Liebe Blogleser / innen

Heute ist Weltfrauentag, ich hätte ihn wahrscheinlich übersehen, wenn es gestern nicht einen ziemlich schrägen und auch schlechten Tatort zu dem Thema gegeben hätte. Derzeit tobt ja die Diskussion um die Anrede. Also soll man immer alles in männlicher / weiblicher Form schreiben und wie aussprechen mit Pause, mit gesprochenem Schrägstrich oder mit einem Klacklaut?

Die SPD scheint da gerade einen innerparteilichen Streit über die „richtige“ anrede zu haben. Die Parteichefin Esken scheint Wolfgang Thierse und Gesine Schwan abgekanzelt zu haben. Letztere, weil sie Heinrich Horwitz mit einem männlichen Artikel/Personalpronomen angeredet hat. Würde ich auch tun. Heinrich Horwitz ist eine Person (nicht mal die Wikipedia will sich in dem Artikel über die Person zu einem Geschlecht äußern), die mal als Mirjam Horwitz geboren wurde und sich über jedes männliche Anrede aufregt und betont „nicht binär“ zu sein. Thierse denkt nach Anfeindungen nach die SPD zu verlassen und hat Esken gefragt, ob für ihn überhaupt noch Platz in der Partei sei.

Also ehrlich. Wenn jemand einen eindeutig weiblichen Vornamen in einen männlichen ändert muss er sich nicht über falsche Anreden beschweren. Und mir sagt die Aussage die Person wäre „nicht binär“ rein gar nichts. Erst recht gibt sie mir keinen Hinweis, wie ich sie anreden sollte. So was hat weniger etwas mit einem Geschlecht zu tun, als vielmehr damit unbedingt Aufmerksamkeit zu erregen.

Die Frage der richtigen Anrede tobt. Ich plädiere dafür, es mal entspannter zu sehen. Unsere Sprache hat eben nun mal drei Artikel: der, die und das. Entsprechend gibt es dann Personalapronomen: er, sie es. Und die gelten eben für alles. Nicht nur für Menschen, sondern auch für Sachen, Pflanzen, Tiere, selbst immaterielles oder nur gedanklich fassliches. Der Gebrauch ist nicht logisch und muss gelernt werden. Es heißt der Sportwagen aber die Limousine, obwohl beides nur Subkategorien von dem (das) Auto sind. Oder die Venus und der Mars. Beides sind Planeten. Es gibt die Forelle und den Hecht. Immerhin noch begreifbar. Bei der Gravitation (weiblich) oder Magnetismus (männlich) ist schon das nicht mehr gegeben.

Also wenn man es konsequent macht, müsste man alle Artikel von allen Hauptwörtern ändern und entsprechend die Personalpronomen. Nicht nur bei Berufsbezeichnungen und Anreden, um die sich die Diskussion derzeit dreht. Sinn macht für mich die Doppelbezeichnung nur bei Stellenausschreibungen. Wobei – wenn sie dort nicht beide Geschlechter umfasst die Firma schnell ein Problem bekommt, weshalb man sie dort auch nicht braucht. Die einzigen Stellenausschreibungen, die man ohne das “ / innen“ formulieren kann, sind Ausschreibungen nur für Frauen und solche sind durchaus möglich, dass dort Männer discreminiert werden juckt dann niemanden. So gibt es nur Frauenbeauftragte, keinen Frauenbeauftragten.

Meiner Ansicht nach bringt sowohl die Diskussion wie die sprachlichen Zungenbrecher nichts. Frauen haben weder mehr Rechte, nur werden sie diskriminiert, wenn man die alten Bezeichnungen vor allem für Berufe weiter verwendet oder sie ändert. Es macht nur alles komplizierter.

Das hat mehr mit „Political Correctness“ zu tun. Man darf eben keine Wörter mehr benutzen die diskriminieren. Im Netz tobt dagegen das genaue Gegenteil, dort wird der Umgangston immer rauer und beleidigender. Dieses Jahr musste ich zum ersten Mal drei Kommentare in meinem Blog löschen, in denen ich persönlich beleidigt wurde. Das ist meiner Ansicht nach ein wirkliches Problem und kein Luxusproblem, das man aus der Taufe hebt, wenn man nichts zu tun hat.

Ich jedenfalls werde alle die den Blog lesen weiterhin als „Blogleser“ titulieren, meistens verwende ich ja auch das „wir“ und „euch“, das bisher noch nicht in den Fokus der Geschlechtsdiversifizierung gerückt ist. Aber auch sonst halte ich wenig von Poltical Correctness und spreche immer noch von Zigeunerschnitzel und Mohrenkopf. Aus dem Grund wird man in meinen Blog auch das neue Modewort „Gender(n)“ nicht finden.

Ich meine man könnte sogar noch weiter gehen. Es bleibt ja nicht nur bei zwei Geschlechtern. Seit einigen Jahren gibt es ein drittes Geschlecht im Pass. Das Thema ist vielschichtig. Es gibt Menschen die haben schon bei den Chromosomen kein eindeutiges männliches / weibliches Geschlecht. Doch bei dem dritten Geschlecht bleibt es ja nicht. Alleine Psychologen definieren sechs weitere Bezeichnungen für das, was Menschen als ihre Identität jenseits Männer und Frauen für sich als Identität ansehen. Da wird die Aussprache komplex. Noch komplexer wird es bei der Toilette. Nachdem es schon die Forderung nach einer dritten Toilette gibt, kann das dann bald ausufern. Gerade das verstehe ich am wenigsten, zumal es ja auch mit Kosten verbunden ist. Im Zug gibt es nur eine Toilette, in den meisten Privathaushalten auch nur eine. Dass was ich auf einem Klo erledigen will, will ich eigentlich ungestört tun und deswegen gibt es ja Kabinen. Dann ist es aber völlig egal, welches Geschlecht dann in der Kabine sitzt. Gut es gibt ein Problem: Viele Männer meinen unbedingt im Stehen pinkeln zu müssen und tun das auch bei einer Kloschüssel. Da spritzt es aber immer raus. Das hat nichts mit gutem Zielen zu tun sondern Physik. Umgekehrt sind Frauentoiletten häufiger verstopft, weil manchen Frauen (obwohl das Spritzen dort kein Problem sein soll) dazu neigen „Nester“ aus Toilettenpapier auf der Klobrille anzulegen, bevor sie sich setzen und die Menge dann leicht die Abwasserleitung verstopft. Also jedes Geschlecht hat seine Macken. Ich bin für eine Unitoilette. Gegen Männer die unbedingt im Stehen pinkeln wollen hilft eine einfache Feder am Klodeckel, sodass er, wenn niemand sitzt oder ihn hält automatisch runter geht.

Das würde vieles einfacher machen. Denn meist ist es ja so, das die Geschlechter an Arbeitsplätzen ungleich verteilt sind. Ich bin fünf Jahre auf eine hauswirtschaftliche Berufsfachschule, später ernährungswissenschaftliches Gymnasium gegangen. Der Frauenanteil in den Klassen lag bei etwa 80 %. Es gab im ganzen Block eine Männertoilette aber vier für Frauen, das heißt in den 5-Minuten-Pausen musste ich spurten. Umgekehrt ist in der Firma, in der ich bisher programmiert habe, gibt es auf dem Stockwerk je eine kleine Frauen- und eine Männertoilette. Die einzige Frau arbeitet aber nur alle zwei Tage vormittags dort. Alle anderen, die auf dem Stockwerk arbeiten, sind Männer. Ziemlich oft ist die Männertoilette besetzt und ich muss warten. Bisher habe ich mich nie getraut, auf die leere Frauentoilette zu gehen. Eine Unisex Toilette würde vieles einfacher machen, und weil eine Trennwand wegfiele, hätte man sogar mehr Platz.

Aber ich glaube eher kommt noch eine weitere Toilette für das sechste Geschlecht…

5 thoughts on “Liebe Blogleser / innen

  1. Also ich finde dieses Sternchen innen in Texten immer schlimm das ist wie ein Schlaglöcher im Text das beim Lesen stört. Wen ich jetzt Z. B. Busfahrer schreibe ist das ja nicht rein für Männer gemeint sondern ich meine eine Person die den Beruf des Busfahrer ausübt völlig egal ob M oder W. Es geht ja rein um die Bezeichnung des Berufs.
    Bei der Debatte habe ich manchmal das Gefühl es gibt nur Männer und Frauen statt Menschen.
    Ich finde es Z. B. auch sehr einseitig das in der Gehaltsdebatte immer nur der Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen thematisiert wird nicht Aber das Männer und Frauen eben sich unterschiedlich auf unterschiedliche Berufe Verteilen.
    Überall wo ich bisher gearbeitet habe haben Männer und Frauen für die gleiche Tätigkeit das gleiche Verdient.
    Wenn jetzt aber jede Frau Z.b. 400€ mehr kriegen würde (weiß grade nicht genau wie groß der Unterschied im Schnitt genau ist) Dan Würden die Frauen die bisher genau so viel verdient haben wie Männer ja plötzlich mehr bekommen als ihre männlichen Kollegen.
    Wäre das Dan Gleichberechtigung oder Bevorzugung von Frauen/Diskriminierung von Männern?

  2. @Sebastian: Schreib doch einfach „die Busfahrerperson“ 🙂

    Für Bernd und Sebastian: Eure persönliche Erfahrung in allen Ehren, aber das sind eben a) nur Einzelerfahrungen und b) statistisch nicht wirklich ausschlaggebend. In meinem Studium war es, anders als bei Bernd, ein gefühlter 98% Männeranteil und ich habe in meinem Berufsleben zwar das Glück gehabt, keiner wirklichen Diskrimierung ausgesetzt zu sein, aber auch bei meinen Kollegen z.B. in der Fertigung gab es durchaus ein Gehaltsgefälle zwischen Mann und Frau.
    Es geht auch nicht darum, dass jetzt jede Frau automatisch 400 Euro mehr an Gehalt bekommen sollte. Es geht darum, dass für gleiche Arbeit auch das gleiche Gehalt gezahlt wird, unabhängig von m/w/d oder schwarz/weiss/braun etc. Vielleicht leben die typischen Blogschreiber und -leser (m/w/d) in einer heilen Blase an sozialer Welt, aber das ist leider nicht überall so.

    1. Ich habe nicht über Diskriminierung oder Gehaltsgefälle geschrieben, sondern die Anrede. Ich bestreite nicht das es eine Diskriminierung gibt und Frauen im Schnitt weniger für dieselbe Arbeit verdienen. Doch das hat jetzt mit der Anrede nichts zu tun. Glaubst Du das sich an dem was ändert wenn man nun überall * innen schreibt?

  3. Das Herumeiern um die korrekte Anrede und Bezeichnung soll doch nur davon ablenken, dass man sich um die wirklichen Probleme jahrzentelang herummogelt. Viel wichtiger als etwas zu tun, ist so zu tun als ob man etwas tut. Sonst könnte ja Jemand fragen, wofür die Steuerzahler das finanzieren sollen.

  4. Wirklich schöner -lesenswert unaufgeregter- Blogbeitrag zu einem heiß diskutierten Thema. Ich persönlich finde die Diskussionen zur „gendergerechten Sprache“ völlig Gaga. Um so mehr, als dass tatsächlich Steuergelder für die Forschung dieser Disziplin verbraten (ich würde soweit gehen, den Begriff „veruntreut“ zu verwenden) werden. Mit leichter Abschwächung gilt selbiges fürs „Zigeunerschnitzel“, Pippi Langstrumpfs „Negerkönig“( der nicht mehr sein darf), oder ganz aktuell die abstrusen Diskussionen im Zusammenhang mit der Kandidatur des Goldregenpfeifers zur NABU-Wahl „Vogel des Jahres“.
    Viel sinnvoller wäre es, Energie (oder Geld) in laufende Projekte wie „Einfache Sprache“ zu stecken. Um dem Traum von Integration unserer zuwandernden Gäste vielleicht mal ein Stück näher zu kommen. Und auch sprachlich weniger versierten Mitbürger behördlicherseits in der Kommunikation auf Augenhöhe zu begegnen zu können.
    Ich möchte nicht unken, aber ich habe schwere Bedenken, ich hoffe ich irre: Ich befürchte, dass die Hybris unserer politisch Verantwortlichen sowie die fast schon dekadente Fixierung der Blase orientierungsloser in einschlägigen Themengebieten umherirrender Wissenschaftler auf idiotische Themengebiete wie „gendergerechte Sprache“ (oder ähnliche Auswüchse) für zum heutigen Tag noch unvorstellbaren Folgen verantwortlich sein wird. Wirtschaftlich wie gesellschaftlich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.