Ich kotz ab!

Eigentlich war ich gerade beim Schreiben des nächsten Blogeintrags über die ISS und Marsmissionen, da schaue ich nebenbei „Quarks und Caspars“ an. Schon nach wenigen Minuten habe ich aufgehört zu schreiben. So viel Unsinn wie in den ersten Minuten kam, habe ich in vielen Jahren nicht gehört und das bei einer Sendung die bisher noch zu den besseren des immer schlechter werdenden Wissenschaftsfernsehens zählte, Es ging in der Sendung, wie der Name schon sagt um „Kalorien“. aber wie wird das Wort benutzt. Schon am Anfang geht die Sprachschluderei los. „Mandeln enthalten 585 Kalorien“. Interessant. Ein Lebensmittel enthält also eine Maßeinheit. Okay, dann müssen wir in Zukunft vieles anders bezeichnen wie z.B. „Der Swimming Pool enthält 26 Grad Celsius“ oder „Ute enthält 1,65 Meter“. Das man in den Medien Kalorien sagt und Energie meint, bin ich ja gewohnt, aber selbst Energie kann ein Lebensmittel nicht enthalten, sondern es hat einen Brennwert von …. Kalorien. Wie der erste Beitrag schon erläutert (Unterschied zwischen physikalischem und physiologischem Brennwert) kann man nicht die Energie nehmen, denn die ist fest, während der Brennwert von der Meßmethode abhängt. In jedem Falle enthalten Lebensmittel aber keine Energie, sondern Nährstoffe und die setzen bei der Verdauung Energie frei. Energie enthält vielleicht noch eine Batterie, wo man sie wirklich direkt gewinnen kann.

Nach dem ersten Beitrag hoffte ich auf eine Besserung, als der Moderator sagte „Wenn wir von Kalorien reden, dann ist das nicht ganz richtig“. Doch die Enttäuschung kam im nächsten Satz „Gemeint sind immer Kilokalorien“. So so, also nicht mal die Höhe richtig angeben. Er hat sich dann noch kurz darüber ausgelassen, das die offizielle Einheit das Joule ist. „Das hat sich aber im Alltag nicht durchgesetzt, weil es so einen krummen Umrechnungsfaktor hat“. Falsch. Andersrum wird ein Schuh draus. Ich habe in der Schule 5 Jahre Ernährungslehre und Biochemie gehabt und bin mit Joule aufgewachsen, rechne immer nur in Joule, komme aber auch mit den Kalorien zurecht. Nur weil die Medien sich beharrlich weigern, die offizielle Einheit, die ja in Lehre und Wissenschaft seit einigen Jahrzehnten verwendet wird zu übernehmen hält sich die Kalorie so lange. Eine Einheit setzt sich dann nicht durch wenn man so tut als wäre sie die falsche Einheit. Es geht ja nur um eine Energieeinheit. Der Bezug zu jeder Person ist sowieso individuell. Eine Frau wird wenn sie klein und schlank ist und einen Bürojob hat weniger als 8000 kJ pro Tag benötigen. Bei einem Mann der schwer arbeitet können es leicht 15.000 sein. Das unterscheidet die Kalorie vom Celsius, die durch zwei physikalische Fixpunkte festgelegt wurde, nämlich dem Gefrier- und Siedepunkt von Wasser. Daher können wir sofort jede Temperatur zuordnen und wissen, das 25°C angenehm warm sind und -10°C saukalt. Aber ob eine Mahlzeit mit 3000 kJ viel meines Tagebedarfs deckt oder wenig, das hängt von mir als Person ab.

Es ist auch nicht so, dass die Kalorie irgendwie besonders mit den Nahrungsmitteln zusammenhängt, danach definiert wurde, also einen direkten Bezug zu ihrem Gehalt an Nährstoffen hat. So haben Kohlenhydrate und Eiweiß einen Brennwert von 4,1 kcal/g. Fett einen von 9,3 g. Wenn man es so festgelegt hätte, das 1 g Eiweiß/Kohlenhydrate 1 kcal als Brennwert hätten, dann hätte ich das Festhalten an der Einheit noch einen nachvollziehbaren Grund.

Die Sendung wurde dann etwas besser und es ging mehr um den unterschiedlichen Brennwert im Alter, dass man von Fast-Food nicht satt wird etc. Ich könnte es jetzt so machen, wie die Mitglieder eines Forums wo es heißt „auf Seite x ist bei Bernd Leitenberger ein Fehler, deswegen taugt das ganze nichts“. Vor allem, wenn Caspars als Moderator dran war wurde es schlimm, da wurde sogar als Erkenntnis verkauft „Kalorien alleine machen nicht satt“. Ich bin versucht, ihn mal als Aufgabe zu geben, 100 Kalorien zu kaufen/besorgen etc. Vielleicht erkennt er ja dann den Irrtum.

Ich würde wenn ich in der Redaktion dieser Sendung säße oder gar der Moderator wäre, den Anspruch haben, es richtig zu machen und als Vorbild fungieren. Das bedeutet, man verwendet Kilojoule und erklärt nur am Anfang, das viele noch in Kalorien rechnen. Dazu gehört auch, dass man nicht Einheit mit Messgröße verwechselt. Also man spricht von Energie, bzw. wenn man davon reden will, das Nahrung etwas „enthält“ dann sollte man sagen, das dies eine Sprachschluderei ist, die aber leider gängig ist. Ich halte es in meinen Büchern so, da findet man Kilojoule und wird von Energie gesprochen.

Schlimm ist, das diese Schluderei offiziell abgesegnet ist. Die EU hat die Verwendung der Kalorie als Angabe auf Verpackungen mehrmals verlängert, zuletzt mit der Begründung man wolle den Export in Drittländern nicht behindern. Ich habe sechs Bücher über Ernährungslehre, in fünfen wird primär von Kilojoule gesprochen, Kalorien als zweite Einheit genannt, eines verwendet nur Kilojoule. Mein Wunsch wäre, das man diese Doppelverwendung endlich aufgibt, sowohl seitens der Verpackungen wie auch Lehrbüchern.

Woran man wohl nichts ändern kann ist, das wenn von Ernährung heute im Fernsehen die Rede ist, das von Köchen kommt. Alleine schon wegen der inflationär sich vermehrenden Kochshows. Und da Köche ja immer betonen müssen, wie gesund ihr Essen (angeblich) ist, wird da mit Kalorien nur um sich geworfen. Dabei haben Köche von Ernährungslehre und Lebensmittelkunde in etwa so viel Ahnung wie Metzger von der Artgerechten Haltung von Schlachtvieh.

Zurück zum Moderator: Wie ernst es ihm ist, zeigt sich in seinem „Selbstversuch“. Es gibt das Konzept „5+2“ oder für die die nicht so viel anstreben „6+1“. Die Idee: an einem oder zwei Tagen in der Woche fasten, d.h. wenig essen. In den anderen Tagen isst man normal. In einer Studie nahmen Teilnehmer netto ab, weil sie zwar an den anderen Tagen mehr aßen, aber insgesamt über die Woche die Gesamtenergiezufuhr geringer war und zahlreiche Stoffwechselparameter, die man im Blut bestimmte wie HDL/LDL Quotient, verbesserten sich. Caspars machte das genau 1 Woche lang. Bei einer so kurzen Dauer ist jeder messbare Effekt jedoch Zufall, das ganze wird auch als dauerhafte Ernährung prognostiziert. Das wäre wie wenn ich ein Diätkonzept zum Abnahmen nach einer Woche validieren und dann meine Schlüsse draus ziehen würde. Da der Körper Wochen braucht um sich an stark veränderte (nicht kurzfristige) Änderungen der Nährstoffzufuhr anzupassen kann man nach einer Woche rein gar nichts gesichertes sagen.

Mein Tipp: Ändert den Titel der Sendung in „Quarks und Kasperle“.

7 thoughts on “Ich kotz ab!

  1. Es ist schade, dass das nicht-metrische System noch nicht ausgerottet ist. Ich habe mich beispielsweise auch an PS gewöhnt, und versuche mich gerade zu Kilowatt umzuerziehen, aber Gewohnheiten lassen sich leider nicht so einfach ändern.

  2. Das schlimme ist das Zoll immer stärker wird. Beispiel diese Woche: Ich erzähle einem Kollegen, dass ich Hölzer für meine Modellbahn brauche (für die Beine der Anlage), nämlich 7 auf 7. Er schaut mich an und meint wozu ich so riesige Hölzer brauche. Irgendwie ist er auf die amerikanische Bezeichung gekommen, und meinte ich würde 17 cm x 17 cm Balken kaufen. Die gibt’s auch für den Hausbau.

    Hier wäre mal die EU gefragt, dass sie die Benutzung von nicht SI Einheiten auf Produkten verbieten sollte. Es wäre für einmal nicht blödste Entscheidung.
    Das würde auch Bildschirmegrössen betreffen, die wieder mit cm angeben werden müssten. Auch sollten TV Sendungen auch im Original-Ton keine Imperiale verwenden, wenn sie in der EU gesendet werden. Das würde ganz populärer Sendung betreffen, wie „Top Gears“ oder Mythbuster. Notfalls müssten die Macher halt die entsprechenden Passagen zweimal aufnehmen, und dann zwei Versionen schneiden.

  3. Die „Pferdestärke“ ist ja die andere Einheit, die nicht auszurotten ist.
    Der Grund dafür dürfte wohl derselbe sein, einfach umgekehrt:
    Bei den PS gilt: je mehr desto besser. Wenn nun also ein neuer „verbesserter“ Motor statt 100 PS nun 85 kW leistet – he, Werbefritzen, was wollt ihr mir hier andrehen.

    Bei den „Kalorien“ gilt hingegen je weniger desto besser: wenn eine normale Pizza „500 Kalorien enthält“, die „Light“ Version aber 1’200 kJ, also mehr als doppelt so viel?

  4. Die Werbung nimmt es da nicht so genau. Bei einem Produkt steht groß auf der Vorderseite „2 Kalorien pro Stück“, und auf der Rückseite dann der korrekte Wert von 2 Kilokalorien pro Stück.
    Diese Spinner können mal die Strecke zwischen Berlin und München zu Fuß zurücklegen. Sind nach ihrer Rechnung ja nur ein paar hundert Meter…

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