Video killed the Information und das Glück

Da ich derzeit gerade am dritten Aufsatz über eine US-Raumsonde bin fällt mir eines auf, das ich schon seit mindestens einem Jahrzehnt beobachte: Der Rückgang der Informationen. Als das Internet jung war, so zu Zeiten von Mars Pathfinder gab es enorm viel Information über die Raumsonden. Wissenschaftler beantworteten fragen, IBM war so stolz über den Bordcomputer das es eine eigene Website gab, bei Mars Global Surveyor wurden ganze Dokumente über den Aufbau der Sonde online gestellt.

Das wurde sukzessive immer weniger, mit einigen Abweichungen nach Oben wie dem MSL als Großprojekt. Aber bei Juno sieht es wirklich mau aus. Ähnliches habe ich schon bei GRAIL und LADEE beobachtet. Früher war es noch möglich über die Instrumente viel rausbekommen, weil diese oft auf wissenschaftlichen Kongressen vorgestellt wurden, doch das scheint nun auch nicht mehr so zu sein. Meine früher immer erfolgreiche Methode nach „Raumsondenname Experimentname“ und filetype:pdf oder filetype:ppt zu suchen liefert immer weniger brauchbare Resultate.  Es ist heute fast unmöglich einen Aufsatz in der epischen Breite wie über Voyager oder Galileo zu schreiben (wo es ja nicht ein Aufsatz ist, sondern mehrere). Stattdessen finde ich auf Webseiten immer mehr Videos, Animationen, viel Flash, was diese natürlich auch für Google undurchsuchbar wird. Die Website der ESA kann man ohne Flash gar nicht mehr besuchen und besonders schlimm: sie hat nicht nur ihre Druckpublikationen eingestellt (zumindest bekomme ich keine mehr) sondern die Online-Aufgaben sind nun nicht mehr als PDF vorliegend, sondern ebenfalls in einer Flash-Animation zum Lesen. Toll wenn ich das in ein par Jahren zum Recherchieren brauche…..

Eine Firma hat den Trend ja verstanden und Informationen über sie gibt es nur noch in Videos. Ich schaue mir kein einziges (egal woher) an. Zum einen weil es extrem zeitraubend ist verglichen mit dem Lesen, man nicht schnell blättern oder durchsuchen kann und natürlich bei englischsprachigem Content das Problem da ist, erst mal die Sprache zu verstehen. Es ist ein Unterschied englisch zu lesen oder englisch zu hören. Vielleicht sollte ich auf den Trend aufspringen denn ein Vorteil ist da: für den Publisher. Es geht viel schneller ein Video zu drehen als zu schreiben. Wenn ich dran denke, wie lange ich an einem Blog sitze (so 2-3 Stunden für einen mittellangen) und wie schnell ich den gleichen Text aufgesagt habe, sollte ich sofort auf Videos oder besser Audio mit Standbild umschalten, denn mein Gesicht muss man nicht unbedingt im Internet sehen.

Dann gibt es die ARD Themenwoche über das Glück. Da das bei mir wegen einer Winterdepression jahreszeitlich schwankt, zumindest das „glücklich sein“, denke ich gerade wieder mal dran wie schön es wäre wonders zu sein. Wo die Sonne scheint, vielleicht noch warmes Wasser zum Schwimmen da ist. Also im Herbst/Winter denke ich regelmäßig drüber nach, wie schön es wäre zumindest diese Jahreszeit woanders zu verbringen. Leider gibt’s immer ein paar Nachteile. Wo die Infrastruktur so ist wie bei uns, ist es meist teuer, wo das nicht der Fall ist ist es billig, aber wenn man an Dingen wie Internet oder Online Bestellung hängt, eben keine Alternative. Daneben gibt es, wie wir gerade sehen, in vielen subtropischen Gefilden die Gefahr von Orkanen, Hurrikans oder Taifunen, je nachdem in welchem Weltmeer man gerade ist oder es bricht in Vulkan aus (Indonesien) oder es gibt ein Erdbeben. Oder es geht gleich die ganze Insel bzw. das Land (fache Südseeinseln, Bangladesch) durch den Meerespiegelanstieg unter.

Für mich als „Hocketer-Schwob“ der sich nicht allzu weit von seinem Wohnort entfernt wird es eh beim Träumen bleiben. Schlimm wäre es ja nur wenn es keine Nachteile gäbe, dann müsste ich ja konsequenterweise wirklich meinen Wohnsitz verlagern ….

12 thoughts on “Video killed the Information und das Glück

  1. Moin,

    > Zum einen weil es extrem zeitraubend ist verglichen mit dem Lesen, man nicht schnell blättern oder durchsuchen kann und natürlich bei englischsprachigem Content das Problem da ist, erst mal die Sprache zu verstehen.

    ich hatte mir vor einiger Zeit mal ein Semester Verhaltenspsycholgie von Stanford angeschaut, und mich am Anfang immer gefragt, warum es so wichtig sein soll seine Hosen zu kopieren, bis ich dahinter kahm, dass er nicht copy your jeans, sonder copy you genes meinte.

    Wobei ein BL Podcast im breitesten Badenser stell ich mir jetzt auch lustig vor, und für uns Norddeutsche fast so schwer zu verstehen wie Texanisch.

    ciao,Michael

    PS: *oups* Bist du eigendlich Badenser oder Gelbfuss?

  2. Die Kanaren sind im November ganz angenehm für zwei Wochen Urlaub.
    Aber Urlaub heißt bei mir auch, daß ich den Computer zu hause lasse, und das Handy ausschalte.

  3. Ein weiterer Nachteil aufwendiger Internetseiten ist die lange Ladezeit. Weniger ist in diesem Fall wirklich mehr, deine Seite lädt ja beispielsweise sehr schnell.

  4. Das mit den Videos finde ich auch eine furchtbare Seuche. Wenn ich mal was zum Thema Softwareentwicklung suche bei Google, kommen als erste 10 Suchergebnisse immer sofort irgendwelche Video-Tutorials. Das ist gleich doppelt bescheuert, weil ich erstens momentan 20 Euro pro GB an Bandbreite bezahlen muss, und zweitens, weil ich wie Du schon sagst einfach keine Zeit dafuer habe, mir irgendein Gelaber anzuhoeren und ein schlecht produziertes Video anzugucken.

    Das mit dem Flash ist ebenfalls nervis; umso lustiger vor allem, dass Webseiten JETZT noch ihren Content auf Flash umstellen, wo sogar Adobe offiziell die Plattform fuer „abgehakt“ erklaert hat, nachdem Apple bereits vor Jahren sinnvollerweise damit angefangen hat, sie nicht mehr zu unterstuetzen.

  5. Ist auch nur reinees HTML mit Ausnahme des Blogs, aber da ist dank des Plugins Supercache es auch für (nichtregistrierte) Benutzer besser geworden. Das wandelt auch alles in HTML um. Die Unterschiede sieht man vor allem auf langsameren Plattformen. Mit dem Raspberry Pi brauchen manche Seiten über eine Minute zum Laden.

  6. Was ist wohl das Ergebnis, wenn die Verpackung für wichtiger gehalten wird als der Inhalt? Richtig, der Inhalt bleibt auf der Strecke. So ist in immer größeren Datenmengen immer weniger Information enthalten. Masse statt Klasse.
    Es gab mal einen Spruch: Bei der nächsten Sintflut wird Gott nicht Wasser, sondern Papier verwenden. In Zukunft wohl eher Videodateien.

  7. Zum einen: Auch Dein Blog, Bernd, ist Teil der allgemeinen „Informationsverhappung“, die derzeit passiert. Immer weniger Autoren setzen sich zwei Wochen lang hin und recherchieren ein Thema durch, sondern jedes kleine Delta, jede kleine Änderung („iPhone 4 nun mit Retina-Display“) ist schon für sich eine Mega-Headline.

    User und Autoren optimieren sich gegenseitig darauf. Die Autoren schreiben keine langen Texte mehr, weil eh kein User die liest, oder, wenn doch einer die liest, mit dem einen Iota, was er als Fehler gefunden hat, einen negativen Forums-Post hinterlässt. Und die User lesen keine langen Texte mehr, weil es zumindest von guten Autoren eh keine langen Texte mehr gibt.

    Google unterstützt diese Verhappung massiv, indem es Seiten, die auf mehr als eine drei-Wort-Frage („iphone retina-Display Auflösung“) eine Antwort geben, kaum noch rankt.

    Die „Informationsverhappung“ hat aber auch gute Seiten: Der Mensch lernt in kleinen Schritten ja besser, als wenn er alles auf einmal präsentiert bekommt. Die Pädagogik weiß, warum sie ein Stunde Mathe, dann eine Stunde Deutsch, dann Sport, dann Geschichte, dann …, statt 2 Wochen Mathe am Stück und dann zwei Wochen Deutsch am Stück unterrichtet. Und so bleiben am Ende von vielen Happen „Galileo“ eben doch mehr Fakten in den Gehirnen der Zuschauer hängen, als früher mit einmal im Monat 90 Minuten Joachim Bublath in „Aus Forschung und Technik“.

    Nur gilt eben: Wer doch mal ein Thema ausführlicher recherchieren will, muss tausende Happen zusammenklauben.

    Kai

  8. Moin,

    > Die Pädagogik weiß, warum sie ein Stunde Mathe, dann eine Stunde Deutsch, dann Sport, dann Geschichte, dann …, statt 2 Wochen Mathe am Stück und dann zwei Wochen Deutsch am Stück unterrichtet.

    weil Schulen eine Kinderkaserne sind, bei dem wie am Fließband gelernt werden soll. Lernziel ist nicht Lesen, Schreiben, Rechnen, sondern Disziplin, Stillsitzen, Pünktlichkeit und Gehorsam, damit die Kinder später Dumm genug sind, um im tailoristischen System sich ausbeuten zu lassen und zu funktionieren.

    Sinn macht das überhaupt keinen. Ganz im Gegenteil weiß ich aus meiner Zeit als ich an einer illegalen Schule Mathe unterrichtet habe, das viele Kinder eher ein bis zwei Wochen am Stück das lernen wollen, was andere häppchenweise über das Schuljahr verteilt bekommen. Wenn Du dann plötzlich von 12 bis 13 Jährigen zu Integral, Differenzialrechnung, Stochastik oder gar komplexen Zahlen gelöchert wirst merkst Du spätesten wie Krank das Schulpflichtsystem ist. Nicht nur in der Informatik die durch schlechte Lehrer bekannt ist, sondern auch in Mathe und anderen Fächern legen es die Kinder irgendwann drauf an die Lehrer heraus zu fordern und versuchen besser als der Lehrer zu sein. Gute Mathelehrer kommen darauf klar wenn die Cracks sich nur melden wenn an der Tafel vom Lehrer ein Fehler gemacht wurde. Bei Deutsch, Geschichte usw sind die Kinder jedoch der Willkür ausgeliefert.

    Normale Schulen sind eines der effektivsten Mittel um Kreativität und Intelligenz zu vernichten. Falls ich nochmal Kinder haben sollte, wäre das ein Grund wieder auszuwandern.

    ( evtl wäre das mal ein Thema für einen Blog )

    ciao,Michael

  9. Interessanter Beitrag, diese Trends stelle ich auch fest.

    Schade nur, dass das Thema nicht so eigenständig und ausführlich steht, stattdessen mit dem Thema Glück verbunden wird, dessen Verbindung ich nicht hin bekomme.

    Würde sich sicher lohnen, dass Thema nochmal aufzugreifen.

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