ATV Starts (ATV-002 nun schon 400-450 Millionen Euro) aber ich denke einige wird interessieren was die ISS gekostet hat oder das Space Shuttle Programm. Bei letzterem gibt es nicht mal mehr die Startpreise seit 1988. Wer es genauer wissen will, muss einige Stunden lang alte NASA Budgettabellen und Bücher wälzen.

Vielleicht weil der eine oder andere 135 Millionen Dollar für einige hopsende Astronauten (ISS) oder 126,8 Milliarden Dollar (STS) für 134 immer gleich aussehende Starts (mit einer Ausnahme)  vielleicht etwas viel. Aber ich finde auch 2 Milliarden Dollar sind für einen Marsrover etwas viel – zu teure Projekte gibt es nicht nur in der bemannten Raumfahrt. Solange aber der Steuerzahler das ganze finanziert sollte er auch umfassend informiert werden. Dazu gehört auch was wie viel kostet und wie sich dies zumindest in die wichtigsten Posten aufschlüsselt.

3 thoughts on “Die geheimen Zahlen in der Weltraumfahrt

  1. Also grundsätzlich ist es ja richtig, das über die Kosten aufgeklärt werden sollte. Aber in der jetzigen Zeit halte ich es für keine kluge Idee, damit auch hausieren zu gehen. Sprich: Die Kosten sollten zwar irgendwo allgemein zugänglich publiziert werden, aber man sollte da kein grosses Trara drum machen. Das würde derzeit wahrscheinlich nur ablehnende Haltungen hervorrufen, bzw. beflügeln, weil viele Menschen den Sinn der Forschung nicht sehen (wollen).

  2. Oh das erinnert mich an was. Wie war das noch mit der Staatsverschuldung?

    „Also grundsätzlich ist es ja richtig, das die Staatsverschuldung reduziert werden sollte. Aber in der jetzigen Zeit halte ich es für keine kluge Idee, damit die Wirtschaft zu belasten. “

    Es reicht ja wenn die Kosten bei anderen Projektdaten auch veröffentlicht werden. Doch darüber schweigen die Presseerklärungen gerne.

  3. Hmm, der Spruch mit der Belastung der Wirtschaft stammt wahrscheinlich von einem CDU- oder FDP-Menschen, oder?
    Aber hat von denen, die das behaupten schon mal jemand die Bilanzen der Unternehmen studiert? – Wahrscheinlich nicht, denn dann könnte einem ja auffallen, das die Firmen enorme Gewinne machen. (U.a. auch wegen der vielen Steuergeschenke der vergangenen 20 Jahre.)
    Aber das jetzt weiter auszuführen würde zu umfangreich, deshalb spar ich es mir an dieser Stelle.

    Andrerseits steh ich ja auf dem Standpunkt, das man gerade mit der Raumfahrt, sowohl der unbemannten, wie auch der Bemannten ein gewaltiges Konjunkturprogramm auflegen könnte, wenn man den langen Rattenschwanz der Logistik, der da dran hängt, berücksichtigt. Also etwa den Betrieb und die Betreuung, sowie die Auswertung der Daten laufender Programme. Dazu die Aufbereitung der Ergebnisse für eine interessierte Öffentlichkeit. Das ist ein Punkt, der viel zu sehr vernachlässigt wird.
    Beim voran treiben der Forschung und Entwicklung zukünftiger Programme, die dann auch mal umfangreicher sein können, könnte ebenfalls einiges passieren, wenn denn das Personal dafür da wäre. Damit wären wir bei der Ausbildung, und schliesslich bei der Volkswirtschaft, bzw. Wirtschaftspolitik angekommen. Das jetzt noch weiter auszuführen wird mir zu umfangreich. Ich glaube, das wäre ein Thema für einen eigenen Blogeintrag…

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