Die Verschwörungstheoretiker und Parteien

Nach einer Umfrage hängen ein Drittel der Deutschen Verschwörungstheorien an. Das ist ein Wählerpotenzial, das größer ist als die momentane Zustimmung zur CDU, von den anderen Parteien ganz zu schweigen. Da verwundert es doch, dass es bisher keine Partei für Verschwörungstheoretiker gibt, schließlich gibt es doch für jede Randgruppe inzwischen eine Partei. Zeit das mal zu durchleuchten.

Es ist sicher nicht so, als würden die Anhänger von Verschwörungstheorien sich nicht organisieren können, das beweisen zahlreiche Demonstrationen gegen die Corona-Auflagen. Andere Gruppen brachten es in kurzer Zeit zustande, nicht nur eine Partei zu gründen, sondern sogar ins Parlament einzuziehen so die Grünen, Linken (aus der WASG) und die AfD. Aber bei der Gründung fängt es das Probelm schon an: eine Partei braucht ja auch ein Parteiprogramm. Das grundsätzliche Problem von Verschwörungstheoretikern ist ja. dass sie gegen etwas sind. Also gegen Chemtrails, Corona-Maßnahmen, Impfen, gegen Erklärungen verschiedener Ereignisse von der Mondlandung bis zum Attentat auf das World Trade Center. Doch schon hier zeigt sich: Sie haben kein eigenes Konzept: Auf die Verschwörungstheorie, die ich kenne, die Mondlandungsverschwörung gemünzt: Sie suchen in Bildern und Dokumenten nach Fehlern, die ihre Ansicht unterstützen. Doch sie haben keinerlei Beweise, ihre Gegentheorie ist eher vage. Ein Parteiprogramm besteht aber aus den Dingen, welche die Partei vorhat. Idealerweise ein Programm für die ganze Gesellschaft und alle politischen Fragen, aber viele Parteien hatten so was am Anfang auch nicht und fingen als Ein-Themen-Partei an. Also so was müsste man hinbekommen und wenn es nur „Chemtrail Verbot“ „kein Zwangsimpfen“ und Aufklärung bei den anderen Verschwörungen ist.

Was aber wirklich die Gründung einer Partei hemmt, ist ein Grundcharakterzug eines Verschwörungstheoretikers. Sie lehnen jede Art von Autoritäten ab. Grundsätzlich gibt es nur eine Autorität und das sind sie selbst. Ich bekomme das immer mit, wenn Leute die keine Ahnung von Raumfahrt und Physik haben, mich belehren wollen. Immerhin wären sie doch daher ein Paradebeispiel für einen Politiker, denn die meinen ja auch meist, sie alleine haben die richtige Lösung. Aber jede Partei braucht einen Vorstand, Generalsekretär und Chef. Das sind dann alles Autoritäten, die für alle sprechen. Und da geht es dann schon los. Jemanden zujubeln, der Parolen bei einer Demo skandiert ist das eine, aber jemanden vertrauen, für einen selbst die nächsten zwei Jahre zu sprechen, egal was er von den Medien gefragt wird – das ist dann schon eine andere Größe. Daher hat es bislang nicht zu einer Verschwörungstheorie gereicht.

Hat es nicht? Nein hat es. Sie heißt nur anders. Nämlich AfD. Die Abneigung gegen Autoritäten zeigt sich darin, dass zwei Führungspersönlichkeiten nämlich Lucke und Petry geschasst wurden und die vielen parteiinternen Querelen, Parteiausschlussverfahren und Flügelkämpfe.

Auch das Problem eine Partei für alle zu sein, also ein Programm zu haben, das über Verschwörungstheorien hinausgeht, also so was Unwichtiges wie Sozialpolitik, Außenpolitik, Bildungspolitik oder Antworten auf Probleme und Fragen wie z.B. die Renten in Zukunft finanziert werden sollen, welche Politik man in der EU verfolgen will oder wie die Beziehung zu Russland sein soll. Auch hier kann die AfD dem Klischee folgen: So glänzte Alexander Gauland vor zwei Jahren damit, auf viele politische Fragen von teilweise fundamentaler Bedeutung keine Antwort zu haben. Wohlgemerkt als Parteivorsitzender einer im Bundestag vertretenen Partei.

Vor allem aber springt die AfD auf jeden Trend auf, was auch nur nach einer Bewegung aussieht. Als sie unter Bernd Lucke noch vornehmlich eine Europa-kritisch/wirtschaftsliberale Partei war, begannen AfD Prominente damit auf PEGIDA Demonstrationen Reden zu halten, wie der damals noch wenig bekannte Björn Höcke. Inzwischen hat dieser fremdenfeindliche und rassistische Flügel die Partei übernommen, Lucke wurde geschasst. Auch das Leugnen des Klimawandels gehört zur AfD – wenn auch, nachdem Reporter einem Abgeordneten der sagte, das wäre nicht beweisen entgegenhielten, das sei doch Schulwissen inzwischen so das man den Klimawandel nicht leugnet sondern das er vom Menschen kommt. Die Lösung von Beatrix von Storch: Die Sonne solle weniger scheinen.

Nun waren bei der großen Berlindemo von Bewegung 0711 auch 21 Afd-Abgeordnete des Bundestags dabei, da konnte man schon ahnen, das sie ein neues Thema gefunden haben, nachdem sie im Frühjahr noch für alle Maßnahmen waren. Gestern bei der Haushaltsdebatte dann die Forderung alle Corona-Maßnahmen aufzuheben, weil sie dir Grundrechte einschränken. Wie wir wissen sind die AfD Anhänger ja für die Grundrechte, vor allem für die Meinungs- und Pressefreiheit, Stichwort „Lügenpresse“. Man muss schon ziemlich bescheuert sein, gerade in der derzeitigen Situation die Abschaffung aller Maßnahmen zu fordern. Über das hätte man diskutieren können, als die Fallzahlen wirklich niedrig waren, weil die Maßnahmen erfolgreich waren, so im Juni, Juli. Aber seitdem steigen sie wieder an. Auch als Folge der Lockerungen, vor allem das man wieder reisen dürfte. Sie sind noch nicht besorgniserregend hoch und der Altersdurchschnitt der Erkrankten ist deutlich gesunken, sodass es trotz mehr Infektionen weniger Erkrankte in den Krankenhäusern gibt. Klar gibt es auch einen Effekt durch mehr Tests als noch im Frühjahr gemacht wurden, aber selbst als Prozentsatz der durchgeführten Tests formuliert sind heute die Zahlen etwa dreimal so hoch wie noch vor drei Monaten.

Vor allem geht es uns ja noch gut. In den meisten Ländern um uns herum breitet sich die Epidemie aus, in einigen Ländern ist sie schlimmer als im Frühjahr. Ich glaube nicht das wir dauerhaft eine Insel bleiben werden, in der die Epidemie noch beherrscht wird, aber eine Virologin sagte in einem Interview, das läge daran das Deutsche sich besonders stark an die Auflagen hielten und viel Selbstdisziplin haben. Ich würde noch ergänzen, das eine Rolle noch spielt das viele Deutsche gerne die Ordnungsbehörden über Verstöße informieren, sobald sie Regelverstöße sehen. Aber in der Situation in einem Land zu fordern in dem offensichtlich die meisten sich an die Maßnahmen halten sie komplett abzuschaffen, zeigt doch das die AfD gerade wieder eine Wählergruppe erschlossen hat, denn ansonsten geht es ja mit den Meinungsumfragen nach unten.

Fehlt nur noch, das Beatrix von Storch sagt, das Virus solle einfach weniger ansteckend und infektiös sein oder das es in Deutschland so ist, weshalb wir ja auch niedrige Fallzahlen haben und die Maßnahmen abschaffen könnten …

5 thoughts on “Die Verschwörungstheoretiker und Parteien

  1. Mit der AFD stimme ich dir voll zu.
    Sie ist aber nicht die einzige Partei im Bundestag mit seltsamen Ansichten. Ich sage nur dir Linke beim Amerikaner wird immer große kritisiert und beim Fall Nawalny wird Putin eher verteidigt (was würd die Partei wohl sagen wen so etwas in den USA passiert wäre?).

    1. Jede Partei hat eine ideologische Weltsicht die zu einem kleinen oder großen Teil die Augen vernebelt. Das gilt nicht nur für die Linke, wenn auch dort in Bezug auf Russland es schon sehr extrem ist. Ähnlich extrem ist aber auch die Weltsicht der FDP die meint das der Staat sich komplett aus der Wirtschaft heraushalten solle, am besten auch auf Steuern und abgaben verzichten und es dann allen besser geht. Dabei gibt es ja genügend Staaten in denen dieses Modell durchgeführt wird und dort geht es nicht allen besser, sondern nur einem kleinen Teil der Bevölkerung der am meisten verdient.

    2. Linke und Russland, das war Mal. Inzwischen ist die AfD Russland viel näher, als die Linke. Und die FDP klingt oft fast genau wie die AfD, nur nicht was Russland betrifft…

  2. Zur Zeit wird am Bundestag vorbeiregiert. Es gibt keine Auseinandersetzungen mehr über den best möglichen Weg, sondern nur Anweisungen von oben. Wenn ich schon lese, dass es 1000€ Bußgeld geben soll, wenn im Restaurant ein falscher Name angegeben wird, ist das für mich nicht mehr verhältnismäßig bei 200-300 Erkrankten in Behandlung, oder 1-2 Todesfällen am Tag. Die Frage ist, welche Maßnahmen sind denn tatsächlich zielführend. Das muß festwgestellt werden, und dafür sind nicht nur Virologen zuständig, sondern eben auch andere Ärzte. Wer sind denn die Verschwörungstheoretiker, die, die gegen einige Maßnahmen protestieren, oder die, die behaupten das wären alles Reichsbürger oder Antisemiten?

    1. Das Erfassen der Namen und Kontaktmöglichkeit hat den Sinn, wenn einer der Gäste infiziert ist die anderen zu warnen und zu einem Test zu veranlassen. Das ist eine normale staatliche Maßnahme zur Gefahrenabwehr, gegen die wie bei anderen Maßnahmen ein Bußgeld verhängt wird. Wer eine Feuerwehrzufahrt zugeparkt oder einen Notausgang blockiert hat genauso mit Bußgeldern zu rechnen und kann sich nicht damit rechtfertigen, das die Wahrscheinlichkeit für ein Feuer oder einen Notfall verschwindend gering ist.

      Umgekehrt frage ich mich, welche Menschen nicht nur ihre eigene Gesundheit sondern auch die anderer gefährden, indem sie falsche Angaben machen oder sich mit Phantasieangaben sogar lustig machen. Wer Vorschriften nicht akzeptieren will soll eben nicht ins Restaurant gehen und sich selbst was zu Hause kochen.

      Die Ma0nahmen werden von Politikern beschlossen und nicht Virologen. Ich wüsste keine naturwissenschaftliche Grundlage auf der man die Höhe eine Bußgeldes bestimmen könnte.

      Wer zusammen mit Pack demonstriert, nicht dafür sorgt das solche die die Demonstrationen für ihre eigenen Zwecke vereinnahmen wollen nicht ausgeschlossen werden – dafür muss jeder Veranstalter ja Ordner stellen, der macht sich meiner ansicht nach mit dem Pack gemein, den er distanziert sich ja nicht von ihnen.

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