Gegen die Winterdepression

Der Kommentar von „Roomsterzukunft“ zu einem alten Blog über Winterdepression brachte mich auf das heutige Thema: Winterdepression und was man tun kann. Ich dachte, ich schreibe zuerst eine Antwort auf den Kommentar, doch beim Durchlesen des nun fast neun Jahre alten Blogs stellte ich fest, das sich seitdem auch einiges getan hat.

Für alle die nicht unter Winterdepression leiden: Das ist eine Form der Niedergeschlagenheit, verbunden mit Antriebslosigkeit, meist auch Müdigkeit in den Wintermonaten. Wie in dem Beitrag geschrieben habe ich darunter als ich etwa 25 bis 30 war sehr stark gelitten. Seitdem ist es deutlich besser geworden. Zum Zeitpunkt des Beitrags trat sie erneut wieder auf, doch das ist nun eben auch schon neun Jahre her. Die letzten Jahre habe ich kaum darunter gelitten und das kann eine Altersfrage sein, aber vielleicht auch eine Frage der veränderten Lebensumstände beziehungsweise der Lebensweise.

Ursache der Winterdepression

Das ist ein Unterschied zum Heuschnupfen, der auch vor etwa 10 Jahren wieder stärker auftrat und nicht besser wurde (auch den hatte ich zuerst mit 20-25 und er wurde seit Ich 30 war eigentlich immer besser). Den habe ich nun behandeln lassen. Trotz drei Jahren Hypersensibilisierung habe ich die Pollen im Frühjahr aber deutlich gespürt. In einem Monat ist die letzte Injektion, dann werden Tests zeigen ob man noch, was nachbehandeln muss. Ich sage ja immer scherzhaft das der deutsche Wald, was gegen mich hat, denn nach den Immuntests bin ich allergisch gegen Birke, Haselnuss, Erle, Esche, Buche und Eiche. Die beiden letzten Pollenarten hat man nicht behandelt, weil der Hautarzt meinte, das wären Kreuzallergien, die treten also auf, weil die Polen so ähnlich anderen sind, die die Hauptverursacher sind.

Aber zurück zur Winterdepression. Hauptursache soll der Forschung nach sein, dass im Herbst das Licht weniger wird und dadurch das Hormonsystem bei einigen aus dem Gleichgewicht gerät. Dazu passt die Beobachtung, dass die Winterdepression meist im Spätherbst (Oktober/November) am häufigsten auftritt. So auch bei mir, wenn sie nicht so stark ist. Als ich den Blog 2008 schrieb, trat sie auch im Winter auf. Normalerweise ist aber spätestens kurz Weihnachten bei mir Schluss.

Persönliche Erfahrungen

Warum sie 2007/2008 stärker auftrat als sonst? Man kann nur raten. Aber 2006/2007 habe ich stark abgenommen, 33 kg in einem Jahr. (Für alle, die es nachmachen wollen: Es gibt meine Tipps auch als Buch). Ich vermute das hat mein Hormonsystem doch deutlich durcheinandergebracht und es brauchte wohl einige Zeit zum Normalisieren. Zumindest ist danach auch mein Hauptschnupfen wieder stärker geworden. Das kann natürlich auch nur Zufall oder einfach das Alter sein.

Auffällig ist, dass ich bis 2009 auch angestellt war und dann früh aufstehen musste. Heute bin ich selbstständig und schlafe aus. Alleine das macht was aus. Die im Beitrag geschilderte Müdigkeit habe ich zumindest seitdem nicht mehr gehabt. Das man am gesündesten schläft wenn man ausschlafen kann ist ja nicht neu. Inzwischen habe ich auch meine zwei Biowecker (Katze und Kater) soweit erzogen, das Sie mich nicht wecken nur weil sie meinen ich sollte aufstehen.

Das Ich gerne Dinge, vor allem alles, was mit Bürokratie verbunden ist, vor mir herschiebe ist auch nicht neu und tritt nicht nur im Winter auf. Meine Steuererklärung gebe ich z. B. Regelmäßig in den letzten Maitagen ab, obwohl ich nicht so viel abzusetzen und aufzustellen habe. Aber mit Winterdepression hat man noch weniger Lust was zu tun, was man eh nicht gerne tut. (Kleine Anekdote am Rande: Vor Jahren versuchte mir ein Vorwerk-Verkäufer, einen Staubsauger der Firma zu verkaufen. Die sind relativ teuer. Als ich darauf erwiderte, dass ich nicht gerne staubsauge und dafür schon gar nicht so viel Geld ausgeben will, meinte er, weil das Ergebnis sauberer wäre, als bei meinem damaligen Staubsauger, müsste ich nicht so viel saugen und es sähe auch sauberer aus. Ich sagte ihm, dass normale Leute Geld für das ausgeben was sie gerne tun und nicht für das, was sie nicht gerne tun).

Tipps gegen die Winterdepression

Aber kommen wir mal zu dem, was vielleicht den einen oder anderen Gelegenheitsbesucher interessiert? Was kann man bei Winterdepression tun?

Die Lampe, die ich dafür gekauft habe, steht auf jeden Fall schon seit Jahren im Keller. Sie war zu unpraktikabel. Eine Stunde vor der Lampe sitzen oder liegen kam nicht in Frage. Die Zeit hatte ich nicht und mir wurde auch bald langweilig. Als ich sie auf den Couchtisch stellte, damit sie mein Gesicht beleuchtete, während ich Fernsehen schaute, störte das Licht und die Position war auch nicht richtig justierbar, da die Couchebene unterhalb des Tischs ist.

Was ich seit einem Jahr mache, ist, dass ich von September bis April eine Stunde am Tag spazieren gehe, (etwa 1 km auch jogge). Ich habe meine feste Strecke von 5,4 km Länge die mich nach Esslingen/Weil und dann über die Parksiedlung zurückbringt. Trotz Heuschnupfen geht sie größtenteils durch den Wald … Ich vermute die Lichtdosis, die man dabei bekommt, alleine reicht schon aus. Wer berufstätig ist, kann vielleicht die Mittagspause dazu nutzen. Da allerdings die Winterdepression in den letzten Jahren sehr milde war, kann ich nicht sagen ob das, was bringt, es ist auf jeden Fall ein schönes Gefühl, wenn man draußen läuft und die Sonne scheint. Was es in jedem Fall gebracht hat: Ich hatte den letzten Winter keine einzige Erkältung oder Schnupfen. Normalerweise habe ich davon einige Infektionen über das Winterhalbjahr.

Allgemein soll sportliche Tätigkeit ja gut gegen Winterdepression sein.

Der zweite Tipp ist etwas für das Hormonsystem direkt zu tun. Der Kommentargeber nimmt Serotonin ein, doch das kann die Blut/Gehirnschranke nicht überwinden. Die Einnahme ist daher sinnlos, genauso wie der Verzehr von Schokolade und Bananen die das Hormon oder Vorläufermoleküle enthalten. Man kann aber Substanzen einnehmen, die stimmungsaufhellend wirken, indem sie auf Botenstoffe im Gehirn wirken oder deren Ausschüttung erhöhen. Johanniskraut wurde ja schon genannt. Sehr wirksam sind Substanzen, die auf das Endocannaboidsystem wirken. Die heben die Stimmung sofort und sorgen für ein Glücksgefühl. Leider sind diese bei uns durch Gesetz verboten, obwohl viel harmloser als Alkohol, der den Dopaminspiegel kurzzeitig erhöht und so auch positiv wirkt.

Wer nichts einnehmen kann oder will und auch nicht raus kann, der kann es ja mit einer Lichttherapie versuchen. Die Lampe sollte man dann nutzen, wenn es draußen dunkel ist. Das soll für den Körper die Tagesdauer verlängern und so gegen Winterdepression wirken. Es scheint aber auch eine Frage der Gesamtlichtmenge am Tag zu sein, das heißt, wenn es geht, den Arbeitsplatz so stark beleuchten, wie es geht. Selbst wer Winterdepression hat, spürt meist eine Besserung, wenn draußen den ganzen Tag die Sonne scheint. Das letzte Mal, wo ich einen Anflug an Winterdepression jenseits Weihnachten hatte, war vor zwei bis drei Jahren, als es mal zu Jahresanfang einige Wochen lang so bedeckt war, dass man den ganzen Tag nur Wolken und keine Sonne sah.

One thought on “Gegen die Winterdepression

  1. Der User Roomsterzukunft schrieb von einem „selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer“. Wenn ich mir den Wikipediaartikel anschaue: https://de.wikipedia.org/wiki/Serotonin-Wiederaufnahmehemmer finde ich darin z.B. den Satz: „SSRI hemmen die Wiederaufnahme des Neurotransmitters Serotonin (5-HT) in die Präsynapse und erhöhen so dessen Konzentration im synaptischen Spalt.“
    Ich verstehe das so, dass die körpereigene Verarbeitung/Abbau von Serotonin beeinflusst wird, nicht dass Serotonin zugeführt wird.
    Wer es besser weiß und/oder besser beschreiben kann, bitte Kommentar ergänzen.

    Wenn es dir auch so besser geht, ist das natürlich erfreulich.

    Gruß, Sebastian

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.