Wikileaks und das DLR

Nun hat die so called Enthüllungsplattform Wikileaks wieder Schlagzeilen gemacht – Deutschland plant einen Spionagesatelliten!!!

Gähn – das sollen Enthüllungen sein. Öffentlich einsehbare Dokumente?

Aber zumindest eine Schlagzeile für einige Space Portale, denen der Begriff Dual-Use wohl nicht so geläufig ist. Also es gibt militärische Satelliten über die weis man fast nichts, z.B. die amerikanischen Keyhole11/12 Serie oder auch die deutschen SARLupe Satelliten. Sie sind auch geheim (bei der DLR ist z.B. der Kontrollraum oben an den Fenstern abgehängt, dass kein Besucher mal reinschauen kann was dort gerade kontrolliert wird).

Dann gibt es rein zivile Satelliten wie das Landsat System. In der letzten Zeit findet man immer mehr Dual Use Satelliten – zivile Satelliten die auch militärisch genutzt werden können. In Europa gibt es davon einige wie das Plejadensystem, Cosmo/Skymed, aber auch schon SPOT wurde so genutzt und die Bundeswehr war früher ein guter Kunde von SPOTImage. Genauso kauft heute die US-Regierung alle Bilder von Worldview und veröffentlicht sie dann eventuell neu (reduziert auf 0,55 m Auflösung) sofern sie nicht dinge abbilden die nationale Sicherheitsinteressen berühren. Vor den Invasionen in den Irak und Afghanistan wurden z.B. alle Bilder dieser Regionen aufgekauft.

Nun ist das Projekt von HIROS seit 2009 bekannt. Also eine Enthüllung sieht bei mir anders aus, darunter verstehe ich die Veröffentlichung von geheimen Informationen. Etwas was jeder im Internet abrufen kann ist meiner Ansicht nach nicht geheim. Wie bei den Einschätzungen der US-Diplomaten über ausländische Politiker (die nur bestätigten, was jeder schon wusste) geht es also nicht um die Tatsachen sondern Schlagzeilen.

Eine andere Frage ist ob Deutschland einen solchen Satelliten benötigt. Deutschland betreibt zwei Radar-Satelliten, die in einem Modus 1 m Auflösung erreichen, aber primär nicht dazu dienen aufzuklären sondern durch ihre 3D Fähigkeit wertvoll sind: Sie können Erdverschiebungen quantifizieren, so vor Vulkanausbrüchen oder nach Erdbeben. Es ist möglich viel besser als mit optischen Satelliten Überschwemmungen zu bestimmen und den Verlust von Eis bei Gletschern oder Eisbergen.

Deutschland ist zudem beteiligt am Projekt Rapideye, 5 Satelliten, die 5 m Auflösung liefern.

Braucht Deutschland nun einen Satelliten mit 0,5 m Auflösung? Meiner Ansicht nach nicht. Das Projekt ist sicher auch ein Dual-Use Satellit. Aus den Projektunterlagen geht auch hervor, dass man an militärische Anwendungen denkt dazu gehört sicher auch die 3 Satellitenkonstellation mit einer Revisitzeit von 24 h. Deutschland wird bald ENMAP starten – nur mit einer Auflösung von 30 m, aber 228 Spektralkanälen. Man hat nun also einen Radarsatelliten mit 1m Auflösung, fünf zivile mit 5 m Auflösung und einen Multispektralsatellit mit 30 m Auflösung.

Die Sache bei den steigenden Auflösungen ist, dass die Fläche kleiner wird und man recht wenige Anwendungen im zivilen Bereich außerhalb des eigenen Landes findet. Andere industrialisierte Länder mit einem Bedarf an hochauflösenden Bildern haben ja auch eigene Systeme wie wie USA, Frankreich und Italien. Es mag noch einen Bedarf in Deutschland und der EU geben um den Status Quo besser abzubilden oder noch besser Agrarsubventionen zu überwachen (wenn die EU für Brachlegung zahlt schaut sie sich das auch per Luftbild an). Aber ob man zur Überwachung von Umweltverschmutzung, geologischen Veränderungen oder Brandrodung eine so hohe Auflösung braucht? Die Länder können gar nicht jede einzelnen Quadratmeter beschützen und die Fläche die überwacht werden kann sinkt. Für diese Zwecke (also außereuropäische Anwendungen) braucht man Satelliten die große Flächen überwachen können.

Dagegen dürfte das Militär an der Überwachung kleiner Regionen in Afghanistan mit hoher Auflösung interessiert sein (in Deutschland kann man Aufnahmen dieser Güte auch billiger mit Luftaufnahmen gewinnen, eventuell geht das mit Drohnen auch in Afghanistan). 0,5 m Auflösung würde ich größtenteils militärisch nutzbar sehen und vielleicht kommt der Satellit auch – dann eben finanziert von der Bundeswehr wie ComsatBW oder SarLupe. Aber eines ist er nicht: eine Riesenenthüllung.

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