Mein Tipp an die US-Regierung

Es gibt wieder neues von SpaceX, nun fängt es sogar an persönlich zu werden. Da die Firma trotz Preisens ihrer Raketen wie Sauerbier keine Aufträge von der US-Regierung bekommt, prozessiert sie nun gegen diese. Zuerst gegen den Block-Buy der im Dezember 2013 abgeschlossen wurde und bei dem sie nicht beteiligt war (sie hatte keine einsatzbereite Rakete vorzuweisen – so was kann passieren wenn Raketen angeblich schon vor Jahren starten sollen aber es nicht tun und die Modelle mit denen man sich an der Ausschreibung beteiligen kann, einfach nicht mehr hergestellt werden…) und damit ULA es noch schwerer hat, gegen die Verwendung von RD-180 in der Atlas. Die Gewinne von NPO Energomasch würden bei Dmitry Rogozin landen, der auf der Sanktionsliste ist. Der antwortete in einem Tweet in der Art „Er empfehle die USA sollten mit einem Trampolin zur ISS aufbrechen“. Nun wurde vorgeschlagen die Triebwerke in den USA zu bauen. Das Gericht verhängte einen Kaufstopp für RD-180, der nun nach Einsprüchen von ULA und dem Justizministerium wieder aufgehoben wurde. Mal abgesehen von dem Verhalten von SpaceX, mit dem man sich sicher nicht beliebt macht (der Firma muss es schon ziemlich schlecht gehen wenn sie so ihren größten Kunden behandelt), bringt sie doch die Diskussion auf einen Punkt: wie unabhängig will ich sein?

In zwei US-Raketen werden ganze Komponenten von ausländischen Staaten verbaut. In der Atlas die Nutzlasthülle von Oerlikon Space und die RD-180 von Energomasch. In der Antares wird die erste Stufe von KB Juschojne hergestellt. Dir Triebwerke stammten aus Russland, sind nun aber Aerojet Eigentum. Sie werden aber nicht mehr gefertigt, was eher ein Problem ist. Um das zu lösen will Orbital (die gerade mit ATK fusionieren) nun ach neuen Triebwerken suchen, wobei die Firma auch vornehmlich in Russland Ausschau hält.

Die Frage ist die: wie weit wollen die USA unabhängig beim Transport sein? Klar ist das die USA nie völlig unabhängig sein werden. Spätestens wenn es man die Rohstoffebene kommt, dann sind die abhängig von anderen Staaten, so stammen fast alle seltenen Erden, die man in der Elektronik braucht, von China. Aber das wird wohl für vieles gelten. Jetzt regt man sich auf weil Teile der Raketen aus dem Ausland kommen. doch das ist eher wenig. Wer Kleidung kauft erwirbt etwas was in der ganzen Welt herum kam. Baumwolle aus Afrika, Gewebt in Marokko, gefärbt in China, genäht in Bangladesch etc. Bei einer Sendung dies das mal exemplarisch bei einem Hemd aufgezeigt hat, verglich man auch mit der Fertigung in Deutschland (zumindest das Rohmaterial gibt es nicht bei uns) und kam auf 120 Euro für ein Hemd, wenn es vollständig in Deutschland gefertigt wird. Heute outsourcen Aerospace Firmen wie andere auch. Die Cygnus hat Sonnensegel auf Holland, einen Nutzlastraum aus Italien, Annäherungssensoren aus Deutschland und Japan.

Dadurch gibt es Abhängigkeiten. Derzeit ist die Lösung von ULA die, dass sie einen Zweijahresvorrat an RD-180 haben. Das reicht aus, um solche Krisen zu überbrücken (nach denen man ja leider wieder zum Business as usual übergeht, wie wir ja auch an der Abhöraffäre sehen – da mauert die Regierung, die abgehört wurde und will nicht Snowden anhören der dazu was sagen könnte, man könnte es sich ja mit den Amerikanischen Freunden verderben). Die zwei Jahre reichen aber nicht aus, wenn es einen dauerhaften Konflikt gibt oder Russland den Spieß umdreht und gar keine Triebwerke mehr liefern will …In zwei Jahren kann man keine Produktion aufbauen auch wenn Lockheed im Besitz aller Konstruktionsunterlagen ist.

Die USA haben nun mehrere Möglichkeiten: – Business as Usual, also so weitermachen wie bisher. Die zweite Möglichkeit wäre es die Abhängigkeiten zu verringern. Dann müsste man die RD-180 in den USA bauen und eine eigene Nutzlasthülle für die Atlas. Die RD-180 könnten auch die Antares antreiben, wenn die Regierung Druck macht, werden sich da sicher Orbital und Lockheed einig. Dann müsste man noch die erste Stufe der Antares selbst bauen und hätte die größten Abhängigkeiten beseitigt.

Die dritte Möglichkeit wäre es die Trägerpolitik mal komplett zu überdenken. Derzeit sind folgende Träger im Einsatz:

  • Pegasus
  • Minotaur I
  • Minotaur IV,V
  • Delta II
  • Antares
  • Falcon 9
  • Atlas V
  • Delta 4

nimm man die Träger dazu die in den nächsten Jahren dazu kommen oder angeboten werden, aber seit längerem keinen Start haben, so sind dies noch:

  • Minotaur 6
  • Taurus XL
  • Athena IC+IIC
  • Flacon Heavy
  • SLS

Das sind 15 Träger, technisch basierend auf 11 Typen, ziemlich viel für etwa ein Dutzend Starts pro Jahr. Es sind so viele, weil die Regierung es will. Zum einen mit der Politik zwei Träger derselben Leistungsklasse zu haben (Atlas V und Delta 4) zum anderen durch Gesetze. So darf die NASA keine Minotaur nutzen, da diese auf ICBM basieren. Sieht man sich die Nutzlasten an, so gibt es einige Segmente:

  • Kleine Nutzlasten die in einen niedrigen Erdorbit gelangen („Explorer Klasse“), dafür reicht eine LEO-Nutzlast von 500 bis 1.500 kg.
  • mittelgroße Nutzlasten die entweder in einen niedrigen Erdorbit gelangen oder für kleinere Planetensonden. Nutzlastbereich etwa 5.000 kg.
  • Größere Nutzlasten vor allem für GEO/Navstarmissionen, größere Planetensonden Nutzlastbereich 10.000 bis15.000 kg
  • Schwerlastbereich: große Aufklärungssatelliten, zukünftig benannte Missionen: Nutzlastbereich > 20.000 kg.

Es würde reichen pro Segment einen Träger zu haben. Das wären vier, wenn man die SLS noch hinzunimmt (ob sie und das dazugehörende bemannte Programm wirklich kommt, ist ja noch offen), dann wären es Fünf. Mein Vorschlag:

  • Kleine Klasse: sehr schwierig, da alle Alternativen teuer sind. Selbst die umgebauten ICBM. Am einfachsten wäre es sicher wenn man SpaceX beauftragt ihre Falcon 1e zu entwickeln und sie so sicher macht wie es Regierungsstandards verlangen. Selbst wenn sich dann der Startpreis verdoppelt ist es noch günstiger als die Minotaur/Taurus Varianten.
  • In der Mittelklasse wäre meine logische Wahl die Delta II. Sie ist sicher und erprobt. Die Antares wäre eine Alternative, wenn man das Triebwerks- und Zellenproblem löst.
  • In der Oberklasse kann man Delta 4 oder Atlas V nehmen. Nimmt man für die Mittelklasse die Delta II und hier die Delta IV, so braucht man keinen RD-180 Ersatz entwickeln.
  • Für schwere Nutzlasten gibt es die Delta 4H, daher wäre sie auch die beste Wahl für die Mittelklasse

In der Summe hätte man dann noch drei Träger in fünf Varianten anstatt wie bisher 11. Das steigert Startzahl und senkt so die Kosten.

Eine zweite Alternative wäre internationale Zusammenarbeit mit Partnern mit denen man nicht solche Spannungen hat. Das wären Europa und Japan. Zwischen Europa und den USA gab es schon Vorstöße. So wollte man ursprünglich mal ein gemeinsames LOX/LH2 Oberstufentriebwerk entwickeln. Daraus wurde das Vinci und nun denkt man auch in den USA anders als vor 10 Jahren und sucht nach einem 200 kN Ersatz für das RL10 also noch könnte man das Triebwerk gemeinsam entwickeln, was auch höhere Stückzahlen und niedrigere Produktionskosten bedeutet. Es gab auch den Vorschlag RSRB und EPC in der Liberty zu kombinieren. Das Problem liegt hier eher auf der europäischen Seite, zumindest wenn es sich um ESA Projekte handelt wegen des geografischen Rückflusses bei den Entwicklungskosten. Doch das sollte lösbar sein, wenn jeder seinen Anteil selbst bezahlt und man die Produktionsaufträge entsprechend der Beteiligung verteilt. Reiner Zulieferer, wie es jetzt schon mit der Nutzlastverkleidung der Atlas v der Fall ist kann man natürlich immer bleiben. Japan entwickelt ein neues LOX/LH2 Triebwerk der 1000 kN Klasse für ihre H-III, das soll günstig werden, da gäbe es auch die Möglichkeit der Zusammenarbeit. Bisher hat ja Japan vor allem Dinge von der US-Industrie eingekauft.

Meiner Ansicht nach hat die US-Regierung es in der Hand ihre Startkosten und die Abhängigkeit von Russland/Ukraine zu senken. Sie behindert sich durch Regelungen und Gesetze aber selbst. Mir ist nicht einleuchtend warum man in den Sechzigern bei viel schlechteren Zuverlässigkeiten mit einer Rakete pro Nutzlastbereich auskam (trotz viel mehr Starts) und heute bei nahezu 100% Zuverlässigkeit zwei braucht. So einen Luxus leisten sich nur die USA.

Notiz am Rande: Nachdem ich bei den Diskussionen um das Transatlantische Freihandelsabkommen entnehme, dass man dann auch die Möglichkeit das ein Konzern den Staat auf entgangene vermutete Gewinne verklagen kann auf uns zukommt, muss so was ja schon in den USA existieren. Da muss man sich nicht wundern warum es so viele Raketen gibt – würde man welche abschaffen, so könnten die konzerne ja klagen. Wenns also bei der klage um Aufträge bei SpaceX nicht klappt,kann man ja bei SpaceX die Regierung wegen entgangenem Gewinn verklagen….

Zur Hintergrundinformation bitte vor dem Posten auch den Links zu den Nachrichten folgen, wenn ich mir schon die Mühe mache jedes Mal Quellen einzubinden, die manche ja so dringend fordern.

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