Vom Falken zum Suppenhuhn

Die NASA hat vor wenigen Tagen den Abschluss eines Kontrakts mit ULA bekannt gegeben: Eine Delta 2 wird 2016 den Satelliten ICESat-2 starten. Die Nachricht wäre nicht der Rede wert, wenn da nicht ein kleines Detail wäre: Die Rakete wird seit 2009 nicht mehr produziert. Boeing hat noch fünf Exemplare die man wohl zu viel produziert hat und innerhalb von acht Monaten hat die NASA davon vier Stück gekauft.

Die Frage ist: warum kauft die NASA nicht die Falcon 9, das ist doch ein soooo billiges Modell? Nun ja, zwei Starts sollen 2014 erfolgen, da kann man argumentieren, dass die Falcon 9 vielleicht noch etwas zu jung für die NASA ist. Doch die beiden anderen Starts sind erst 2016 (so auch der von ICESat). Da könnte man mit einer Bestellung sicher bis 2014 warten und bis dahin müsste SpaceX ja wohl weitere Starts absolviert haben (nach ihrem Launch Manifest sollen es ja sieben dieses Jahr sein. (Pikanterweise ist nach dem Launch Manifest der zweite Versorgungsflug zur ISS ja schon 2012 erfolgt….). Wie viel Vertrauen muss man in einen Träger haben, der seit 2010 im Einsatz ist, wenn man anstatt dem lieber eine nicht mehr hergestellte Rakete ordert, die dadurch ziemlich teuer wird.

Das leitet über zum Preis. Für diesen Delta II Start werden 96,6 Millionen Dollar genannt. Das ist teuer, aber der letzte veröffentlichte Startpreis der USAF für das DSCO auf einer Falcon 9 ist mit 97 Millionen Dollar sogar noch höher. Natürlich stehen auf der Homepage andere Zahlen, aber wie schon gesagt, nach der hat der Flug der in wenigen Tagen stattfinden soll, ja auch schon stattgefunden. Das mit der Wirklichkeit leicht überprüfbare Launchmanifest kündigt ja seit Jahren Starts an, die nie in diesem Jahr erfolgen. Fast alles andere ist nicht nachprüfbar. Allerdings ist bisher noch kein Start einer Falcon 1 oder 9 im Auftrag der USAF oder NASA zu dem Preis erfolgt, der auf der Homepage steht.  Zurück zum Launchmanifest und seiner Aktualität: So wird (mit etwas Glück) dieses Jahr ein Satellit von MDA starten, der 2006 noch für 2008 angekündigt wurde. Hmmm, wenn ich über diese Worte nachdenke fällt mir gerade noch ein zweiter Grund ein, warum die NASA nicht diesen Träger gewählt hat.,,,

Kleine Notiz am Rande – bei allen bisherigen Startkontrakten mit USAF und NASA findet man auf den SpaceX Seiten keine Angabe der Summe, wohl aber in den Nachrichtenagenturen. Es könnte ja sein, dass jemand den kleinen Unterschied von 29-70% zu den dort veröffentlichen Preisen bemerkt….

Ach man könnte so viel schreiben. Da haben wir doch das Konzept der Wiederverwendung, nun sogar mit hübschen Filmchen in denen die Stufen wieder zum Startplatz zurückfliegen. Dann erfährt man von der NASA und nur indirekt, denn sie dürfen als „Kunde“ ja nicht veröffentlichen, was sie wissen, dass der Triebwerksausfall beim letzten Flug auf „zu intensives Testen“ zurückzuführen ist. Hmmm zu intensives Testen. Also wenn ich die Lebensdauer des Triebwerks kenne sollte ich vielleicht sie nicht bis an diese betreiben. Wenn ich sie nicht kenne oder damit rechne, dass mir das Triebwerk bald um die Ohren fliegt, dann sollte ich wohl besser nur wenig testen. Daher tippe ich auf letztes. Vor allem ist das dumm, wenn man die Triebwerke wiederverwenden will, dann fliegen sie mir eben beim nächsten Start um die Ohren (oh Entschuldigung, die abfallenden Bruchstücke waren ja nur „aerodynamische Verkleidung“ – dumm nur wenn die nur bei dem „abgeschalteten“ Triebwerk wegfliegen….)

Auch sonst hört man ja nicht so viel Gutes von SpaceX: Die Arbeiter sollen dort bis zu 14 Stunden am Tag arbeiten, natürlich alle ganz begeistert und freiwillig, Ja das glaube ich auch sofort, wenn die Nachricht aus einem Land kommt, in dem Gewerkschaften als kommunistisches Teufelszeug gelten, die Arbeitslosigkeit hoch ist und so was wie unbefristete Arbeitsverträge und Kündigungsschutz nicht gibt.

Na ja in wenigen Tagen kann ich ja meine Wette einlösen, denn da startet die letzte Falcon „v1.0“ auf die ich meine schon vor mehr als vier Jahre publizierte Wette bezog. Die nächste Generation wurde ja erst vor zwei Jahren angekündigt. Ich werde dann gleich eine neue, kürzer angelegte Wette präsentieren. Mein Tipp: benennt die Rakete in „Boiling Hen“ um…..

12 thoughts on “Vom Falken zum Suppenhuhn

  1. Gerade diese Publicitysucht zeigt ja das es nicht um Gewinne geht, sondern die Firma an die Börse zu bringen, die eigenen Anteile schnell zu verkaufen und so den Reibach zu machen. Andere CEO von Raumfahrtfirmen haben es nicht nötig überall aufzutreten und PR zu machen und diese Firmen sind mit dieser Art von PR auch nicht zu beeindrucken, damit sie Aufträge vergeben.

  2. Nach einer anderen Webseite als der von Space-X soll heute ein Treibwerkstest stattfinden und die Dragon am 1. März starten – die vom Launch Manifest von 2012.
    Schaun mer mal.

  3. Interessant ist auch das nur 575kg Fracht an Bord sind.
    Da Frage ich mich ernsthaft wie die 20t in 12 Flügen (von denen nach diesem Einsatz noch 10 übrig sind) schaffen wollen.

    Und das Verhältnis von Kosten / kg ist auch ziemlich schlecht. Da ist ja selbst das ATV billiger und das ist ja bekanntermaßen die eierlegende Wollmilchsau unter den Transportern und dadurch preislich nicht sonderlich günstig.

  4. Das ist ja nur noch lachhaft.

    Der Rücktransport zur Erde war doch ursprünglich gar kein Bestandteil der COTS-Verträge. Aus diesem Grund entwickelt OSC ja seinen Transporter ohne diese Fähigkeit.

    Vielleicht sollte das mal jemand der ESA erzählen. Wenn man den entsorgten Müll mitrechnet erhöht sich die Nutzlast des ATV auch drastisch.

    SpaceX scheint gute Lobbyarbeit zu leisten. Wenn sie es nicht schaffen den ursprünglichen Vertrag zu erfüllen wird dieser so abgeändert (Down-mass / Gewicht der Umverpackungen mitzählen) das es passt.

    Trotzdem bleibt die gelieferte Nutzlast lächerlich klein.

  5. Ich hoffe das ist nicht zu sehr off-topic, aber wie ich im Orbiter-Forum lese heißt es wohl von SpaceX dass die Solarpaneele der Dragon sich nicht ausfahren lassen…und man nicht so sicher ist ob man es zur ISS schafft oder danach bei der Landung die Fallschirme auszulösen.

  6. Wie gut das man die Softwareprobleme im Vorfeld ignoriert hat 🙂

    Twitter-Meldung vor 7 Stunden:
    „Computer glitch found by @SpaceX avionics while bench testing on IM. Couldn’t replicate on vehicle. Launch proceeding…“

    Fehler die nicht reproduzierbar sind und dessen Ursache man nicht kennt sind eben eine ziemlich gemeine Sache….

  7. Mal sehen, was die Ursache ist, obs wieder an der Billighardware vom Elektronikdiscounter liegt…
    oder ob die Programmierer irgendwo einen String Code falsch einsortiert haben…

  8. Nur einer von vier Vernierdüsenblöcken arbeitet, ein zweiter soll wohl noch online kommen, aber die NASA hat schon jetzt verlautbart, dass die Dragon drei funktionierende Blöcke braucht damit sie an der ISS koppeln darf.

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