Der Temporalfluxkompensator

Wie jeder weiß ist das Zeitempfinden von verschiedenen Faktoren abhängig. Als man Albert Einstein einmal fragte, ob er den Relativität einfach erklären könnte sagte er sinngemäß: „5 Minuten neben einen hübschen Mädchen kommen einem relativ kurz vor, 5 Minuten auf einer heißen Herdplatte dagegen sehr lang“. Das das Zeitempfinden räumlich eng begrenzt sehr unterschiedlich sein kann zeigt sich auf einer öffentlichen Toilette. In einem Abstand von nur 1-2 m können das Zeitempfinden sehr unterschiedlich sein – je nachdem ob man vor oder hinter der Klotür ist.

Meiner Beobachtung nach haben auch Farben einen Effekt. So vergeht die Zeit in der roten Abenddämmerung viel schneller als im strahlend blauen Himmel unter der prallen Sonne auf der Liege. Analog vergeht sie in einem rot ausgeleuchteten Zimmer schneller als in einem mit kalten blau-weiß leuchtenden Leuchtstoffröhren. Dies nutzen die Firmen ja bei der Arbeitsplatzbeleuchtung aus – für den die Zeit langsamer vergeht, der arbeitet mehr.

Ich wollte wissen ob dies nur ein subjektiver Effekt ist oder tatsächlich messbar. Ich habe dazu mal meine drei LED-Birnen im Arbeitszimmer mit roter Folie überklebt und ein Strategiespiel in Realzeit herausgeholt, das ich als anspruchsvoll empfand und bei dem ich immer bei einer bestimmten Mission scheiterte. Daher kam es irgendwann in die Krabbelkiste. Es kam mir nun langsamer vor, ich hatte genügend Zeit Aktionen zu überlegen und nicht hektisch zu agieren. Und ich schaffte die Mission an der ich immer scheiterte. Doch vergeht die Zeit langsamer oder empfinden wir das nur und unser Gehirn ist einfach bei rotem Licht leistungsfähiger?

Als es bei e-Bay eine Reihe ausgedienter Flakscheinwerfer zu ersteigern gab, und die keiner haben wollte, schlug ich sofort zu. Doch leider produzieren diese so viel Licht das es schnell sehr warm im Zimmer wird und die roten Folien zum Erzeugen des roten Lichts schmelzen bald durch. So ging es also nicht. So vertaubten die Flakscheinwerfer erst mal monatelang im Keller. Als ich dann beim Fahren zum Freibad sah, dass man eine Transformationsstation bei Berkheim umrüstete, fragte ich mal nach ob man die dort verbauten Hochleistungskondensatoren denn bekommen könnte – man kann, denn wegen den dort verwendeten PCB müssen diese nun alle ausgetauscht werden, egal wie alt sie sind. Die waren so froh, die ohne Entsorgungskosten loszuwerden, dass sie sie mir sogar frei Haus lieferten und den Stromanschluss anpassten.

Nun hatte ich eine Lösung: Die Kondensatoren wurden über das Stromnetz aufgeladen, das dauert bei diesen dicken Brummern und einer normalen Leitung jeweils einige Stunden. Dann lege ich den Schalter um, die Flakscheinwerfer blitzen für einen Sekundenbruchteil auf – die kurze Entladung schadet weder den Scheinwerfern (sie brennen nicht durch) noch der Folie, die zwar warm wird, aber aufgrund der großen Oberfläche strahlen sie die aufgenommen Wärme bald wieder ab.

Doch der Impuls war zu klein, um ihn subjektiv wahrzunehmen. So schrieb ich ein Skript das regelmäßig die Zeit in eine Datei schrieb und startete es kurz vorher. Hier ein Ausschnitt aus dem ersten Test:

18:13:45:136
18:13:45:147
18:13:45:161

04:14:55:678

18:13:45:184
18:13:45:196

Es gab bei dem Intervall, das hier 10 ms betrug hier einen Sprung um mehrere Stunden (so meinte ich es damals zumindest), aber wie sollte ich das beweisen? Ich musste eine Aktion starten, wenn es einen Zeitsprung gab. Nach einigem Überlegungen kam ich auf folgende Idee: ich merkte mir die jeweils letzte Zeit und wenn die Abweichung größer als 1 Sekunde war, dann startete ich eine HTTP-GET Abfrage einer Url und speicherte den Inhalt. Als Url nahm ich für den ersten Test die von Tagesschau.de. deren Titelzeile sollte die aktuellen Nachrichten wiedergeben. Wenn meine Überlegung stimmt, dann müsste dort zumindest eine andere Uhrzeit stehen, eventuell ist auch eine neue Nachricht auf der Seite verzeichnet. Den Effekt könnte man so beweisen, man müsste nur die aktuelle Webseite mit der gesicherten vergleichen und natürlich mit der Seite die dann vorliegt wenn die Zeit erreicht ist, die dort angezeigt wird.

Doch als ich das machte, stellte sich heraus, das dies wohl nicht so schnell möglich ist, denn als ich mir die gespeicherte Seite ansah, war der erste Blick auf die Zeit: Es wurde der 4. Juli 2016 angezeigt – bisher hatte nur die Zeit gestoppt, nicht das Datum. So ist leider nicht der Effekt nachprüfbar. Zudem scheint der Zeitsprung nur kurz anzudauern – ich konnte nur 45821 Zeichen empfangen, das entspricht bei meiner Datenrate einer Dauer von 13 ms. So kann ich meine „Temporalfluxkompensator“ genannte Erfindung leider noch nicht patentieren. Es zeigte sich auch das man das Phänomen nicht planvoll ausnutzen konnte. So waren die Zeitsprünge unregelmäßig, auch bei der auf die Sekunde gleichen Ladedauer der Kondensatoren. Selbst bei direkt nacheinander gestarteten Anfragen kam man auf Zeitunterschiede von mehreren Jahren. Die naheliegende Anwendung nämlich den Kurs von Aktien in der Zukunft abzufragen scheitete, weil sowohl Finanzportale wie auch Dienste wie das Yahoo Financial API zu lange für eine Antwort brauchten. Doch es brachte mir einige Erkenntnisse über die Zukunft, die ich in den nächsten Aufsätzen veröffentlichen werde. Ich beginne morgen natürlich mit dem 4.7.2016 – ein interessantes Datum.

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