Wer hat Angst vor dem bösen Luchs

Mufflon

Vor zwei Tagen sah ich beim Zappen einen Beitrag über Luchse im Harz. Man mag es kaum glauben. Kaum hat man wieder einige mit Mühe angesiedelt, schon gibt es wieder Ärger. Grund ist das Mufflonwild, das nun vom Luchs im Harz „ausgerottet“ wird. Das suggeriert zumindest ein Jäger, der Fotofallen aufstellt und damit nachweisen will, wie die Mufflons immer weniger werden. Doch auch andere befürchten schlimmes. Die Touristenregion ist bedroht, weil die Touristen wegen des Mufflons in den Harz kommen. Ja sie haben wirklich richtig gelesen. Die Leute kommen nicht wegen der Landschaft sondern wegen der Mufflons. (und natürlich nicht wegen dem Luchs). In einem Jagdbezirk hat man im letzten Jahr nur noch 23 geschossen, bevor der Luchs kam waren es mal 300.

Nun warum ist das Mufflon so bedroht? Tja und nun wird es skurril. Das Mufflon ist keine einheimische Tierart, sondern wurde vor 105 Jahren aus Korsika importiert, wahrscheinlich, damit man mehr Auswahl zum Abknallen hatte. An den Luchs als natürlichen Feind nicht gewöhnt, hat es nicht das adäquate Abwehrverhalten, flüchtet also nicht rechtzeitig und ist so eine leichte Beute. Fassen wir also zusammen: eine ehemals einheimische Art, die ausgerottet war, dezimiert nach ihrer Wiederansiedlung eine nicht einheimische Art. Sie stellt also den natürlichen Zustand wieder her.

Ich weiß nicht, was ihr von Jägern haltet. Für mich sind sie in der Glaubwürdigkeit nicht weit von den Politikern entfernt. Sie  reden immer davon, dass unser Wild keine natürlichen Feinde hat und sie regulierend eingreifen müssen. Wenn aber dann mit viel Mühe und Kosten die natürlichen Feinde in den wenigen Regionen, die noch groß genug sind damit sie überleben können, angesiedelt werden, dann geht das Heulen los, weil der Wildbestand abnimmt. Glaubt man ihnen, dann rotten Wolf und Luchs alles aus. Und wenn mal ein Bär sich zu uns verirrt, der anders als Wolf und Luchs auch unter Umständen dem Menschen gefährlich werden könnte, dann wird er zum „Problembär“ wenn er Schafe reist. Dabei sollten sie, glaubt man ihrer eigenen Argumentation als „Wildhüter“ ja dankbar sein, wenn Luchs und Wolf ihnen die Wildbestandspflege abnehmen.

Was die Jäger in vielen Gebieten wirklich wollen, ist ein Wildbestand, der weitaus höher ist als es für den Wald gut ist, damit genügend Wild zum Abschuss da ist. Das führt dazu, das Waldbesitzer, die wirklich Wald haben wollen, diesen einzäunen müssen, weil sonst die Rehe die ganzen Bäume verbeißen. Um es klar zu sagen: ich habe nichts gegen die Jäger, ich will sogar, dass sie ihren Aufgaben wirklich nachkommen, das bedeutet den Wildbestand zu verringern, auf ein ökologisch sinnvolles Maß. Doch das tun sie nicht. Was ist die Lösung? Anstatt die Aufgabe Laien zu übertragen, die nur ein Interesse haben, nämlich möglichst viel Wild zu haben, sollte man es den Experten überlassen, die eine Ausbildung haben und für den Wald als ganzes verantwortlich zeichnen, also den Förstern.

Vor kurzem kam in einer anderen Fernsehsendung ein Streifzug durch Deutschland und da ging es um die Natur. Ich war erstaunt wie schwer es ist Wolf und Luchs bei uns wieder anzusiedeln. Neben den Anforderungen die bei uns kaum noch erfüllt sind (beide Arten brauchen recht große Waldgebiete und sind sehr scheu, meiden also den Menschen, was bedeutet, dass die Gebiete auch noch nicht so besucht sein dürfen) gibt es die Probleme mit Autobahnen die die Reviere zerschneiden und eben den Jägern. Immer wieder gibt es Ärger mit Luchsen und Wölfen. Wenn mal ein Schaf gerissen wird kommt es in den Nachrichten. Ein Schaf. Okay, wie oft kommt es in den Nachrichten, dass mal ein Tier auf der Autobahn überfahren wird? Das Theater gibt es wegen ganzen 80 Luchsen und 60 Wölfen. Das ist also in etwa ein Wildtier auf eine Million Einwohner. Ich bin überzeugt, es gibt sicherlich zehnmal mehr Mörder in Deutschland und die gibt man ja auch nicht zum Abschuss frei. Wobei die ja sogar Menschen töten – im Gegensatz zu Wölfen und Luchsen. Ein kleiner Fond für Entschädigungen durch Risse würde wahrscheinlich das Problem einiger Schafe, Hühner oder Ziegen die zum Opfer fallen schon lösen. Wie oft kommt das vor vielleicht ein Dutzend bis Hundertmal pro Jahr und welchen Wirtschaftlichen Wert hat ein Schaf? Also wenn man drüber nachdenkt, dann wird es schon skurril.

Es ist eine Schande, dass offensichtlich unsere Gesellschaft schon mit dieser kleinen Anzahl von Wildtieren überfordert ist

4 thoughts on “Wer hat Angst vor dem bösen Luchs

  1. Ich finde Jaeger sowieso pervers… wenn ich schon alle 100 Meter diese Nazi-maessigen Hochsitze sehe, von wo aus dann gemuetlich aus dem Hinterhalt und voellig unnoetigerweise Tiere erschossen werden… bei der Anzahl der Hochsitze praktisch in „industriellem Massstab“.

    Wir haben eine sowieso schon perverse Lebensmittelindustrie mit „Fliessbandtiertoetung“, da braucht man nicht auch noch die paar natuerlich lebenden Tiere, die es gibt, abknallen.

    Aber vielleicht bin ich auch zu engstirnig 🙂

  2. Was passiert, wenn die bitterbösen Jäger keine Tiere abschießen, sieht man in Australien. Dort haben verwilderte Haustiere einen großen Teil der einheimischen Arten ausgerottet, und ganze Landstriche zur Wüste kahlgefressen. Letzten Endes verdanken wir unser Leben den „perversen“ Jägern.

    Natürlich läuft auch bei den Jägern nicht immer alles so, wie man es gerne hätte. Das ist aber ein Problem, das man in jeder Branche finden kann. Von der Politik bis zur Müllabfuhr.

  3. Man dürfte wohl kaum ein extremeres Beispiel als Australien finden, wo massenhaft Tiere angesiedelt wurden, die dort nicht heimisch waren (was ja auch für die Menschen gilt – das Problem mit dem Ozonloch dort wäre nicht halb so schlimm, wenn ausschließlich die Aborigines dort leben würden und nicht ehemalige Engländer mit ihrem eher für Londoner Nebelwetter geeigneten Hauttyp).
    Aber bei uns würde sich sicherlich mehr von selbst regulieren, als die Jäger gerne hätten. Ich will nicht beurteilen, inwieweit das Abknallen von Tieren hier tatsächlich sinnvoll ist, ich frage mich aber immer, was für ein Mensch man sein muss, um sich freiwillig für einen Beruf zu entscheiden, in dem es ums Töten von Tieren geht. Ich kenne nur einen Jäger halbwegs persönlich, und der hat da Spaß dran, ist also offensichtlich auf der Entwicklungsstufe der Höhlenmenschen stehengeblieben.

  4. Aber nicht doch! Der anständige hacht aaabeitende chrrrrrristliche doitsche Mann hat ein Anrecht darauf, dass seine anständige züchtige blonde doitsche Frau und seine herzallerliebsten wohlerzogenen blonden doitschen Kinder vor den blutrünstigen Bestien aus den bolschewistischen Steppen des Ostens (wie auch vor linksgrün versifften Gutmenschen, Genderweibern, Musels und sonstigen Kanaken!) geschützt sind… das wird man doch wohl noch mal sagen dürfen, wird man das!

    Darum, doitsche Jägersleute: frisch angelegt auf alles, was nicht in unser heiliges sauberes christliches Deutschland gehört! Das wird man doch wohl noch mal sagen dürfen, wird man das!

    WaidmannsHEIL!!!

    Rülps!

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