Wie modern kann der Islam sein?

Diese Frage habe ich mir heute gestellt. Ich habe mich ja schon mal damit beschäftigt, warum bei uns Moscheen so aussehen müssen wie in Saudi Arabien, dass jeder sie als kultureller Fremdkörper empfindet und dann werden die Gläubigen mit Muezzinrufen vom Band zum Gebet gerufen – auf arabisch, obwohl selbst die Türken kein arabisch sprechen.

Vor einiger Zeit bekam ich dann eine Anfrage welche Zusatzstoffe wohl aus Schweinefleisch hergestellt werden. Ich habe das beantwortet soweit das aus chemischer Sicht geht. Über religiöse Dinge kann ich naturgemäß nichts sagen. Ich bekam nun von der Dame einen Link auf diese Seite. Ich habe mir das dann mal angesehen, wobei ich mich auf die E-Nummern beschränkt habe. Demnach sind zahlreiche Zusatzstoffe für strenggläubige Muslime verboten, weil bei der Herstellung Ethanol eingesetzt wird.

Nun betrachte ich das unter chemischen Aspekten. Ethanol ist ein technischer Hilfsstoff. D.h. er ist nicht im Endprodukt enthalten wird, jedoch bei der Herstellung benötigt und später entfernt. Zudem werden Zusatzstoffe ja nicht in größerer Menge eingesetzt. Wie ich bei Fruchtsäften sehe, reicht aber schon der Einsatz als technischer Hilfsstoff um das Produkt untauglich zu machen. Dort ist es Gelatine, welche zur Entfernung von Trübungsstoffen eingesetzt wird. Allerdings ist die Webseite schlecht informiert: Fruchtsäfte enthalten Alkohol! Gesetzlich erlaubt sind bis zu 0,5%, da Alkohol schon bei der Herstellung natürlich vorhanden ist (angegorene Früchte sind nicht im maschinellen Prozess entfernbar). Mengenmäßig ist dies viel mehr als der Alkohol der in Zusatzstoffen noch als Restmenge enthalten ist. Da Alkohol prinzipiell verboten ist, scheiden für Muslime auch alle Limonaden aus, denn die Aromen werden üblicherweise in Alkohol gelöst.

Besonders befremdlich fand ich die Links auf der Seite zu Tierschutzorganisationen: Schließlich ist das „Schächten“, die einzige erlaubte Schlachtweise bei Muslimen und Juden, nach deutschem Recht Tierquälerei und die Religionen haben dafür eigens eine Sondergenehmigung bekommen, sonst würde es wohl dies nicht in Deutschland geben.

Die christlichen Kirchen interpretieren die Bibel. Sie versuchen den Inhalt an die Zeit anzupassen oder zu verstehen was der eigentliche Sinn hinter einem Gleichnis ist. Sie versuchen aber nicht den Inhalt 1:1 zu übernehmen. Wäre dem so, so müsste man keine Steuern mehr zahlen („Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist“ – wir haben aber keinen Kaiser mehr). Schon Luther verwandte in seiner Bibelübersetzung Begriffe aus dem täglichen Leben der damaligen Leute.

Gerade der Bereich Ernährung zeigt was passiert wenn man Vorschriften 1:1 auf die heutige Zeit überträgt. Der gute Mohamed lebte im siebten Jahrhundert. Was hat man damals wohl gegessen: Brot, Fleisch, Gemüse? Konnte der Mensch vorhersehen, dass es mal Fertiggerichte geben würde? Das Lebensmittel industriell gefertigt werden und Zusatzstoffe erfordern. konnte er sich Zusatzstoffe überhaupt vorstellen? Ich meine nein. Meiner Meinung nach geht es den Sinn der Vorschriften zu ergründen Der dürfte beim Verbot des Alkohols sein, dass man sich nicht berauscht. Da es im siebten Jahrhundert keinen Alkoholtester gab und Alkohol nur in Form von alkoholischen Getränken hat er ihn einfach ganz verboten. Das zweite ist die Sache mit dem Schweinefleisch. Wir finden das ja auch bei den Juden. Es gibt zwei Erklärungstheorien. Die bekanntere ist die das Schweine Trichinen enthalten, die auch für Menschen gefährlich sind. Bevor es Mikroskope gab, war dies auch bei uns ein Problem, wenn das Schweinefleisch nicht ausreichend erhitzt wurde. Heute ist die Trichinenbeschau Vorschrift und die Gefahr gebannt. Aber dagegen hätte auch das Gebot gereicht, Schweinefleisch durchzuerhitzen. Ich tendiere aber zu der zweiten Erklärung. Sie basiert auf der Tatsache das Schweine Allesfresser wie der Mensch sind.

Das ist kein Problem im damaligen Mitteleuropa: Es gab viele Wälder, brache Felder weil es die Mehrfelderwirtschaft gab. Schweine wurden nicht gefüttert, sie wurden auf die Felder und in den Wald getrieben. Im Orient waren schon damals mehrere Ernten pro Jahr möglich. Brachen gab es kaum und Wälder hatte man für den Schiffsbau und für die Holzgewinnung abgeholzt. Hier mussten Schweine gefüttert werden und konsumierten Nahrung welche auch der Mensch essen konnte. Daher wohl das Verbot von Schweinefleisch. Kühe, Schafe und Ziegen sind dagegen Wiederkäuer und fressen Grass – sind also keine Nahrungskonkurrenten.

Die christliche Religion würde diese Grundsätze herausarbeiten und als Regeln erarbeiten, also Maßhalten beim Alkohol aber nicht totales Verbot. Wenn eine Religion aber nun über Jahrhunderte, egal wie sich Gesellschaften verändern, Gebote unverändert übernimmt und zwar nicht welche über moralisches Verhalten, dass sich über Gesellschaften und Jahrhunderte kaum ändert, sondern über konkrete Vorschriften für den Alltag, dann meine ich hat sie ein Problem. Aufgrund der mangelnden Zukunftsvisionen wird’s dann hart. Was schreibt den Mohammed über Atombomben, Rohölverkauf an ungläubige, EU Beitritt und Bankenkrise?

2 thoughts on “Wie modern kann der Islam sein?

  1. Wie bei religiösen Fanatikern üblich, werden im Übereifer oftmals Gebote bis zur totalen Unsinnigkeit übertrieben.
    Mohamed hat den Wein verboten, aber nicht das zu seiner Zeit schon seit Jahrtausenden bekannte Bier. Wie kommt man dann mit diesen Fakten zu einem totalen Alkoholverbot?
    Solche Übertreibungen beschränken sich aber bei weiten nicht nur auf den Islam, in anderen Religionen sieht es nicht besser aus.
    Die Juden leiten aus dem Text „Koche ncht ein Böcklein in der Milch seiner Mutter“ ein totales Verbot für die Kombination von Fleisch mit Milch oder Milchprodukten ab. Aber schon die Kombination von Hammelfleisch mit Kuhmilch oder Rindfleisch mit Schafskäse würde diese Vorschrift mit Sicherheit einhalten. Noch unsinniger ist dieses Verbot bei Fleisch von Vögeln oder anderen Nichtsäugetieren.
    Und wie verträgt sich das Gebot „Du sollst nicht töten“ mit den Antikondomrummel der katholischen Kirche? Die dadurch beschleunigte Verbreitung von AIDS hat inzwischen längst mehr Todesopfer gefordert als sämtliche Terroristen zusammen geschafft haben. Wenn es danach geht, müßte die Bundeswehr im Vatikan stehen statt in Afghanistan.

  2. Wenn man über Übertreibungen berichtet, dann sollte man bedenken, dass viele Regeln auch als eine Art Identität angesehen werden. Man sei erinnert an den Umgang mit Kommunisten/Kapitalisten in entsprechend geteilten Ländern (Deutschland, Korea, Vietnam) bei dem wir, die Guten mit unserem System natürlich immer besser sind als die da mit Ihrem System. Alle Abweichungen werden als Verrat geahndet. Null Toleranz. Erst wenn man auf sicherem Boden steht, und sich deshalb sicher fühlt, dann kann man auch andere Meinungen oder Glaubensrichtungen tolerieren. Oder schaun wir uns Fanclubs an, bei denen der einzige Unterschied die Unterstützung einer Person, oder eines Vereins ist, die aber genaue Regeln bzgl. Kleidung haben.

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