Ein hoffnungsloses Unterfangen

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Das Internet hat den Vor- oder Nachteil, dass man nach Dingen sucht, die man vor der Internetära ignoriert hätte. Vor einigen Wochen kam ein Fernsehfilm in dem unter anderem eine Szene drin war, wo eine Mutter ihren dealenden Sohn dazu zwingt, ein Pfund Haschisch zu entsorgen. Da kam dann die Frage „Mama, weist Du was das wert ist?“. Ne gute Frage und bei der Suche nach der Antwort kam ich auf eine Seite die für Schmerzpatienten vorrechnete, wie viel Geld sie mit dem „Indoor“ Anbau von Haschisch sparen können.

Frage beantwortet, Neugier geweckt. Schaut man sich um, so scheint der Anbau einer Pflanze die ich eher als normale Nutzpflanze ansehen würde (Hanf wird schließlich schon seit Jahrtausenden zur Gewinnung von Fasern und Öl genutzt eher so was wie hohe Kunst zu sein. Na ja zumindest, wenn man Haschisch anstatt Flachs gewinnen will, da die Pflanze den Wirkstoff nur bildet wenn es 12 Stunden Tag ist, also bei uns rund um den 22 September. Trotzdem soll man die „Zucht“ auch bei uns im Freien durchführen können: „Outdoor“.

Das ist schon mal eine Besonderheit. Wenn wir die Drogen mal einteilen in legale und illegale und das mit dem Anbau untersuchen so stellt man fest; Auffällig ist, dass die einzigen legalen, Alkohol und Tabak bei uns produziert werden können. Tabak wächst zumindest im Rheingraben und anderen sonnigen Gebieten und Alkohol kann man aus so ziemlich jedem kohlehydratreichen Lebensmittel gewinnen.

Die meisten illegalen sind entweder synthetischer Natur oder wachsen nicht bei uns, mit zwei Ausnahmen: Schlafmohn und Hanf. Allerdings dürfte Schlafmohn mit den leuchtend roten Blüten und dem Betreuungsaufwand (mehrmaliges Aufritzen der Kapseln) doch sehr auffällig sein und ob so was indoor geht? Schlafmohnanbau wird man kaum verbergen können. Anders sieht es beim Hanf aus, der zwar auch auffällig ist, aber solange die Pflanzen nicht zu hoch sind bei den heute rudimentären Botanikkenntnissen wohl nicht stark auffällt. Es ist schon kühn etwas zu verbieten, das natürlicherweise bei uns wächst und nicht sofort auffällt. Die Möglichkeiten dann ein Verbot zu umgehen sind vielfältig.

Noch verrückter wird es aber, wenn man dann weiter nachforscht und dann stößt man recht rasch auf holländische Händler die Cannabissamen vertreiben – nicht gerade billig, aber ich denke wer welche hat kann auch negativ vermehren oder selber welche nachziehen oder er macht eine Kosten-Nutzenrechnung auf und da ist das Saatgut noch direkt „billig“.  Das führt das System noch mehr ins Absurde. Wenn ich an das Beschaffen von Drogen denke, dann denke ich eher an die Kontaktaufnahme von rauchenden Junkies mit undeutlicher Sprache und heruntergekommenem Aussehen in einem Hinterhof, als das Eingeben der Liederadresse und Kreditkartennummer in einem Shop, und dann wird Haschisch gezüchtet so wie man Blumen für den Balkon nachzieht… BZW. wenn es jemand „indoor“ macht, dann ist die Gefahr das er entdeckt wird noch kleiner. So leicht wird es selten gemacht ein Verbot zu umgehen.

Nun ist die Möglichkeit leicht an die Droge zu kommen eine Sache. Das sie alleine schon ein Verbot unwirksam macht, zeigt die Prohibition in Amerika, die dieses nicht trockener machte aber die Mafia groß machte die mit dem Alkoholschmuggel Geld verdiente. Die zweite Seite und das sollte vielleicht viel eher ein Kriterium sein, ist die Gesundheitsgefahr. Ich gebe gerne zu, ich bin da kein Experte, aber soweit ich gehört habe ist sowohl das Suchtgefahr wie durch die Schäden durch THC deutlich geringer als bei den „erlaubten“ Drogen Alkohol und Tabak. Nur denkt keiner dran die zu kriminalisieren. Hier gibt es (zumindest beim Tabak) noch die Bigotterie, dass offiziell der Konsum unerwünscht ist und es immer mehr Gesetze gibt die Werbung oder Konsum in der Öffentlichkeit einschränken. Auf der anderen Seite verdient der Staat ganz dick bei der Steuer mit. Damit ist das Interesse den Konsum zu reduzieren natürlich nicht so arg gegeben….

In Holland scheint es ja mit der Legalisierung auch zu klappen und sie verdienen auch noch am Grenzverkehr weil es bei uns ja verboten ist, bzw. exportieren Samen für 5 bis 20 Euro pro Stück nach Deutschland…. Ein Aktivist sollte mal im Kanzleramt „gueilla Farming“ betrieben, vielleicht wachen dann einige auf….

5 thoughts on “Ein hoffnungsloses Unterfangen

  1. Moin,

    interessant ist hier die Preisstagnation bei Kaffee & Haschisch.

    In den 60ern kurz nach dem Krieg hat ein Pfund Kaffee DM10 im Laden gekostet, heute Euro5. In den späten 60ern der frühen Hippies hat das einzelne Gramm guter Marokko oder Afghane DM10 gekostet, heute Euro5. Im Großhandel natürlich entsprechend billiger. Was beachtlich ist, weil die Inflation seit den 60ern hat seitdem nicht halt gemacht, und unsere Euro5 wären in Preisen der 60er nur DM2.50 und keine 10. Die Terms of Trade sind bei beiden Produkten den Erzeugerpreisen zu Lasten gelegt worden.

    Interessant ist hingegen die Preisentwicklung bei Gras, dass nicht mehr billig in 3t-Welt Ländern, sondern jetzt teuer als Atomstromgras zuhause in Deutschland, hergestellt wird. Hier hat sich die Preisentwicklung in den letzten Jahren entkoppelt, und es ist ein eher Endkundenpreis Euro6.60 bis Euro10 üblich, als dass die traditionelle Euro5 Marke vom Endverkäufer gehalten werden kann.

    In anderen Bundesländern als Bremen, mögen die Preise anders sein, aber wer Lampen, Spezialdünger, Hochleistungssamen, und Strom rechnet, und zwei bis drei Gewinnspannen wird ebenfalls bei steigenden Strom und Graspreisen ankommen.

    Freilandgras ist auch nur mitten im nichts, oder wenn die Polizei mit hilft die männlichen Pflanzen auszurotten, eine Alternative, da irgendein Idiot sonst immer eine Männliche stehen hat, und Hanf ein Windbestäuber ist. Zudem sind die Holland-Hochleistungssorten nicht für Freiland geeignet, da sie kaum noch Sturm und Wetter abkönnen, und die Blüte sehr schimmelempfindlich ist, was bei typisch Deutschen stürmischen und regnerischen Herbst dazu sorgt das die Ernte höchstens aus Fasterhanf und Viehfutter besteht.

    ciao,Michael

  2. Nun über die Preise kann ich nichts sagen, aber zur Botanik was. Natürlich gibt es Gegenden in denen es nicht geht. In Bremen wächst auch kein Wein, wohl aber in Süddeutschland. Das Problem der Windbestäubung sehe ich nicht so, außer Du hast wirklich viele kiffende Nachbarn. Windbestäubung ist sehr uneffktiv durch den Verdünnungseffekt, daher versuchen Pflanzen dies zu kompensieren: enrweder sie sind einhäusig, haben also gleichzeitig männliche wie weibliche Organe (der häufigste Fall) oder sie treten nur in Gruppen auf und befruchten sich gegenseitig. Wäre dem nicht so, dann wäre Deutschland ja längst von Hanf, der von Guerilla-Farmern ausgebracht wurde übersät. Zudem wird jeder der selbst welchen Anbau im Hinblick auf die Verlängerung der Blühphase daran interessiert sein die männlichen Pflanzen auszuschalten. Das Problem dürfte also nicht so gravierend sein wie Du es beschreibst.

  3. Wenn die Windbestäubung so wirksam wäre, könnte auf einfachste Weise der illegale Hanfanbau sabotiert werden: Einfach auf dem Hof jeder Polizeiwache eine männliche Hanfpflanze aufstellen, und deutschlandweit würde nichts mehr gehen.

  4. Hanf ist übrigens sehr robust hier gabs mal einen Fall, da wurde eine illegale Hanfplantage entdeckt und die Polizei hat das in der städtischen Kompostieranlage entsorgt: Effekt im nächsten Jahr spross Hanf auf von der Stadt gemulchten Flächen….

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