Karl Marx hatte recht!

Ja, anders kann ich es nicht ausdrücken. Er meinte ja, das der Kapitalismus die Wurzel des Übels der Welt ist. Er hat sich vielleicht in seinen Ideen der klassenlosen Gesellschaft geirrt, aber sicher nicht darin, wie der Kapitalismus zur Verelendung der Menschen führt. Das zeigt sich heute in den USA, in denen er ja noch immer unreguliert ist und noch nicht irgendwie sozial abgefedert. Dort wird das ganze als „Amerikanischer Traum“ bezeichnet: Einige können auf kosten vieler anderer reich werden und jeder ist nur für sich selbst verantwortlich. Dazu gehört auch dass jeder selbst für Versicherungen gegen Krankheit oder Arbeitslosigkeit sorgen muss, man schnell eingestellt und entlassen werden wird, und wer keinen Job hat muss kriminell werden oder von der Wohlfahrt leben. (In den USA sitzen 1 % der Bevölkerung im Gefängnis, bei uns sind es 0,1 %).

Dieser Kapitalismus den Karl Marx beschrieb, bei dem Industrielle sich bereichern und die Arbeiterschaft ausbeuten (selbst in der beschriebenen Form gibt es den heute noch in Entwicklungsländern, wo viele der Produkte die wir konsumieren produziert werden) ist abgelöst worden von dem Spekulationskapitalismus der Weisshemdenträger. Es begann vor einigen Jahrzehnten mit den Optionsscheinen: Auch wenn das vornehm klingt ist es im Prinzip nur eine kaschierte Wette: Man erwirbt eine Option Aktien in der Zukunft zu kaufen zu einem bestimmten Preis. Man muss sie aber nicht kaufen. Ist der Preis tatsächlich so, so bekommt man die Aktien weitaus billiger als wie wenn man sie normal gekauft hätte und wenn nicht, dann ist das Geld futsch. Dann kamen Hedgefonds die Unternehmen in Finanznöten aufkauften und in Einzelteilen wieder versilberten – Interesse an langfristigem Gewinn gab es nicht. Und nun wetten die Spekulanten auf den Bankrott ganzer Staaten.

Anstatt nun Kredite zu geben oder diese riesigen Finanzierungsfonds aufzulegen sollte der Staat dieser Art von Geschäften einen Rigel vorschieben. Das sollte bei den Banken anfangen, die eine Selbstverpflichtung unterschreiben sollten bestimmte Arten von Geschäften nicht mehr durchzuführen, nämlich solche, bei denen man nicht mehr von Finanzierung, Investment oder ähnlichem sprechen kann, sondern einem mehr Worte wie, Wetten Zocken oder Zerschlagung von soliden Staaten oder Unternehmen einfallen. Wenn das eine Bank nicht will, dann sollte sie eben nicht die Möglichkeit bekommen in der EU ihren Geschäften nachgehen. Und die Zocker können dann ihren Geschäften da nachgehen wo sie hingehören: In den Wettbüros und bei den Buchmachern. Den Banken sollten die Börsen folgen.

Das dürfte auch für viele US Banken sicher ein Argument sein solchen Geschäften nicht mehr nachgehen, ist der EU Raum mit einem BIP von 16.500 Mrd. $ doch ein deutlich größerer Markt als die USA. Doch auch die USA dürften ein vitales Interesse haben, diesen Spekulationen einen Riegel vorzuschieben: Wer sagt denn, dass die Spekulanten nur auf EU Länder wetten? Die USA haben ein Haushaltsdefizit von 9,1 % des BIP, da fehlt nicht viel zu den PIGS in der EU Zone.

An dieser Stelle auch noch meinen herzlichen Dank an Helmut Kohl: Nachdem Deutschland wegen seiner Treuhandpolitik schon über 1 Billionen DM mehr ausgeben musste für den Wiederaufbau der DDR, als notwendig, nun die Stützungszahlungen für Griechenland und den Euro. Es mussten ja alle in die Eurozone, egal ob sie reif dafür waren oder nicht. Addiert man diese „Leistungen“ zu der unter seiner Regierung aufgetürmten Staatsverschuldung so darf er sich „rühmen“ Deutschland so richtig abgewirtschaftet zu haben.

5 thoughts on “Karl Marx hatte recht!

  1. Moin,

    ich seh das eher so, dass Deutschland, d.h. unsere Banken und Industrie, die grossen Gewinner der Griechenland Spekulation sind, und diese auch absichtlich herbeigefuehrt haben.

    Dass du den Bogen zur DDR gezogen hast ist schon richtig, weil die Taktik war die gleiche! Ein Staat mit einer niedrigeren Arbeitsproduktivitaet wird dadurch in die Pleite getrieben, dass eine Waehrungsunion angeboten wird.

    Auf die DM sind damals (fast) alle in der DDR reingefallen, und haben dabei vergessen, dass unser modernes Geld=Schulden sind. Fuer jeden Euro oder Dollar den ich habe, hat jemand anders Schulden. Auch die DDR hatte eine schuldengedeckte Waehrung. Und durch die Gleichsetzung DM=DDR Mark war auf einen Schlag die ganze DDR, jede Firma und jede Wohnungsbausiedlung Pleite, weil auf diesen ja die Schulden lagen.

    Mit Griechenland hat es etwas laenger gedauert.

    Der zweite Grund fuer die Griechenlandpleite war dann die Einfuehrung von Hartz IV. Hartz IV hatte zwei beabsichtigte Effekte. Der erste davon ist allgemein Diskutiert, und besteht im Lohndumping. Durch Hartz IV wird Arbeitslosigkeit schnell problematisch, und die staatlichen Sanktionen, die Androhung von Zwangsarbeit, sorgen dafuer dass fuer viele Arbeiter auch der schlechtere Job besser ist, als gar keiner. In den letzten Jahren ist der Lohn in Deutschland nicht gestiegen, d.h. inflationsbereinigt effektiv gesunken. Dies erhoehte unsere Arbeitsproduktivitaet und Stueckgutkosten. Deutschlands Exporte, grade in die EU Staaten die sich nicht durch eine Abwertung ihrer Waehrung gegen das Deutsche Lohndumping waehren koennen, expandierten.

    Nun steht jeder Leistungsbilanz die Zahlungsbilanz gegenueber. D.h. unsere Exporte haben Griechenland in die Pleite getrieben. Einige Deutsche Industrielle und Banker sind dabei Reich geworden, und werden sich wohl bald ne neue Villa in Griechenland, wo es grad so schoen billig dort ist, leisten.

    Die Zeche zahlt der Arbeiter und der Arbeitslose.

    Der zweite beabsichtigte Hartz IV Effekt, der fast nie angesprochen wird, war, dass das alte Arbeitslosengeld prozentual abhaenig war vom Lohn, waerend Hartz IV als Zusammenlegung von Sozialhilfe und Arbeitslosengeld eine Hilfe zum Lebensunterhalt und Wohnung beinhaltet. Dadurch sind auf einen Schlag die letzten Loecher, in denen sich sonst nur Ratten verkriechen wuerden 300 bis 400 Euro Wert geworden. Durch die durch Hartz IV ausgeloeste Umzugswelle, ist natuerlich auch die Miete von besseren Wohnungen gestiegen. In der Falle sitzt dann der junge Arbeiter mit Frau und Kinden, der keine Lohnerhoehung bekommt, sondern zu weniger Lohn jetzt beim Verleiher arbeitet, und dessen neue groessere Wohnung, die fuers Kind noetig ist, nicht bezahlbar ist.

    Durch diese Hartz IV Aufwertung sind Deutsche Immobilien ein lohnendes mittelfristiges Anlageobject geworden, dass auch haeufig guenstig dank Privatpleiten zu erwerben ist. Den Reibach machen wieder Spekulanten und Banken, Deutsche natuerlich!

    ciao,Michael

  2. Die Griechenlandprobleme sind eine herrliche Möglichkeit zur Subvention der Banken. Während die Banken sich für 0,5% bei der EZB bedienen, wird den Griechen dann das Geld zu 12% oder mehr verliehen (ohne Risiko, da ja von der EU gestützt). Verlierer sind die Griechen bei denen jetzt die EU (speziell auch Deutschland) über die demokratisch gewählte Regierung hinweg Bedingungen zum Sozialabbau diktiert.

    Um der Spekulation ein Ende zu bereiten könnte die Möglichkeit geschaffen werde, dass sich nicht nur Banken, sondern auch Staaten zu festgesetzten Konditionen über die EZB finanzieren können. Damit entfiele die zur Zeit erdrückende Zinslast für die Staaten, und auch das Gewicht von undurchschaubaren undemokratischen Rating Agenturen.

  3. Ja die Bankgeschäfte. Das Problem wird man dadurch nicht lösen können, die Banken sollten nicht nur eine Selbstverplichtung unterschreiben, es gehört gesetzlich verankert. Wenn die Banken so Systemwichtig sind, dann sollte sich das System vor einen Kollapps auch absichern. Damit die Banken das verstehen muss man es nur in Ihrer Sprache gießen. Man nennt Sicherungen von Risiken Hedging. Dann maulen diese Banken auch nicht herum. Die Börse ist keine wirkliche Alternative. Dort wird in den letzten Jahren auch nur noch verstärkt gekauft und verkauft damit Fonds und Hedgefonds die versprochenen Renditen einhalten. Wenn man sich dann die Bilanzen der Daxunternehmen so anschaut, ich frage mich wie es manche Unternehmen mit den überleben schaffen. Eigenkapitalquoten im 2 stelligen Bereich sind schwer anzutreffen. Wenn hier mal etwas einbricht, dann haben viele Unternehmen große Probleme. Aber auch hier liegt es an der Renditementalität und an den zu kurzen und finanziellen Blick von Managern.

    Die ganze Arbeitsmarktreform (Agenda 2010) ist eine einzige Subvention von Unternehmen. Der Euro hat Deutschland in die einen Lohnwettbewerb gebracht. Den Lohnkosten sind im Süden von Europa billiger als im nördlichen Teil, den Unternehmen muss man helfen. In Bildung zu investieren, oder Kernkompetenzen auszubauen und zu fördern ist eben wieder zu einfach. Es wurden ALG2 (Aufstocker), Sklavenhandel und Werkvertrag erfunden. Letzteres erfreut sich immer mehr Beliebtheit, den der Sklavenhandel wurde schon zu überreguliert. Ich habe mich 2011 einmal mit einer Fallmanagerin unterhalten, am Schluss war die vor lauter Verzweiflung am weinen. Sie bekommt Druck von oben alles erdenkliche zu tun um Statistiken zu schönen und hat dann noch mit „Kunden“ zu tun die nicht verstehen das der Gegenüber nur eine Arbeit macht und keine Wahl hat.

  4. Die ganze Arbeitsmarktreform (Agenda 2010) ist keine Subvention von Unternehmen. Das ist einfach nur Raubbau. Für kurzfristige Gewinne sägt man an dem Ast, auf dem man sitzt.
    Gebracht hat das vor allem eine drastische Verringerung der Kaufkraft und damit eine Schwächung des Binnenmarktes. Ein starker Binnenmarkt könnte einigen Schaden auffangen, wenn der Export wegbricht. Aber so etwas haben wir ja nicht nötig. Selbst Sozialausgaben sind letzten Endes eine indirekte Subventionierung der Wirtschaft. Schließlich verzocken Arbeitslose ihr Geld nicht an der Börse, sie bringen es in die Läden.
    Immer wieder wird über die hohen Lohnkosten gejammert. Gleichzeitig aber auch über das Fehlen von Fachkräften. Dann müßten ausländische Fachkräfte Schlange stehen. Tun sie aber nicht, weil sie wo anders besser bezahlt werden.
    Jeder Bauer weiß, wenn er eine Kuh melken will muß er sie füttern, nicht schlachten. Nur die Leute in den Chefetagen scheinen das nicht zu verstehen.

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