Der neue deutsche Erdbeobachtungssatellit

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Ihr wisst ja, ich bin nicht so begeistert von der deutschen Raumfahrt Politik, sie ist zu wenig eigenständig, vernachlässigt den Trägersektor sträflich zugunsten der bemannten Raumfahrt, ohne das dies irgend einen Nutzen bringen wurde- um so erfreulicher ist es zu berichten, dass fünf neue Erdbeobachtungssatelliten gebaut werden. Es ist zugleich ein gutes Beispiel der Zusammenarbeit der Ministerien. Die Ausgangsbasis war klar. Die Bundeswehr suchte nach einem Nachfolgesystem für SAR Lupe, das im Juli fünf Jahre in Betrieb ist, also am Ende der nominellen Einsatzdauer. Die Satelliten sind in gutem Zustand und alle erschöpflichen Ressourcen reichen noch für einen Betrieb über mehrere Jahre, doch da ein neues System rund 4 bis 5 Jahre von der Planung bis zum Start braucht, wäre es an der höchsten Zeit ein Nachfolgesystem zu etablieren.

Sar Lupe 2, weitere Radar-Aufklärungssatelliten bekam die Bundeswehr mit dem Abzug aus Afghanistan aber nicht genehmigt. Auch wurde bemängelt das die Bundeswehr zur Aufklärung Drohnen und ein Satellitensystem haben will. Eines von beiden sei überflüssig. Das wird nach dem derzeitigen Stand aber die Drohne sein.

Auf der anderen Seite kämpft das DLR seit langem für die Bewilligung eines eigenen hochauflösenden Aufklärungssatelliten. Das Projekt HiROS kam vor einigen Jahren durch die Wikileaks Veröffentlichungen in die Schlagzeilen, auch wenn es nie geheim war. Auch hier gab es seit zwei Jahren keine Finanzierung, genauso wie die Nachfolge von TanDEM-X offen ist. Gespräche zwischen dem DLR und der Bundeswehr fanden statt zuerst um eine gemeinsame Nachfolge für SAR Lupe und TandDEM-X zu finden, beides sind RADAR Satelliten. Da es nun erstmals von der Koalition ein vorsichtiges Okay gab, hat man in den weiteren Ministerien angefragt ob es nicht auch noch Bedarf gab nach Bildern aus dem Orbit, und man wurde fündig:

  • Bundeswehr: Bedarf an hochauflösenden Bildern in RADAR und im optischen Bereich, Fähigkeit ein Gebiet recht häufig abzubilden
  • DLR/ Forschungsministerium: Bedarf an Stereo-Aufnahmen im RADAR mittlerer Auflösung, hochauflösende Aufnahmen im optischen Bereich.
  • Ernährung und Landwirtschaft: regelmäßige Aufnahmen Deutschland mittlerer Auflösung in vielen Spektralbereichen bis zum mittleren Infrarot, zur Ernteprognose und Waldschadenbestimmung
  • Verkehr: Überwachung von Autobahnen zur Stauvorhersage, Geschwindigkeitsbestimmung der Fahrzeuge aus dem Orbit. Aufspüren wilder Bebauung und Feststellung von Verkehrsschwerpunkten
  • Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit: Frei Verfügbarkeit von Aufnahmen niederer Auflösung für Entwicklungsländer, ähnliche Anforderungen wie bei Landwirtschaft und Forsten
  • Umwelt + Naturschutz: Bestimmung der Artenvielfalt, Veränderungen in Naturschutzgebieten. ähnliche Anforderungen wie Landwirtschaft und forsten.
  • Auswärtiges Amt: für die USA und Verbündete relevante Aufklärungsinformationen zur Intensivierung der gemeinsamen Zusammenarbeit

Aufgrund dessen konnten drei Kerninstrumente herausgearbeitet werden:

  • Ein Abbildendes Radargerät mit der Fähigkeit im Spotmodus zu arbeiten wie auch in niedriger Auflösung (etwa 10 m) größere Gebiete abzutasten.
  • Ein optisches Teleskop mit zwei Detektoren an einem Strahlteilen. Einem im optischen empfindlichen mit 4-16 Spektral Kanälen und einem Multispektralscanner in niedriger Auflösung mit >256 Spektral Kanälen im sichtbaren und nahen Infrarot.
  • Ein nicht abbildendes Laser-Entfernungsmessgerät, das die Anzahl und Geschwindigkeit von bewegenden Objekten (Fahrzeige) bestimmen kann.

Mit der Unterstützung von sieben Ministerien gab es einen einstimmigen Koalitionsbeschluss für das neue Projekt das aus fünf Satelliten (vier Einsatz und ein Reserveexemplar) besteht. Dazu kommen wegen der hohen Datenrate noch zwei geostationäre Kommunikationssatelliten. Vier Exemplare gewährleisten auch die Forderung der Bundewehr nach schneller Revisit-Time und der DLR nach Stereoskopen Bildern. Die Satelliten sollen ab 2018 mit fünf Vega bzw. Sojus / Ariane 5 bei den Kommunikationssatelliten starten. Laserübertragung soll bei den Kommunikationssatelliten eine abhörsichere Datenübertragung mit einer hohen Datenrate ermöglichen. Die Kommunikationssatelliten könnten auch die Nachfolge von SatcomBW, den Kommunikationssatelliten der Bundeswehr antreten.

Kritiker an dem neuen System meinen aber, das das System nur so schnell bewilligt wurde, weil die Namen gut gewählt wurden. Das System heißt „Allgemeines Multiples ERerKundungs, Entwicklungs- und Logistiksystem, kurz A. MERKEL. Das Hauptinstrument ist ein Radar-Optical-Enviroment-Super-Spectral-Lidar-Emission-Rangesensor. Kurz: ROESSLER.

Dazu kommen die beiden Kommunikationssatelliten, kurz Communication Space Unit und die Bodenstationen, kurz Common Data Unit oder CDU/CSU. Für den Fall, dass die Regierung Ende September abgewählt wird, hat man sich schon einen neuen Namen ausgedacht: Project Ecology-Enviroment-Ressources kurz PEER.

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