Wenn nicht sein darf, was nicht sein kann

Ich schaue ja inzwischen sehr viel ZDF Info, weil da Reportagen und Dokumentationen rund um die Uhr kommen. Viel Guido Knopp (Hitlers…..) aber auch viel vom Discovery Channel und der BBC. Eine Serie klärt über alte Schlachten auf. Ich hatte an dieser US-Serie schon leichte Zweifel, weil ihre Darstellung der Schlacht von Kadesch etwas von dem abwich, was ich kannte. Doch was ich kürzlich sah, war doch ein starkes Stück.

Es ging um die Schlacht im Teutoburger Wald. Glaubt man der Sendung, dann verdanken die Germanen ihren Sieg nicht vorwiegend einer überlegenen Taktik, sondern zwei Orkantiefs und dem Verbrennen von Katapulten. Nun wird vom ersten und dritten Tag der Schlacht von Sturm berichtet, wobei nicht ganz klar ist, ob das eine Entschuldigung der Römer ist, die ja die einzige Überlieferung der Schlacht liefern oder tatsächlich so schlimm war. Nach allgemeiner Ansicht fand die Schlacht im Sommer oder Herbst statt, da gibt es eigentlich bei uns keine Stürme. Die Sendung zeigte die Verwüstungen von Kyrill, doch der tobte als klassischer Wintersturm im Januar. Man kann davon ausgehen, dass die Römer nicht im Winter Krieg führten, das war in der Antike absolut unüblich, schon wegen der Versorgung, erst recht in einer Gegend wie Germanien wo man sicher nicht im Winter in den Zelten hausen will.

Die Begründungen waren haarsträubend, da stand ein „Waffenexperte“ vor einer Windmaschine mit dem typischen römischen Langeschild der Republik und wird natürlich umgeworfen. Mal abgesehen, davon dass der bei einer Schlacht im Wald eh nicht so viel nützt, dürfte der Wald auch den Wind abgeschwächt haben. Dann sollen sich die Römer vor den Blitzen gefürchtet haben und die Germanen nicht. Ach ja, eine Berufsarmee, die einzige der Antike, fürchtet sich vor Blitzen?

Der Waffenexperte wurde noch wagemutiger. Um schneller vorwärts zu kommen, verbrannten die Legionen ihre schwere Ausrüstung, darunter die Katapulte von denen eine Legion etwa 60-80 Stück hatte. Diese Katapulte sind keine Steinschleudern wie manche denken, sondern eine Art mobiler Artillerie für den Feldeinsatz. Es waren überdimensionierte Armbrüste, die Bolzen verschossen und in Feldschlachten eingesetzt wurden um gegnerische Schlachtformationen aufzubrechen. Nur sehe ich nicht wie sie irgendwie nützlich sein sollten. Nach allgemeiner Ansicht siegten die Germanen weil in dem Gelände die römische Armee ihre gewohnte Schlachtaufstellung nicht einnahmen konnte. Wie sollten sie da Platz haben um Katapulte einzusetzen und wohin sollten diese schießen, wenn die Gegner keine Schlachtordnung haben, sondern nach einer Guerilla Taktik angriffen? Der Experte wollte damit einen Wall beschießen, der inzwischen geschichtlich erwiesen ist. Nur diente dieser aus Gestrüpp gebildete Wall an einer Verengung nicht dazu, von dort aus die Römer stationär anzugreifen, sondern um den Germanen Deckung zu geben, dass sie von den Römern erst zu spät beim Angriff entdeckt wurden. Sie verließen jedoch den Wall.

Warum diese Umdeutung der Schlacht? Die Lösung liefern die anderen Experten der Sendung von den Amis. Es waren US-Soldaten die von Afghanistan und Irakeinsätzen berichteten und wie sich Soldaten in der Schlacht führen, was bei einem Guerillaangriff (der Taliban) in einem vor sich geht und wie Drill hilft die Angst zu überwinden. Ah ja. 9. n. Christus wurde die Armee einer Supermacht, die als unbesiegbar galt und in den vergangenen drei Jahrhunderten den ganzen Mittelmeerraum erobert hatte von einem Haufen Germanen besiegt, schlecht bewaffnet, aber erfolgreich durch ihre Guerilla Taktik. Könnte das nicht auch der Supermacht des 21.sten Jahrhunderts passieren? NEEEIIIIIIIN, das war das schlechte Wetter mit zwei Orkantiefs, die viel stärker waren als alles was es jemals gab und das waren die Fehlentscheidungen des Varus. Ohne Satellitentelefon und Drohnen musste er ja Fehlentscheidungen treffen, er hatte nicht alle Informationen und konnte nicht seinen Vorgesetzten sprechen und nach Verstärkung fragen. Also so was kann der Supermacht heute nicht passieren. Es darf nicht sein, was nicht sein kann.

Liebe Amis, ihr habt meiner Ansicht nach keinen Krieg nach dem zweiten Weltkrieg gegen einen Flächenstaat gewonnen. (Von kleinen Miniinvasionen gegen solche Gegner wie Grenada oder zum verhaften eines Staatsoberhaupts in Panama mal zu schweigen). In Korea endete es nach mehreren Jahren mit einem Waffenstillstand bei dem Ausgangszustand (38 Breitengrad), in Vietnam wurdet ihr aus dem Land geschmissen. Beim ersten Golfkrieg habt ihr abgebrochen als Kuwait erobert war und so einen Sieg und die Beseitigung Husseins verschenkt und in Afghanistan und Irak ist nach euren Interventionen von Frieden keine Rede. In Afghanistan werden immer noch Teile von den Taliban kontrolliert, das Land ist Drogenexporteur Nummer 1 und im Rest des Landes ist es auch nicht sicher. Sicher ist es auch nicht im Irak wo neben terroristischen Anschlägen noch ein Bürgerkrieg zwischen Schiiten und Sunniten tobt. Wenn man euren eigenen Anspruch nimmt, Ländern Frieden, Freiheit, Demokratie und Wohlstand zu bringen nimmt, dann habt ihr überall auf voller Linie versagt.

Da hilft es auch nicht die siegreichen Germanen zu verunglimpfen. So wurden Gefangene geopfert. Leute, die Römer haben nach Schlachten auch die Gefangenen abschlachten lassen, bei belagerten Städten sogar die ganze Bevölkerung inklusive Kinder. Armin wird so dargestellt wie heute wohl ein Talibankrieger ohne Turban aussieht – mit zotteligem, ungekämmten Haar und Vollbart. Da Armin unter Römern aufwuchs und Offizier bei Varus war, darf man annehmen, dass er sich wie ein Römer kleidete und auch wie diese eine ordentliche Frisur und keinen Bart hatte. Aber dann könnte man ja einen erfolgreichen Feldherrn erkennen – wie schon gesagt: was nicht sein kann, das darf nicht sein….

Ach ja noch kleines Detail am Rande, ich dachte zuerst ich hatte mich verhört, aber es war tatsächlich so: Nach dieser Serie wurden die Römers von den „Germans“ besiegt, nicht den „Germanic Peoples“ wie sie zumindest iun der englischen Wikipedia heißen. Ja Ja, die Germans ….

5 thoughts on “Wenn nicht sein darf, was nicht sein kann

  1. Liebe Amis, ihr habt meiner Ansicht nach keinen Krieg nach dem zweiten Weltkrieg gegen einen Flächenstaat gewonnen. (Von kleinen Miniinvasionen gegen solche Gegner wie Grenada oder zum verhaften eines Staatsoberhaupts in Panama mal zu schweigen). In Korea endete es nach mehreren Jahren mit einem Waffenstillstand bei dem Ausgangszustand (38 Breitengrad),
    Wobei im zweiten Weltkrieg die Hauptarbeit, also die Schwächung der deutschen Landstreitkräfte mit der frontnahen Luftwaffe von den Sowjets geleistet wurde. Zweifellos wurden sie von den Alliierten mit Waffen und Städtebombardements unterstützt, aber ich denke das war nicht der Hauptgrund für die D. Niederlage. Die US-Landarmee war zu der Zeit auch nicht über alle Zweifel erhaben, wenn man z.B. mal den Sherman mit dem Panther vergleicht. In Korea hatte die US-Landarmee denn auch Probleme gegen die Chinesen, welche freilich in starker Überzahl waren.
    Viele Grüße
    Niels

  2. Moin Bernd,

    manchmal frage ich mich warum Du Dir so einen Scheiß bis zu Ende anschaust. Schlechtes Edutainment gibts auch im Netz zur genüge, nur da ist es leichter den Ausschalter & Löschen zu klicken, um zum nächsten Film weiter zu sehen, als bei einer Ausstrahlung wie im Fernsehen. Wie sagten die Feierschweine noch: So lange Ihr eure Füße auf meine Tanzfläche stellt, wird getanzt was auf die Teller kommt.

    Zum Teuteburger Wald erwarte ich noch die Doku, die behauptet dass die Germanen gewonnen hätten, weil ihre Auftragstaktik der Römischen Kommando und Befehlstaktik überlegen war.

    ciao,Michael

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.