Der ideale Panzer

Eine der wichtigsten Waffen des zweiten Weltkriegs war der Panzer. Dementsprechend war die Leistungsfähigkeit der Konstruktionen einer Nation ein Faktor, der über Sieg und Niederlage mitentschied. Führend im Panzerbau waren in den besonders intensiven Kriegsjahren 1941-1945 das Deutsche Reich und die Sowjetunion, deren Entwicklungen unterschiedliche Vorteile aufwiesen. Die Deutschen waren von der technischen Seite her führend, die Sowjets dagegen bauten besser geformte und leichter zu produierende Panzer. Als ich mir vor einiger Zeit ein Buch mit Panzerschnittzeichnugen kaufte (übrigens absolut zu empfehlen, wie die meisten Bücher dieser Reihe. Sehr liebevoll und detailliert gezeichnet), fielen mir die ganz unterschiedlichen Platzverhältnisse im Inneren auf: Der T-34 eng geschnitten, während im Tiger 2 große, nicht ausgefüllte Hohlräume vorhanden sind. Einen ähnlichen Vergleich kann man auch z.B. zwischen Is 3 und dem Panther ziehen. Allgemein gilt, dass deutsche Panzer immer voluminöser gebaut waren als ihre sowjetischen Pendants. Dieser Umstand brachte mich auf die Idee, selber eine grobe Konstruktion eines Panzers aus der Zeit vorzunehmen, mit dem Ziel die positiven Eigenschaften deutscher und sowjetischer Panzer zu kombinieren. Zunächst aber ein kurzer Abriss der Geschichte der deutschen Panzerwaffe, um die Eigenkonstruktion einordnen zu können.

Der Versailler Vertrag verbot dem Deutschen Reich den Besitz vieler Waffen wie Kampfflugzeuge oder Panzer. Daran hielt sich die Reichswehr anfangs noch, begann aber schon in der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre eine geheime Kooperation mit der Sowjetuinion, in deren Rahmen zahlreiche Erprobungen stattfanden. Mit der Machtergreifung der NsDAP wurde die Wiederaufrüstung energischer vorangetrieben. Die ersten ernstzunehmenden Panzer waren die schweren Neubaufahrzeuge und der Panzer 1. Beiden vorausgegangen waren die Prototypen Großtraktor und Leichttraktor, letzterer ab 1928 entwickelt. Der Panzer 1 war nur mit Mgs bewaffnet und max. 13mm dick gepanzert. Beim Panzer 2 wurde stattdessen eine 2cm Kanone eingebaut, die Panzerung aber nahezu beibehalten. Ein großer Schritt nach vorne war der Panzer 3: Neben einer 3,7 oder 5cm Kanone hatte er als erster deutscher Panzer eine 5-Mannbesatzung, bestehend aus Fahrer, Funker in der Wanne und Ladeschütze, Richtschütze und Kommandant im Turm und sollte ursprünglich Panzer bekämpfen. Parallel dazu wurde der Panzer IV entwickelt, der zur Infanterieunterstützung mit einem kurzen 75mm Geschütz ausgestattet war. Parallel zur Verbesserung der Technik entwickelten die deutschen die Taktik weiter. Sie fassten ihre Panzer in eigenen Verbänden zusammen, die tief ins feindliche Hinterland vorstoßen und Flankenangriffe durchführen sollten. Damit feierten die deutschen schnelle Erfolge gegen die massiv unterlegenen Polen und die Westalliierten. Hierbei zeigten sich erste Schwächen der deutschen Panzer: Die französischen und britischen Panzer waren besser gepanzert und meist stärker bewaffnet, oft sogar noch in Überzahl. Siege konnten die deutschen nur erringen, weil sie ihre Panzer konzentriert einsetzten. Die Alliierten dagegen stellten kleine Verbände auf, die von den deutschen einer nach dem anderen aufgerieben werden konnten. Zudem verfügten sie über Funkgeräte statt Signalflaggen und zumeist über Dreimanntürme. Dadurch wurde die Führung einfacher und der Kommandant konnte sich auf das kommandieren des Panzers konzentrieren. Bei den Alliierten musste er oft auch noch zielen und mitunter sogar selbst laden, was ihn überforderte. Als die Deutschen 1941 die Sowjetunion angriffen ergab sich das gleiche Bild: Die zahlenmäßig und ausrüstungstechnisch unterlegen Deutschen fuhren schnell Siege ein, im Winter ´41 kam die Offensive jedoch zum stehen. Zudem traten die Sowjets mit dem berühmten T-34 eine Revolution im Panzerbau los. Er verfügte neben abgeschrägter Panzerung über eine mittellange 76mm Kanone, die jeden deutschen Panzer dieser Zeit zerstören konnte. Auf diesen Schock reagierte man, indem der Panzer IV mit einer langen 75mm Kanone und verstärkter Panzerung ausgerüstet wurde. Zudem begann man mit der Entwicklung des  Panthers, der schließlich 1943 seinen ersten Einsatz erlebte. Er verfügte über eine superlange 75mm Kanone und als erster deutscher Panzer über abgeschrägte Panzerung. Der Panther wurde bis Kriegsende eingesetzt und gilt als bester mittlerer Kampfpanzer des zweiten Weltkriegs. Schon Anfang 1941 begann man mit der Entwicklung des Tiger 1 mit senkrechter Panzerung und langem 88mm Geschütz, der ab Ende 1942 eingesetzt wurde. 1944 wurde er durch den Tiger 2 mit superlanger 88mm Kanone und abgeschrägter Panzerung abgelößt. Von vielen Panzern, z.B. vom Panzer 3, 4, 5 Panther und 6 Tiger 2 gab es Jagdpanzerversionen ohne Turm, aber verstärkter Frontpanzerung und Kanone, die sich größtenteils als sehr effektiv erwiesen.

Zusammenfassend kann man die deutsche Rüstungspolitik als wenig vorausschauend und zersplittert bezeichnen. Zu Kriegsbeginn ging die Fortentwicklung der Panzer nur langsam voran, und erst 1941 (mindestens ein Jahr zu spät) begann man mit Verbesserungen des Panzer IV und wegweisenden Neutentwicklungen. Während die Sowjets 1943 nur einen mittleren und einen schweren Panzer in Großserienproduktion hatten, wurden in Deutschland der Panzer 3, 4, 5 und 6 sowie Derivate davon und den schweren Jagdpanzer Elefant. Diese Verfehlungen kann man (wie die Entwicklung der Wunderwaffen) nur als Glücksfall bezeichnen, da die dadurch hervorgerufene Schwächung der Wehrmacht den Krieg verkürzte und Menschenleben rettete.

Damit meine Eigenkreation nicht einfach so im Raum steht, habe ich mir folgendes Szenario ausgedacht: Die deutsche Militärführung kommt 1940 auf die Idee,  bei der Rüstungsindustrie einen Entwurf für einen fortschrittlichen Panzer zu bestellen, der sowohl allen gängigen Panzerabwehrwaffen widerstehen, ausreichend mobil und stark bewaffnet sein soll. Dem vorausgegangen ist ein geradezu genialer Einfall, den das deutsche Militär damals wohl erst zu spät hatte: Auch der Gegner entwickelt sich fort, und könnte ja selbst bessere Fahrzeuge (siehe T-34) entwickeln. Nach dem Auftreten des T-34 wird der Entwurf überarbeitet, er bekommt abgeschrägte Panzerung und kann bei der dadurch aufgetretenen Verzögerung noch einmal grundlegend überarbeitet werden. Ende 1942/Anfang 1943 sollte der Panzer dann einsatzbereit sein-ein halbes Jahr vor dem historischen Panther, denn die Entwicklung begann vorausschauend schon 1940. Die erste Version hat eine Masse von etwa 40-45t und ist mit der langen kwk 42 75mmL/70 (also der 70fachen Kaliberlänge) bestückt. Um den sowjetischen Entwicklungen voraus zu sein, wird ab Anfang 1944 eine Weiterentwicklungmit der kwk 43-Kanone mit 88mm Kaliber und L/70 Lauflängenverhältnis produziert und 45-50t Masse produziert. Dieses Szenario soll zeigen, dass ein solcher Panzer zeitlich durchaus realistisch ist. Morgen kommt dann die technische Vorstellung des Entwurfs.

6 thoughts on “Der ideale Panzer

  1. Das russische Panzer eher klein und beengt sind ist geblieben. Im kalten Krieg hat man Rückschlüsse über das Innenleben des T-72 gezogen indem man sowjetische Zeitungen verfolgte und da wollte jemand zur Armee, war aber eher klein und da bekam er von der Redaktion den Tipp es bei den Panzern zu versuchen, die nehmen nur kleine Rekruten, weil große nicht in den Panzer passen ohne sich anzustoßen.

  2. Ich hab von einer automatischen Ladevorrichtung für einen russischen Panzer gelesen, die nicht zuletzt deshalb problematisch war, weil ständig die Gefahr bestand, dass statt der Granate der Arm des Bedienenden ins Rohr geladen wurde.

    Sagt meiner Meinung nach auch was über die Beengtheit aus.

  3. Zur Panzerekonzeption morgen mehr Details, jetzt nur soviel: Ich habe meine Eigenkreation so ausgelegt, dass mein durchaus nicht kleiner (über 1,8m) Großvater hinein passen würde. Die Russen hatten nicht nur enge Panzer, sondern auch sehr unergonomische und unkomfortable mit vielen scharfen Kanten usw.. Wer sich über die Fehler der sowjetischen Waffen informieren will, dem sei 80er Jahre Buch „Die sowjetische Herausforderung“ empfohlen. Die russischen Panzer waren unter anderem auch deutlich unzuverlässiger als ihr Ruf, aber halt einfach zu reparieren.

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