Das erste halbe Jahr mit dem E-bike Fischer Cita 5.0i

Seit einem halben Jahr habe ich nun mein erstes e-bike. Einen ersten Erfahrungsbericht habe ich hier ja schon mal veröffentlicht. Genug Zeit ist vergangen, nun einen Erfahrungsbericht zu veröffentlichen.

Ich war ja etwas skeptisch vor dem Kauf. Nicht wegen des konkreten Fahrrads, sondern eher wegen E-bikes allgemein. Meine Hauptbefürchtung war, das ich durch das e-bike „faul“ werden könne. Dazu hat es bei mir ein schlechtes Image, weil die meisten e-bikes, die ich auf den Straßen sah, von Senioren gefahren wurden. Und ehrlich gesagt ich fühle mich noch nicht so alt.

Ich wusste aber schon lange, dass ich für dieses Jahr eine Entscheidung fällen musste. Ich gehe normalerweise während der Freibadsaison, das heißt vom 1. Mai bis in die erste Septemberwoche jeden Tag ins Freibad. Das ist schon mit dem Fahrrad anstrengend auf dem Rückweg, wenn man 90 Minuten Schwimmen in den Knochen hat und es dann, wie in den letzten beiden Sommer so heiß ist und/oder man Gegenwind bekommt – gemeinerweise kommt der meist von Westen und auf den Strecken, auf denen ich unterwegs bin, steigt die Steigung immer nach Westen an.

Mein Lieblingsbad in Berkheim wird dieses Jahr renoviert. Berkheim war mit dem Fahrrad gut erriechbar. Es gibt auf 6 km Strecke ungefähr 60 m Höhenunterschied. Die beiden nächsten Alternativen in Esslingen und Denkendorf haben dagegen 170 bzw. 130 m Höhenunterschied. In allen Fällen dummerweise auf dem Rückweg. Während ich die Steigung von Denkendorf noch bei nicht zu heißem Wetter bewältige, ohne verschwitzt anzukommen, da sich die Steigung auf rund 4 km verteilt, sind es bei Esslingen 160 Höhenmeter auf nur 2,3 km Strecke. Das geht mit dem Fahrrad, aber angenehm ist es nicht.

Weil ich nicht aufs Schwimmen verzichten wollte, habe ich mir ein e-bike gekauft, das aber lange nur wenig gefahren wurde – im Winter eigentlich nur ein bis zweimal pro Woche für den Einkauf. Größere Strecken kamen da nicht zusammen. Nun haben die Bäder wieder täglich offen und das Fischer cita 5.0i ist auch täglich im Einsatz. Zeit einen zweiten Erfahrungsbericht hinterherzuschieben

Allgemeines Fahrverhalten

Woran ich mich nur langsam gewöhne ist das dem e-bike die „Spritzigkeit“ fehlt. Da es rund doppelt so viel wiegt wie ein normales Fahrrad reagiert es entsprechend träger auf Lenkbergungen aber auch Gewichtsverlagerungen wie man sie z.B. für die Kurve benötigt. Der Wendekreis ist größer und man muss natürlich immer noch mit dem zusätzlichen Eingreifen des Motors rechnen, wenn man selbst in die Pedale tritt. Kurven nehme ich daher deutlich weiter, versuche auch noch vorausschauender zu fahren. Wenn es um den Punkt „Fahrspaß“ geht, so hat ein normales Fahrrad deutliche Vorteile. So gesehen trifft das Vorurteil „Rentnerfahrrad“ zum Teil zu. Für sportliche Fahrer ist es eher nichts. Nicht nur wegen der Massenträgheit, sondern weil man selbst als nicht so fitter Fahrradfahrer, wie ich, problemlos auf gerader Strecke über 26 km/h kommt und dann schaltet der Antrieb ab und man bewegt eben ein 25 kg schweres Fahrrad ohne Motorunterstützung. Das ist wie bei einem normalen Fahrrad mit 12 kg Einkäufen als Last.

Woran ich mich gewöhnen musste, waren die hydraulischen Bremsen. Die von mir gewohnten Seilzugbremsen bremsen nicht sofort, sondern die Verzögerung nimmt langsam zu. Daran hatte ich mich gewöhnt. Das heißt, für eine schnelle Bremsung muss man stark in die Bremsen greifen. Die hydraulischen Bremsen reagieren erheblich direkter und beim gleichen Bremsverhalten hebt es einen dann fast aus dem Sattel. Inzwischen habe ich mich doch daran gewöhnt, auch an die fehlende Rücktrittbremse. Allerdings haben die hydraulischen Bremsen auch die erste Reparatur verursacht. Ich bin auf einem schlammigen Straßenstück ausgerutscht, nachdem ich von der Kurve einbog. An und für sich kein großer Akt, ich bin auch nicht wirklich gestürzt und habe mir selbst nichts getan, doch die Bremse war gleich defekt, weil es reicht, wenn der dünne Plastikschlauch beschädigt ist und dann Hydrauliköl ausläuft. Woran ich mich inzwischen gewöhnt habe und auch sehr positiv sehe ist das der Motor sofort anspringt, was beim Anfahren recht angenehm ist. Was man aber nicht tun darf, ist den Antrieb einzuschalten, wenn man schon fährt. Dann meldet die Steuerung einen Fehler. Ausschalten kann man ihn auch nur, wenn man nicht fährt.

Reichweite

Wie schon geschrieben – ein e-bike soll bei mir nicht Anstrengung generell einsparen, sondern eine Hilfe sein, wenn es starken Gegenwind, wie in den letzten Tagen oder eine Steigung gibt. Davon gibt es auch so genügend auf den Fildern. Es gibt zwei Anzeigen um die Reichweite zu überprüfen. Zum einen im Hauptdisplay der Akkuladestand in vier großen 25 % Blöcken, aber dazwischen auch noch abgestuft. Nach ihr richte ich mich primär. Dazu gibt es aber noch eine Restreichweitenanzeige in einem Untermenü. Sie wäre ganz nützlich, wenn man wissen will, ob man den Akku aufladen soll oder es noch für die nächste Fahrt reicht. Leider funktioniert sie nicht zuverlässig. Der Stand wird aktualisiert, wenn man den Akku auflädt und danach laufend Reichweite abgezogen. Nach der Auslieferung lag sie nach dem Aufladen zwischen 74 und 78 km. Nachdem ich zuerst nur auf den Fildern – zwar auch mit Hügeln, aber eben keinem Talkessel – unterwegs war, sprang sie nach einigen Ladevorgängen auf das doppelte: 150 bis 154 km Restreichweite. Nachdem ich nun das Fischer cita täglich im Einsatz habe, um nach Esslingen zu fahren und da eben 2 km mit 8 % Steigung auf der Strecke liegen, sank sie auf 111 km. In den letzten Tagen, wo es heiß war oder windig, habe ich dann anstatt Stufe 2 oft Stufe 3 für den Aufstieg genutzt. Dann sank sie auf 88 km.

Doch alle diese Angaben sind illusorisch. Ich lade derzeit nach drei Touren, das sind etwa 36 bis 38 km auf, manchmal kommt noch eine Fahrt zum Einkaufen oder nach Kemnat dazu, das sind dann weitere 5 bis 7 km. Der Akkuladestand ist dann bei 25 % oder etwas darunter. So würde ich auf dieser Strecke die Reichweite auf rund 50 bis 55 km schätzen, nicht 88 und nicht 111. Die Anzeige ist ja auch nicht prinzipiell doof. So sank sie nach einer Tour mit 12 km Fahrtweg von 88 auf 54 km ab also nicht um 12 sondern 34 km. Nur warum beginnt sie immer mit einem utopischen Wert? Er scheint auch nicht so richtig an die Leistungsstufe des Motors angepasst zu werden, denn wenn ich von Stufe 1 auf 3 oder 3 schalte, dann ändert sich die Anzeige nicht, obwohl eigentlich klar ist, dass damit einher geht, das der Motor im Mittel mehr Leistung liefert. Wenn der Startwert einfach beim Aufladen berechnet würde, indem man gefahrenen Kilometer seit dem letzten Laden und verbliebenen Akkuladestand in Beziehung setzt, käme man auf einen recht genauen Wert.

An der Unterstützung durch den Elektromotor ist nichts zu meckern. Wie schon gesagt, auf dem anspruchsvollen Stück komme ich mit Stufe 2 von 4 recht gut aus, wenn es wirklich anstrengend wird, mal auch Stufe 3. Die 4 habe ich nie benötigt und nur ein paarmal testweise genutzt. Wenn es noch steiler würde, also einen Berg hochginge dann bräuchte man sie oder eben, wenn man zu den fauleren Typen gehört. Für die Ebene reicht eigentlich die Unterstützungsstufe 1.

Gänge

Was mich am meisten stört, ist das Verhalten der Gangschaltung. Sie reagiert sehr träge, selbst wenn ich als Vergelichsmaßstab nicht die gute Schaltung meines alten Feldmeier nehme, die schnell und weich schaltet sondern nur die meines 300 Euro Aldi-Zweitfahrrades, das inzwischen in meiner Ferienwohnung ist, als Maßstab nehme. Sie reagiert oft erst nach Sekunden oder schaltet trotz Lastunterbrechung nicht. Vor allem, wenn man zwei oder mehr Gänge runterschaltet, was bei plötzlich auftretenden Steigungen oft vorkommt. Inzwischen schalte ich schon lange vorher herunter, um das zu verhindern. Ich bin ja ein Fan von Nabenschaltungen eben weil sie auch ohne das man tritt schalten. Doch von den Vorteilen sieht man hier nichts. Wenn die Schaltung so träge reagiert, auf der anderen Seite der Elektromotor den Hauptnachteil gegenüber einer Kettenschaltung – man muss z.B. beim Anhalten herunterschalten, sonst tut man sich beim Wiederanfahren im hohen Gang schwer und auch die sonst übliche Rücktrittbremse fehlt, dann meine ich wäre eine Kettenschaltung besser. Ich habe aber noch die Hoffnung das dies beim ersten Servicetermin korrigiert wird denn auch sonst war die Vormontage des Fahrrads nicht so besonders toll, was man dann bei dem Termin wegen der Bremse noch korrigierte.

Neue Technologie in alten Konzepten

Ich will den Artikel nutzen, um ein Problem anzusprechen das ich allgemein beim Einsatz der Elektrotechnologie sehe. Nämlich, das man einfach ein bestehendes Vehikel umbaut ohne sich Gedanken zu machen, wie es besser ginge. Konkret beim e-bike. Braucht das noch eine Gangschaltung? Der Elektromotor kann ja stufenlos assistieren. Jeder, der Fahrrad fährt, weiß, das ein entspanntes Fahren auf der Geraden in den mittleren Gängen möglich ist. Es spielt nicht nur eine Rolle, wie viel Kraft man aufwenden mus, sondern auch wie schnell man tritt. Was nützt es einem, wenn man in einem niedrigen Gang wenig Kraft aufwenden muss, wenn man enorm viele Umdrehungen aufbringen muss? Bei der Steigung von Esslingen nach Ruit würde ich z.B. auch mit Stufe 1 aufkommen, nur würde ich dann im Gang 1 viel treten müssen. Das ist trotz weniger Kraftaufwand anstrengender. Pro Unterstützungsstufe geht das Optimum um einen Gang hoch, bei Stufe 4 nimmt man die Steigung also im 4 Gang – wesentlich entspannter zu fahren. Vielleicht probiere ich mal das aus. Derzeit bin ich mehr auf dem „Akku-Schon-Trip“.

Die Steuerung kann doch messen, wie oft ich in die Pedale trete, es misst zumindest die Leistung, die ich ausübe, die kann man im Display abrufen. Ich fand, dass ich bei 100 bis 135 Watt am entspanntesten fahre. Wenn der Antrieb also anstatt Gängen sich entweder nach einer bestimmten Tretfrequenz oder eben nach dieser Wattzahl richten würde, anstatt festen Unterstützungsstufen, dann bräuchte man auch keine Gänge. Die Unterstützungsstufen würden dann eher Belastungswerten entsprechen.

Jetzt wo ich 2 Kilometer lang bei der Hinfahrt nur bremsen muss, wünsche ich mir auch so etwas wie eine Motorbremse und das wäre mit einem Elektromotor auch möglich, würde sogar Energie gewinnen, die man speichern könnte. Das beherrscht das e-bike nicht, aber soweit ich weiß auch die meisten anderen e-bikes nicht. So sind als Folgekosten am Ende des Sommers nach 70 Bremsvorgängen von je 5 Minuten Dauer sicher neue Bremsbeläge notwendig.

Das Vorgehen – man fügt in das bestehende System Fahrrad einfach einen Elektromotor ein (es gibt ja sogar Umrüstungskits) ist symptomatisch, wie man bei allen neuen e-Verkehrsmitteln vorgeht. De beiden obigen Ideen wären eine wirklich sinnvolle Verbesserung. Auch wenn es intern sicher noch Gänge gibt, ist das manuelle Schalten durch die Unterstützung doch eigentlich nicht notwendig sondern das könnte der Antrieb automatisch machen. Er misst ja, wie stark ich mich belaste.

Ein anderes Beispiel: es gibt auch e-Roller. Das sind also die elektrifizierten Gegenstücke zu einem Mofa oder Moped. Im Prinzip wäre ein E-bike auch ein E-Roller. Es müsste einfach nur darauf ausgelegt sein, das der Fahrer nicht tritt, sondern man über einen Gashebel die Leistung des Elektromotors steuert. Stattdessen sind E-roller aber Gegenstücke zu Motorroller. Was ist der Unterschied? Da Motorroller einen Motor haben, der zwar für einen Benzinmotor wenig Leistung hat, meist um die 1,5 bis 2 kW, aber eben doch deutlich mehr als der Elektromotor eines E-Bikes sind sie relativ schwer. Wiegen so um die 80 kg und haben dicke Reifen mit hohem Rollwiderstand. Ersetzt man nun das Benzin durch Akkus, so haben diese Roller geringe Reichweiten von (nach Herstellerangaben) meist 25 km. Da sie als Mofa nicht schneller als ein E-Bike sein dürfen, wäre ein e-bike eben ohne Pedale, Gänge stattdessen ein Brett für die Füße und ein Gaspedal eine bessere Lösung – das wiegt um die 25 kg und hat schmale Reifen mit geringerem Widerstand. Mit einem etwas größeren Akku käme man dann auch auf mehr Reichweite als ein E-Roller und benötigt trotzdem nur einen kleinen Motor: e-

Bikes haben typisch einen 250 W Motor, der Anwender wird auf Dauer nicht mehr als 150 Watt beisteuern, ein 400 W Motor – nur ein Viertel, dessen was ein Motorroller hat, würde also ausreichen.

Ähnliches beim E-Auto. Zum einen wäre auch hier ein Abspecken beim Gewicht sinnvoll. Stattdessen baut die Automobilindustrie dieselben Fahrzeuge wie als Benziner. Selbst das Reichweitenproblem wäre keins, wenn man ein flächendeckendes Ladenetz, vor allem auch mit Schnellladestationen, hätte. Dann müsste man eben alle zwei Stunden aufladen und eine kleine Pause machen. In dem Abstand sollte man sowieso pausieren um die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten und einen Stop für den Toilettengang etwas zu essen wird man in einem soclhen Intervall auch einlegen. Doch wie ich einem Fernsehbeitrag entnehme, mangelt es nicht nur an Ladestellen, sondern an jeder Steckdose der Ladestelle kann man nur Strom beziehen, wenn man vorher einen Vertrag mit dem Stromlieferanten hat. Das wäre wie, wenn man bei Benzin nur an Haltestellen für Total tanken dürfte, nicht aber bei BP, Esso oder Shell. Da ist die Politik gefordert, doch die meint, es reiche Prämien für die Anschaffung zu vergeben.

Das gleiche gilt auch für das E-bike. Das E-Bike oder für Personen die nicht treten wollen (dafür gibt auch gute Gründe z.B. um nicht durchgeschwitzt am Arbeitsplatz zu erschienen) der E-Roller würden sich erheblich besser durchsetzen, wenn es mehr Strecken nur für Fahrräder gäbe. Auch dafür gibt es ein Beispiel. Die Haupteinfahrtstraße nach Esslingen ist die Breslauer Straße. Entsprechend frequentiert ist sie, zumal man über sie auf die B10 kommt, wenn man Stuttgart fahren will. Auf zwei Drittel der Strecke hat man nun endlich einen vorher schmalen Fußgängerweg ausgebaut, bzw. im unteren Bereich eine Autospur abgeknapst als reine Fahrradspur. Ich bin früher nie die Strecke gefahren – wer will schon steil abwärts auf einem 1 m breiten Streifen, direkt neben der Fahrbahn der Autos fahren. Stattdessen längere Strecken durch den Wald auf Schotterpisten. Nun fahre ich da gerne und würde mich freuen, wenn auch das untere Drittel noch ausgebaut würde – ginge, wenn man die Parkspur, die es dort gibt, ersatzlos abschaffen würde. Das ist das, worauf es ankommt: niemand wird eine Alternative zum Auto nutzen solange er als Fahrradfahrer zusammen mit Autos fahren muss, denn das ist lebensgefährlich, zumindest auf Straßen, wo diese ihre volle Geschwindigkeit ausfahren dürfen. Regelungen wie der 1,5 m Abstand, den es seit einigen Monaten gibt, werden ja eh nicht eingehalten.

Die Politik muss klarmachen, dass sie ein bestimmtes Verkehrsmittel priorisiert. Das ist ja nichts Neues. Busse bekommen z.B. eine grüne Welle. Anders wird es kein Umdenken bei den Autofahrern geben, denn wie ich jeden Tag feststelle, tun die auf Fahrrad oder Gehwegen Dinge, die sie auf für Autos freigegebenen Straßen nie tun würden, wie das Parken auf Gehwegen oder Fahrradwegen oder eben der fehlende Abstand – würden sie nur 50 cm vom nächsten Auto entfernt überholen? Man muss, damit es für jeden Fahrradfahrer sicher ist und dann auch mehr das Verkehrsmittel benutzen Auto- und Zweiradverkehr trennen. Gibt es die Wege, dann gibt es auch die Nutzer.

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