Die Sache mit dem EELV

 629 total views,  2 views today

Praktisch ejde Woche kommt in einem der Raumfahrt Newpsortale etwas über das EELV. EELV? Damit wir alle auf dem gleichen Kenntnisstand sind, eine kleine Einführung in die Geschichte des EELV. Mitte der neunziger Jahre initiierte das US-Verteidigungsministerium EELV als Programm. Zum einen wollte es die Kosten für ihre Trägerraketen senken, zum anderen sollte die teure Titan ausgemustert werden. Als Nebeneffekt sollten die US-Träger wieder wettbewerbsfähig werden, nachdem Sie nach der Wiederaufnahme der Produktion nach dem Verlust der Challenger nicht wieder an ihre frühere Marktposition anknüpfen konnten.

Was entstand war die Atlas V und die Delta IV. Doch als diese Träger 2002 zur Verfügung standen, erfüllten sich die Hoffnungen des DoD nur zum Teil. Zwar waren sie billiger als die Titan, die sie ersetzten, aber sie waren erheblich teurer als geplant. So sollte ein Start des kleinsten Atlas Modells 77 Millionen Dollar kosten. Der erste wurde noch für 90 Millionen Dollar abgewickelt, die letzten für 128-136 Millionen. Nun wurde auch Ariane 5 im gleichen Zeitraum teurer (von 100 auf 160 Millionen Euro). Doch dazu kommt noch eine Quersubvention von 1 Milliarde Dollar pro Jahr. Sie dient dazu, dass Boeing und Lockheed Martin erfahrene Mitarbeiter nicht auf die Straße setzen und Fertigungsanlagen schließen. Auch diese ist deutlich höher als die rund 120 Millionen Euro die Arianespace jedes Jahr bekommt.

Seit Ende 2006 treten Lockheed Martin und Boeing nur noch gemeinsam als ULA an. Das Soll die Fixkosten für die Träger senken, brachte aber in der Praxis keine Einsparungen.

Es geht noch weiter. Diese Subventionen werden wohl ansteigen und die Trägerpreise in den nächsten Jahren ebenfalls. Das DoD versucht durch das Kaufen größerer Stückzahlen gegenzusteuern. Auch die NASA ist nicht so begeistert. Das Problem für die NASA ist, dass die Träger für viele wissenschaftliche zu groß und zu teuer sind. Bisher nutzte die NASA für ihre wissenschaftlichen Missionen vor allem die Delta II. Doch das DoD beschloss auch diese nach einer Übergangszeit auszumustern. Sie war bis 2009 nötig, um die aktuelle GPS Generation zu starten. Die neue ist größer und benötigt größere Träger. Die NASA wollte wegen der hohen Infrastrukturkosten die Weiterfertigung der Delta II nicht bezahlen.

So die Situation heute. Die NASA hat vor allem das Problem, dass ihr für ihre wissenschaftlichen Missionen die richtige Trägerrakete fehlt. Sie kann weiterhin die Atlas V in der kleinsten Version einsetzen wie sie dies auch bisher tat. Doch ist dies unnötig teuer. Ihre Nutzlasten liegen in der Delta II Klasse und wiegen erheblich weniger. Anders als für die ISS Transporte, wo es nach noch Backupsysteme gibt wenn ein Transport ausfällt, vertraut sie ihre Forschungssatelliten nur Systemen mit einer ausreichenden Zahl von erfolgreichen Flügen an. Vor ein paar Jahren war sie noch optimistisch, dass Antares (früher Taurus II) und Falcon 9 bis 2013 diese Zahl von Flügen zusammengekommen, nun rechnet man eher mit 2016. Sie überlegt nun einige noch verbliebene Delta II zu kaufen, um die Lücke zu füllen. Diese Flüge werden recht teuer werden.

Die Vorschläge die man von Kommentatoren hört sind relativ einfach: Die Falcon 9 solls richten. So einfach ist es aber auch nicht. Die Falcon 9 soll nach einem NASA Audit 2012 schon 111 Millionen Dollar kosten und hat nur rund 8 t Nutzlast – ausreichend für die NASA, zu klein für das DoD, für die vor allem die GEO Performance zählt, die sehr niedrig ist. das DoD brächte dann die Falcon Heavy. Diese ist noch nie geflogen und wenn man die NASA Schätzungen auf die Falcon heavy überträgt wird sie dann auch nicht mehr viel billiger als die etablierten Träger. Für die NASA gibt es immerhin noch die zweite Option der Antares wenn die Falcon 9 weiterhin mal vorzeitige Triebwerksausfälle hat oder in einem falschen Orbit um die eigene Achse rotierend landet.

Das Hauptproblem ist aber doch ein anderes. Es ist das, dass das DoD darauf besteht zwei Träger zu haben, die beide in der oberen Nutzlastkategorie angesiedelt sind. DoD und NASA haben selbst zusammen zu wenige Flüge für zwei Trägerfamilien und daran ändert sich auch in Zukunft nichts. So werden die nächsten GPS Satelliten nun nicht mehr einzeln sondern in kleinen Flotten gestartet. 2010 gab es nur 7 Starts von beiden Trägern zusammen. Das Grundproblem, weshalb es auch die Zuschüsse gibt ist, dass für diese kleine Zahl von Starts es völlig ausreichen würde einen Träger zu fertigen. Die Europäische Ariane 5 Fertigung ist ausgelegt für 8 Träger pro Jahr. Pad und Fertigung könnten leicht auch 10 bewältigen. Wenn man in die Gegend kommt , dass man nur noch 4-5 Stück eines Trägers pro Jahr produziert, dann steigen die Fertigungskosten rapide an. Daher auch der Zuschuss von 1 Milliarde Dollar pro Jahr. Es sind praktisch die Fixkosten einer Linie die man sonst aufgeben würde. Daran wird sich auch nichts ändern, wenn dann entweder Delta 4 oder Atlas V aufgegeben würden.


One thought on “Die Sache mit dem EELV

  1. Der Produktionslinie tut es nichts, wenn man sie ein Jahr oder zwei „einmottet“ und dann wieder weiterbetreibt. Mit dem Personal hat man da schon eher Probleme, denn das ist dann weg und man muss für viel Geld neues Personal finden.

    Bleibt die Variante, die Apple und Co. bei Computern seit Jahrzehnten erfolgreich betreiben: Die Produktion outsourcen! Damit ließen sich gerade im lohnintensiven Raketenhandwerk viele Gelder sparen. Aber so lange die Raketentechnik auch militärisch relevant ist, wird das nicht passieren.

    Kai

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.