Ich habe gar kein Handy, Signorina….

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Gestern fiel das D-Netz von T-Online für einige Stunden aus – und das brachte es bis in die Nachrichten. Das zeigt recht deutlich, wie weit es schon mit der Verbreitung von Handys geworden ist. Fast jeder hat eins, viele sogar mehrere. Inzwischen geben sich die Hersteller Mühe, auch noch die letzten unerschlossenen Kundenkreise zu gewinnen. So gibt es inzwischen Handys für alte Personen und mit großen Tasten reduziert aufs Telefonieren und SMS schreiben – derartige Geräte werden inzwischen auch von Firmen wieder vermehrt gekauft, weil ihre Mitarbeiter sonst bei Firmenbesuchen Probleme bekommen, wenn das Handy fotografieren kann.

Ich habe kein Handy, und ich werde mir auch keines anschaffen. Wozu auch? Um überall erreichbar zu sein? Welchen Vorteil soll das bieten? Ich bin im Geschäft erreichbar und ich bin zuhause erreichbar. Will ich woanders überhaupt erreichbar sein? Nein das will ich nicht. Ich will auch nicht zu diesen Leuten gehören, die wie Geistig Verwirrte auf der Straße reden, ohne das man jemanden sieht – da wird gerade telefoniert. Vor allem, haben mich die unfreiwillig in Bus oder bei anderen Gelegenheiten mitgehörten Gespräche überzeugt, dass die Handys absolut überflüssig sind. "Du Liebling ich bin jetzt im Bus. Ich bin in 10 Minuten zu hause" – Gute Vorwarnung, also noch schnell den Liebhaber rausschmeißen und neue Bettwäsche aufziehen. Oder "Okay, ich bin jetzt am Käseregal – Wie sah nochmal die Verpackung aus?" Ja, da erspare ich mir sogar mal einen Kommentar.

Ansonsten? Ich bin wieder arg vom Heuschnupfen gepackt und eine Packung Papiertaschentücher ist derzeit mein bester Freund. Die Kopfschmerzen sind auch noch da, was meinen Tatendrang deutlich dämpft. Ich habe einen neuen Aufsatz in der Reihe "Was ist drin?" fertiggestellt – diesmal über die Werbung mit Selbstverständlichkeiten. Auch den Herschel/Planck Aufsatz werde ich heute oder morgen noch fertigstellen. Der Start ist ja erst mal verschoben. Beide Satelliten sind beeindruckend, aber wie bei ESA Projekten üblich, fehlt es an öffentlichkeitswirksamen Instrumenten. Herschel beobachtet im mittleren und fernen Infrarot. Das ist ein Bereich den wir noch kaum kennen und vor allem ist er viel empfindlicher als alle seine Vorgänger. Aber in diesem Bereich sind die Pixel recht groß, es gibt keine großen Pixelarrays. Das liegt daran, dass mit steigender Wellenlänge auch die Pixelgröße ansteigen muss – Herschel beobachtet bei der 100-100 fachen Wellenlänge des sichtbaren Lichtes und entsprechend größer muss ein Pixel sein. Die größte Kamera von Herschel hat daher 32 x 64 Pixels.

Ds erinnert mich an das Versäumnis bei vielen ESA Projekten ein Experiment mitzuführen, dass öffentlichkeitswirksame Bilder liefert. Herschel hätte z.B. eine handelsübliches CCD Array fürs Infrarot mit 1024 x 1024 Pixels zusätzlich aufnehmen können. Derartige Arrays arbeiten bei niedrigeren Wellenlängen von 1-8 m. Daher können aber auch die Pixel viel kleiner sein, und die Kühlung ist nicht so aufwendig. Die regnerative 20 Kelvin Kühlung hätte ausgereicht, eventuell sogar die 80 K Kühlung. Das hätte auch einen gewissen wissenschaftlichen Wert: Denn es gäbe zusätzlich zum Bild im mittleren Infrarot auch ein höher aufgelöstes im sichtbaren Licht/nahen Infrarot und es wäre eben vor allem Öffentlichkeitswirksam gewesen. Dasselbe wäre auf Planck möglich gewesen – hier ist wegen der Rotation des Satelliten kein Bild möglich, aber die Spektren des Himmelshintergrundes – ich kann mich nicht erinnern, dass es mal eine Mission gab die den ganzen Himmel abgetastet hat und dabei Spektren im IR Bereich gewann.

Analog hätte man XMM-Newton oder Integral um eine kleine Kamera erweitern können, die im sichtbaren Bereich zeigt, was das Teleskop im Röntgen/Gamma Bereich sieht. Das wäre bei kurzzeitigen Änderungen (Ausbruch)  auch von wissenschaftlichem Wert gewesen. Ulysses hätte mit einer Kamera die Sonne von den Polen aus zeigen können – und um die Sonne abzubilden braucht es keine große Kamera.

Warum es so schwierig ist, bei der ESA solche Experimente einzubauen? Weil die Instrumente von Wissenschaftlichen Instituten stammen und die ESA nur die Raumsonde baut. Wenn ein Wissenschaftler das nicht für nötig hält, dann gibt es ein solches Experiment nicht oder es muss sich gegen andere durchsetzen. Es müsste diese Praxis verändert werden, dahin, dass jede Mission einen bestimmten Anteil an Instrumenten enthalten, die spektakuläre und für die Öffentlichkeit leicht verständliche Ergebnisse bringen. Die NASA macht es ja vor.

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