eBooks – zum Zweiten

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Da nun mein Dienstleister für Printprodukte BOD auch ebooks anbietet, habe ich mich nochmal mit dem Thema beschäftigt. Das eine hat eine technische Seite, es hat aber auch eine andere Seite, die der Autoren. Und ich spreche jetzt mal als Autor. Ich schreibe mein Buch mit Openoffice. Das ist ein Weg, andere mögen TEX nutzen, oder ein DTP Programm. Zum Dienstleister gelangen alle Entwürfe über einen Druckertreiber von BOD, der soweit ich das sehe daraus Postscript erzeugt, alternativ kann man auch PDF einsenden.

Das sind Formate für den Druck, sie haben sich etabliert und sie sind Standard. Nur sind sie nur bedingt geeignet für ebooks. Es ist relativ schwierig Markierungen in PDF’s zu machen. Es ist für den Druck vorgesehen mit hochauflösender Schrift und Abbildungen, es ist formatgetreu.

Es ist sicher kein Problem für Webpads wie das ipad pdf’s darzustellen, vor allem die darin enthaltenen Bilder. Bei den Readern auf Basis von eink, die nur wenige Graustufen durch Dithern darstellen können scheitert das Ausgeben von Bildern. Auf der anderen Seite sind andere Teile des Buchs nicht für den Reader notwendig, zumindest bei Standardbüchern – die Kopf und Fußzeilen die nur Seitennummern oder Kapitelbezeichnungen enthalten. Es sollte im Reader möglich sein, direkt Seiten anzuspringen und einfacher zu navigieren. Die Beschränkung auf den Buchblock ergibt sich auch aus den kleinen Displays und der begrenzten Auflösung der Geräte.

Auf der anderen Seite bezweifele ich das jemand auf einem ipad oder einem ähnlichen Gerät längere Zeit wirklich Bücher lesen wird. Zeitschriftenartikel vielleicht, doch für das Lesen ist das Display zu kontrastschwach, die Akkuladung zu kurz. Das Gerät schreit nach mehr – Einbettung von Bilderstrecken, Videos.

Das bedeutet wir haben zwei Geräteklassen: Die eine ahmt ein Buch nach, ohne aber die Auflösung dessen zu besitzen (meine PostScripts die zu BOD gehen haben eine Auflösung von 2.400 dpi, sie sind vier mal größer als das PDF mit 300 dpi das ich als Backup produziere) mit den Fähigkeiten die ein Buch hat – kontrastreiche Seiten, nur S/W, Surfen etc. kaum möglich oder macht keinen Spaß, dafür lange Akkulaufzeit wie bei einem Buch (Akkuladung: unendlich)

Das ipad ist dagegen ein Gerät mehr zum Surfen, es wird genutzt wie ein Computer. Die Möglichkeiten in der Darstellung gehen weiter, aber es ist nicht geeignet für längeres Lesen. So wundert es mich, das BOD, also mein Dienstleister nun ebooks über den Applestore anbietet – also für das iPad. Die Vorlagen trudeln schließlich bei BOD als PDF oder Postscript ein, und diese sind auf dem iPad darstellbar – was fehlt ist eigentlich nur Displayoberfläche - 1024 x 768 ist nicht gerade eine hohe Auflösung verglichen zum Buch.

Ich denke es wird in Zukunft eine Trennung erfolgen. Es wird sich ein Standard für für die reinen ebook Reader mit eInk etablieren. Das kann ein Druckertreiber sein wie es ihn für PDF gibt, nur eben abgestimmt auf die Möglichkeiten des Formats. Sinnvoll sollte auch ein Buch auf dieses Medium eingestellt sein, also z.b. das Seitenformat von 4:3 (normal ist sonst eher 3:2) und das Weglassen von Rändern, die nur Platz wegenehmen. Ein Format könnte z.B. Bilder in unterschiedlichen Auflösungsstufen einbetten und als S/W, gedithert oder in Farbe, falls irgendwann mal höhere Auflösungen oder Farbe möglich sind. Es könnte den Text umbrechen für die derzeitige 6″ Generation und zusätzlich für größere Geräte (mein Optimum wäre so Din A5, dass sind 10″). Es sollte aber beim Rechner ansetzen und nicht nachträglich PDF in das ebook Format übersetzt werden.

Völlig anders wird es bei den Webpads laufen. Ich denke hier wird man kein klassisches Buch publizieren, sondern die Vorgehensweise wird eher dem Design einer Webseite ähneln. Tools und Content Managementsysteme dürften das Verlegen und Einbinden von Multimediainhalten erlauben.

Für mich ist zumindest eines klar: Es kommt wahrscheinlich nur für bestimmte Bücher in Frage. Bei den ebook Geräten kommen die Abbildungen aber auch Tabellen wegen der fehlenden Graustufen und vergleichsweise groben Auflösung (die meisten Geräte beherrschen nur 800 x 600) schlecht rüber.

Ich habe das mal versucht zu simulieren. Das ist ein Screenshot des PDFS, angezeigt mit ca 768 x 1024 Pixels – das ist das Format des ipad. Das hier ist dieselbe Seite, nun nur noch mit 600 x 800, und in S/W gedithert – so würde sie beim ebook Reader aussehen (okay, der Text würde sauber rauskommen, aber die Abbildung…)

Das zweite was mich davon abhält sind die Zusatzkosten. Eigentlich sollten ja ebooks billiger zu produzieren sein als normale Bücher. Aber BOD verlangt jetzt noch 99 Euro dafür – als Printauflage kostet es nur 39.90 Euro und man muss die Printauflage dazu nehmen. Demgegenüber steht eine Marge von 25% am Verkaufspreis, der allerdings geringer ist als bei gedruckten Büchern. Wenn ich mal von 2/3 ausgehe und einem typischen Buch von mir dann kann ich z.b. für mein „Was ist Drin“ Buch errechnen, dass ich etwa 30% weniger pro Buch erlöse und durch die höheren Kosten für die Publikation müsste ich mindestens 42 Bücher absetzen um die Publikationskosten rein zu bekommen – bei der Printauflage sind es nur 12. Das klingt nach wenig, aber ich schätze den Bedarf gering ein, zumal man sie ja derzeit nur mit dem ipad lesen und kaufen kann.

Beim nächsten Ernährungsbuch überlege ich mir das nochmal, da erwarte ich am ehesten eine höhere Nachfrage und da sind auch weniger Abbildungen drin. Vielleicht ist es bis dahin auch billiger und mehr Shops angeschlossen.

2 thoughts on “eBooks – zum Zweiten

  1. Ich kann natürlich nur für mich sprechen, aber ich habe jetzt ein 700-Seiten Buch auf dem iPad fast komplett durchgelesen, ohne die Auflösung und Kontrast irgendwie als unangenehm empfunden zu haben. Auch der Akku war kein Problem, der hält 10 Stunden durch und wird immer über Nacht aufgeladen.
    Im Vergleich zu Deiner Simulation wirkt der Text auf dem iPad ein wenig schärfer (ich habe mit dem PDF des ATV-Buches verglichen).
    Was ein Vorteil sein kann (aber auch da kann ich nur für mich sprechen) ist die niedrigere Hemmschwelle zum Kauf. Einmal „Kaufen“ antippen, Passwort eingeben und schon kann man das Buch lesen – das mache ich eher als eine Amazon-Bestellung.

  2. Na, ganz so katastrophal sieht es natürlich nicht aus. Die wesentlichen eBook-Reader (Kindle, Sony Reader…) unterstützen ja schon länger 16 Farben. Da sieht das Bild schon wieder etwas anders aus. Selbst der Ur-Kindle hat immerhin schon 4 Farben 😉 . Aber ein wirklicher genuss ist es natürlich nicht. Nichts für Bildbände ;). Da heißt es genau zu prüfen.
    Wenn BOD wirklich die gleiche PDF für Druck und eBook nimmt ist das wohl wirklich suboptimal.
    Preislich scheint es wirklich unattraktiv. Beim Verlegen von „klassischen“ Büchern macht Druck und Lagerung nur einen Bruchteil der Kosten aus. Aber gerade bei BOD scheint mir der Anteil umso größer und damit ergibt sich eigentlich auch größeres Einsparpotential. Wie sich das real entwicklet wird sich zeigen.

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