Apollo: Bücherempfehlungen

Meine kleine Reihe von Artikeln zu Apollo möchte ich abschließen mit einer Liste von Buchempfehlungen. Ich habe inzwischen auch in der Webseite eine Reihe von interessanten Blogs zum Thema Apollo zusammengefasst zu einer Sektion, und die teilweise 12 Jahre alten Aufsätze ergänzt durch Erkenntnisse die ich seitdem gewonnen habe.

Bücher zur Technik

How Apollo flew to the Moon“ ist eine sehr gute Einführung in die Technik von Apollo von den Systemen der Kapsel über benutzte Werkzeuge bis zu den Prozeduren und dem Ablauf einer Mission. Das alles wird sehr gut erklärt mit zahlreichen Abbildungen und Diagrammen. Das Buch ist auch für Laien verständlich. Es legt anders als andere Bücher über Apollo den Hauptaugenmerk auf die „Procedures“ – nicht die technische Beschreibung der Systeme, sondern warum dieses und jenes gemacht wurde und wie es funktioniert. Das englischsprachige Buch ist leicht zu lesen und setzt beim Leser nicht voraus, dass er alles über Raumfahrt weiß, sondern ist eher für die Generation geschrieben, die nach Apollo geboren wurde und daher nichts über das Projekt weiß. Ein „must have“ für jeden Raumfahrtfan, der sich für Apollo interessiert.

Digital Apollo beschreibt die Entwicklung von Computern in dem Apolloprogramm, konzentriert natürlich auf den AGC aber auch die Evolution von der elektromechanischen Bedienung von Mercury bis zum AGC, gibt auch einen Einblick in die Herausforderungen und Probleme bei der Entwicklung. Es ist jedoch kein technisches Buch das die Architektur und Software auseinander nimmt sondern beschäftigt sich vielmehr mit Designphilosophien und damit eine gute Ergänzung zu Woods Buch How Apollo flew to the Moon.

Lunar Rover Owner’s Workshop Manual ist eine ausführliche Beschreibung des Mondautos das bei Apollo 15 bis 17 zum Einsatz ging. Das Buch beschreibt sowohl die Entstehungsgeschichte angefangen von mobilen „Wohnwagen“ bis zum leichten Rover den man zusammengeklappt am LM mitführen kann wie auch den Aufbau, wie man fährt und wie er zusammengebaut wurde. Das Buch schließt ab mit den drei Missionen in denen er zum Einsatz kam. Ein ausführliches buch über ein kleines Stück des Apolloprograms. Auch bei diesem Buch ist David Woods der schon das Apollo Lunar Surface Journal aus der Taufe hob mitbeteiligt.

Saturn V Owner’s Workshop Manual ist ein weiteres Buch von Woods, diesmal wieder als Alleinautor. Wie er selbst beschreibt ist dieses Buch im wesentlichen eine ausführliche Ausgabe von How Apollo flew to the Moon. Auch hier erfährt man viel über die Technik der Saturn, aber auch eben viel über die Vorgehensweise und Procedures. Anders als das Buch über Apollo ist der Band ganz in Farbe und es gibt wirklich viele beeindruckende Diagramme und Abbildungen. Das Buch deckt auch Skylab ab, das aus einer Saturn V Drittstufe entstand (genauer gesagt wurde eigentlich eine Saturn IB Stufe umgebaut), allerdings nur sehr kurz. Was ich vermisse ist das Buch sich nur auf die Saturn V beschränkt und die Saturn I und IB weglässt. Die Flüge hätte man auch etwas mehr erläutern können. Für alle für die mein Buch zu technisch ist, ist dies eine gute Alternative.

Apollo 11 Owner’s Workshop Manual hat einen etwas irreführenden Titel. Man würde nun wie bei den beiden vorherigen Büchern eine genaue Beschreibung der Apollo 11 Mission erwarten. Das Buch deckt aber das ganze Apolloprogramm ab, von der Vorgeschichte bis zu den J-Missionen. Saturn V, CSM, LM, Anzüge, Rover dazu die Geschichte – das alles in 196 Seiten die noch dazu zur Hälfte mit Grafiken bedeckt sind- das lässt viel Platz für eine ausführliche Beschreibung und darunter leidet das Buch sehr stark. Es ist zu empfehlen dem der sich grundlegend informieren will. Ich meine angesichts von zwei Spezialbüchern zu dem Thema im selben Verlag wäre es gut gewesen der Autor hätte ich auf LM und CSM beschränkt. Diesmal ist auch Wood dabei was man deutlich an der Tiefe der Informationen sieht.

Das Apolloprogramm 1 die Saturn Trägerraketen ist mein erstes eigenes Buch zum Apolloprogramm. Der erste von drei Bänden über die Technik des Apolloprogramms behandelt die Saturn, die größten und erfolgreichsten Raketen, die jemals gebaut wurden. Dieses Buch wendet sich an diejenigen die mehr über die Technik und Funktionsweise der Saturn wissen wollen. Es ist eine gute Ergänzung zu anderen Büchern die sich vor allem mit den Missionen, Astronauten und Projektgeschichte beschäftigen. Ein eigenes Kapitel erklärt die Funktionsweise eines Triebwerks und erläutert wie F-1 und J-2 gestartet und abgeschaltet wurden. In drei weiteren Kapiteln wird die Technik und Einsatzgeschichte von Saturn I, Saturn IB und Saturn V ausführlich behandelt. Ergänzt wird es um einen Block über geplante Saturn Upgrades, nicht gebaute Versionen und einen Vergleich der Saturn V mit heute geplanten Schwerlastraketen wie der Ares und SLS. Abgeschlossen wird der Abschnitt mit einer Übersicht über die Starts von SA-1 bis AS-513. Ein weiterer Abschnitt befasst sich mit dem Konkurrenten, der russischen N-1 und warum sie scheiterte. Jedes Kapitel ist in sich geschlossen lesbar. Daten sind in Tabellen zum schnelleren Wiederfinden zusammengefasst und können beim Lesen so übersprungen werden. Ergänzt wird das Werk durch ein Quellenverzeichnis, Literaturempfehlungen und ein Abkürzungsverzeichnis. Der erste Link führt zu Amazon. Wenn sie möchten das ich einige Euro mehr verdiene, dann kaufen sie es im BOD-Shop., für sie als Leser ist der Endpreis in beiden Fällen der gleiche.

Stages to Saturn ist das offizielle NASA Pendant zu meinem Buch. Während mein Buch den Fokus auf die Technik legt geht es in dem Buch von Bilstein um die Entwicklungsgeschichte der Rakete und ihrer Triebwerke, den Herausforderungen und Problemen die gelöst werden mussten. Zusammen mit meinem Buch hat man dann einen ziemlich kompletten Überblick über die Entstehung, Technik und Einsatz der Saturn V.

Biographien

Failure is not an option: Dieser Satz wird Gene Kranz im Film Apollo 13 zugeschrieben, er hat ihn aber nie gesagt. Er gibt nach seiner Ansicht nach aber genau das wieder wofür Mission Control seiner Ansicht nach stehen sollte. Die Autobiographie von Gene Kranz, Flugleiter bei zahlreichen wichtigen Meilensteinen im US-Raumfahrtprogramm wie der Landung auf dem Mond oder der Explosion von Apollo 13 deckt einen Teil von Mercury ab und Gemini und Apollo komplett. Man erfährt sehr viel davon wie es hinter den Kulissen hergeht welche Entscheidungen man in der Missionskontrolle fällen musste und wie auch sie oft nur raten konnte was gerade da passierte. Ein sehr lesenswertes Buch. Es ergänzt die Biographie von Chris Kraft sehr gut, auch wenn der abgedeckte Zeitraum kleiner ist, da Kranz als kleiner Flugcontroller anfängt und da eine etwas andere Sicht auf die Dinge hat.

Flight! My life in mission control von Chris Kraft ist der Counterpart zu Kranz Buch. Chris Kraft ist von Anfang an dabei. Er gehört zu den ersten 35 Mitgliedern der Space Task Group aus der sich später die Abteilung für bemannte Raumfahrt entwickeln sollte. So deckt die Biographie auch zwei Jahrzehnte über Mercury, Gemini und Apollo ab. Insgesamt ist das Buch nicht ganz so lesenswert wie das von Kranz. Es gibt mehr über die Vorgeschichte Krafts die eigentlich die Leser nicht so interessiert und Kraft rückt nach Mercury in die Missionsleitung auf und hat damit mit dem Flug direkt weniger zu tun. Die Flüge kommen daher ab Gemini etwas kürzer weg. Vor allem ist es ein sehr persönliches Buch. Es wird sehr deutlich das Kraft ein ziemlicher Schwarz-Weiss Denker ist. Wenn er jemanden mag nimmt er ihn in Schutz auch wenn er Fehler hat (wie John Glenn) wenn er jemanden nicht mag lässt er an ihm kein gutes Haar (wie Scott Carpenter und Wernher von braun). Das Buch von Kranz ist da viel objektiver- Wer allerdings neue US-Schimpfworte und Kraftausdrücke lernen will ist bei dem Buch genau richtig.

Last Man on the moon von Eugene Cernan. Cernan sticht aus den Astronauten der zweiten bis fünften Gruppe etwas heraus. Nachdem die Mercury-Astronauten relativ schwer zu bändigen waren, waren die folgenden Gruppen mehr bedacht auf das Image der NASA und fokussierter auf die Arbeit. Eskapaden blieben aus. Eugene Cernan leistete sich gleich zwei. Als er in der Ersatzmannschaft für Apollo 13 war interessierte ihn beim Helikoptertraining mehr die Weiblichkeit als die Maschine, er touchierte die Wasseroberfläche und überschlug sich und er brachte es fertig am Abend vor seinem Flug wegen zu schnellem Fahren verhaftet zu werden und nur Günter Wendt, der letzte Mann den die Astronauten vor de, Abheben sahen konnte die Polizei überzeugen ihn nicht über Nacht einzusperren. Cernan war dreimal im All bei Gemini 9, Apollo 10 und 17 und so hat er viel zu erzählen, zumal es genügend Dramatik gab. Von der gescheiterten Ankopplung und EVA bei Gemini 9 über den Kontrollverlust im LM bei Apollo 10 bis zur Auseinandersetzung ob Harrison Schmidt ins Team soll oder nicht. Er denkt an den Leser und verschont ihn weitestgehend mit deinem Leben vor und nach der Zeit als Astronaut und das Buch ist kurzweilig zu lesen und für alle die wissen wollen wie man so als Astronaut lebt sehr interessant.

Apollo 13: Aus diesem Buch entstand der gleichnamige Film. Das Buch ist auch in deutsch erhältlich, aber nur noch antiquarisch. Neuauflagen gibt es nur noch auf englisch. Auch wenn der Titel etwas anderes besagt ist es eine Autobiographie die auch die Zeit vor der Astronautenausbildung umfasst beginnend von den ersten Raketenmodellen die Lovell baute. Das Buch ist weniger geeignet zum Nachschlagen als vielmehr um es komplett durchzulesen. Das liegt am Aufbau: anstatt das es chronologisch ist, hat es Apollo 13 als Hauptstrang mit einzelnen Einschüben zu anderen Stationen seines Lebens wie die Flüge von Gemini 6A und 12 und Apollo 8. Es ist sehr spannend geschrieben und wer den Film gesehen hat wir begeistert sein, denn den Film übertrifft es bei weitem! Eine absolute Empfehlung.

Deke! so wird Donald Slaytons Vorname nur abgekürzt ist die Biographie des Mannes der wohl am längsten direkt im bemannten US-Programm involviert war. Slayton war Mercury-Astronaut wurde wegen eines Herzfehlers aber für flugunfähig erklärt. Er leitete dann die Astronautenausbildung bis Mitte der siebziger Jahre bis er nach einer Medikation den Flugstatus zurückerhielt und seinen einzigen Flug beim Apollo-Sojus Testprojekt hatte. Somit erfährt man sehr viel von den Hintergründen jeder Mission vor allem natürlich warum und wie er die Crew zusammenstellte. Ehemalige Astronauten sagten erst nach dem Lesen des Buches hatten sie verstanden warum sie für ihre Mission eingeteilt wurden. Daneben erfährt man wie bei den Büchern von Kraft und Kranz einiges über Mission Control und Hintergründe. Da es aber verhältnismäßig dünn ist, kommt jede einzelne Mission recht kurz weg. Was mir an dem Buch auch gut gefällt ist das Slayton einen Nachteil von Autobiographien versucht zu umschiffen – die eigene Sicht. Es gibt immer wieder kleine Einschübe mit „other voices“ betitelt in dem anderen mit dem Thema vertraute das kommentieren was er gerade schreibt so die Familie wenn er von seinem Astronautenleben spricht von den Einbußen die das mit sich bringt oder Walt Williams der erklärt warum er keine Wahl hatte als ihn nach der ärztlichen Diagnose den Flugstatus zu entziehen.

A man on the moon ist ein dicker Schmöker von Andrew Chalkin. Über 700 Seiten stark erfährt man über jede Apollo-Mission die zum Mond ging (Apollo 7 und 9 sind nicht dabei) wirklich viel. Denn das sind rund 70 Seiten pro Mission. wer weniger an dem Leben einzelner Persönlichkeiten interessiert ist und mehr an dem, Mondprogramm als ganzes hat hier eine kompetente und dennoch ausführliche Zusammenfassung die mehrere andere Bücher abdeckt und noch dazu sehr preiswert ist, Chalkin gräbt auch viel aus das vorher unbekannt war, so Bormanns Vorhaben bei Apollo 8 ohne Kotbeutel auszukommen und Edgar Mitchells spiritistische Sitzungen während der Hin- und Rückreise von der nicht mal Alan Bean etwas wusste.

Zwei Mann im Mond von David Scott und Alexej Leonow. Das Buch ist das einzige das ich kenne, das ein Kosmonaut und Astronaut zusammen schreiben und man bekommt so eigentlich zwei Bücher zum Preis von einem. Leonow und Scott kommentieren die Aussagen des anderen auch das eröffnet eine zweite Meinung. Scott war Copilot bei Gemini 9, bei Apollo 9 und 15 beteiligt. Leonow flog bei Woschod 1 und machte den ersten Ausstieg, sollte als erster Russe den Mond betreten und war Ersatzmann für Komarow der bei Sojus 1 ums Leben kam. Damit decken die beiden Astronauten viel in den beiden Programmen in Ost und West ab und vor allem Leonow spart nicht mit Kritik am eigenen überhasteten Programm und den Rätseln um Gagarins Absturz den er für nicht aufgeklärt hält. Dagegen versucht Scott sich besser aussehen zu lassen. Seine Rolle in der Brief-Affäre macht er zumindest relativ klein.

Bücher die ich nicht empfehle, um Leser vor Fehlkäufen zu bewahren:

Moon Lander von Thomas Kelly. Wer ein Buch zu dem Mondlander erwartet wird bitter enttäuscht sein. Kelly ist zwar der Vater des Projektes und leitete das Projekt vom Entwurf bis zur Betreuung in den hinteren Räumen der NASA bei den Missionen, aber er ist trotz Ingenieursausbildung Manager. Das heißt man erfährt von der Technik nicht sehr viel, meistens nur wenn es Probleme gab wie leckende Leitungen oder Drahtverbindungen die nicht hielten. Dann aber auch auf einem allgemeinverständlichen, auch für Raumfahrtneulinge nicht überfordernden Niveau. Stattdessen erfährt von Meetings, Sitzungen oder das das Team nach Auftragserteilung durch die NASA endlich die gewünschten IBM Kugelkopf-Schreibmaschinen erhielt. Interessant für Betriebswirte und absolute Raumfahrtneulinge, nicht jedoch für jemanden, der meinen Artikeln folgen kann.

Rocketman von Nancy Conrad, der letzten Ehefrau von Pete Conrad. Das Buch zeigt, das die Leute das Buch (wenn auch mit professioneller Hilfe) schreiben sollten, die dabei waren. Nancy Conrad ist die zweite Ehefrau die Conrad erst 1990 heiratete. Alles was sie über ihn sagen kann stammt aus dieser Zeit (Conrad starb 1999), also 17 Jahre nach seinem letzten Raumflug und so ist das Buch mehr angefüllt von den Aktivitäten die Conrad damals machte wie ein Versuch eines Weltrekordes um die Erde in einem Kleinflugzeug zu umrunden und seine Rolle bei der Aufklärung eines spektakulären Crashes einer DC-10 im Jahr 1980. Ich habe bald begonnen das Buch nur noch kapitelweise anzulesen um zu sehen ob es ein Raumfahrtkapitel ist oder nicht (sie wechseln sich im Buch ab). Wer etwas über Pete Conrad als Person und nicht über die Missionen wissen will ist hier richtig, für alle anderen gilt: Hände weg.

Flying to the Moon von Michael Collins. Michael Collins gilt als der eloquenteste Astronaut und sein Buch Carrying the Fire wird gelobt und steht bei mir ganz oben auf der Wunschliste. Doch das Buch war ein Fehlkauf. Was ich nicht wusste. Collins hat seine Sprachbegabung genutzt um ein Kinderbuch über das Leben als Astronaut zu schreiben. Das Buch ist auch ganz toll geworden und die Meinungen in Amazon sind sich einig: fünf Sterne. Doch das gilt eben für englisch sprechende Jugendliche, nicht deutsch sprechende Raumfahrtfans. Für die ist wenn man sie Sprachhürde schon nimmt der Inhalt dann doch etwas zu flach auch wenn man wirklich viel über das Gefühlsleben und Antworten auf Fragen bekommt die nur Kinder stellen. Mein Urteil ist aber nicht ganz so hart wie bei den beiden anderen Büchern in dieser Rubrik. Wer einen kurzen (162 Seiten) Einstieg sucht und wessen Englisch nicht das beste ist, der wird mit diesem Buch glücklich werden.

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