Einige nennen es Bashen, ich nenn es Aufklärung

Ich kannte bis vor ein paar Monaten den Ausdruck „Bash“ nur als Namen einer populären Unix Shell, deren zig verschiedene Möglichkeiten ich während des Studiums kennen lernte. Dann las ich das „SpaceX Bashing“ betreibe. Also, wenn man die Verlautbarungen dieser Firma kritisch auf Wahrheitsgehalt untersucht oder basierend auf den letzten 50 Jahren Weltraumfahrt feststellt, dass es keinen Markt für 20 Flüge zu je 50 t Nutzlast pro Jahr gibt, dann betreibt man Bashing.

Ich sehe das so: Es gibt diese Firma, die im Abstand von mehreren Wochen immer unglaublichere Dinge ankündigt. Derzeit ist glaube ich der Stand der Dinge, dass sie in 10 bis 15 Jahren auf dem Mars landen wollen. Ich denke bis Jahresende wird noch was unglaublicheres kommen. Das wird auf den entsprechenden Portalen wiederholt und manchmal auch von Nachrichtenagenturen. Ja das von KlausD vertretene Portal ist da keine Ausnahme – es gibt also nirgendwo einer kritische Auseinandersetzung. Im Gegenteil , vergleiche ich die letzte Meldung von SpaceX mit der von raumfahrer.net so stehen dort sogar Dinge dein, die man bei SpaceX nicht findet, wie das die NASA bestimmte Dinge nicht wiedersprechen würde (als ob die NASA sich jemals überhaupt zu irgendwelchen Ankündigungen von SpaceX geäußert hätte). Das ist eine sehr komische Vorstellung von Berichterstattung. Sicher sie ist hier nicht neutral, aber ich bin ja auch kein Portal, das bei anderen Meldungen diese einfach 1:1 von englisch in Deutsch übersetzt, sondern eine private Website.

Wenn nun jemand die angaben von SpaceX kritisch hinterfragt, nennt man dies Bashing und sofort fühlen sich die SpaceX Fans, die diese Firma fast als Ersatzreligion ansehen aufgerufen Kommentare zu hinterlassen. Kann ich bei SpaceX Kommentare hinterlassen? Wird dort eine andere Stimme geduldet und diskutiert?

Tatsache ist: Die Firma hat viele Pläne. Was kann sie an Taten vorweisen? Machen wir einen Vergleich:

Punkt Soll Ist
Angekündigte Raketenmodelle vs. gebaute Raketenmodelle Falcon 1
Falcon 1e
Falcon 5
Falcon 9
Falcon 9 Heavy
Falcon Heavy
Falcon 1
Falcon 9
Angekündigte Starts am 2.8.2009 für 2009/10 vs. durchgeführte Starts (laut Internet Wayback Machine) 12 2
Angekündigte Produktionsrate Falcon 9 vs. gestartete Raketen/Jahr 20 2
Angekündigter Jungfernflug COTS 1 vs. tatsächlichem Start September 2008 Dezember 2010

Das ganze erinnert mich irgendwie an Softwaretitel, die ewig lang angekündigt wurden und wundertoll sein sollten und dann nie oder verspätet erschienen und keinen vom Hocker rissen. Dafür prägte die Zeitschrift Infoworld den Begriff „Vaporware“. Windows 1.0 erhielt dank 27-monatiger Verspätung und Unbedienbarkeit den ersten Titel und auch SpaceX hat schon mindestens zwei „Vaporrockets“ produziert, deren Entwicklung angekündigt und wieder eingestellt wurde.

Das letzte ist die Falcon 9 Heavy, die nun einer Falcon Heavy weichen muss. Ob die Falcon 1e jemals startet? Schon jetzt ist der Jungfernflug verschoben worden. Ich will gar nicht mal auf die verrückten Pläne für Marslandungen oder Dragons die auf dem Mars landen, eingehen. Nur mal auf das Launchmanifest. Eine Rakete hat eine gewisse Produktionszeit. Üblich sind 2-3 Jahre, vielleicht geht es bei SpaceX schneller und es sind nur 12 Monate. Sie sollten dann bei einer laufenden Produktion also wissen, welche Starts sie in den nächsten 12 Monaten durchführen können, einfach aufgrund der Raketen die gerade produziert werden. Die meisten Firmen kündigen nur den nächsten Start an, weil sich ein Terminplan leicht verschieben kann – siehe letzter Ariane 5 Start. Derzeit (heute) weist das SpaceX Launch Manifest 5 Starts für 2011 aus – viel, wenn man bedenkt, dass das Jahr schon zu einem Drittel vorbei ist und es keinen Start gab. Nur: gerade ging durch die Gazetten das Russland noch Dokumente von SpaceX erwartet um ihr Okay für die Ankopplung an die ISS zu geben – das soll im Dezember erfolgen. Die Ankopplung ist aber Ziel des COTS-3 Fluges. Wenn diese nach jetziger Planung erst im Dezember erfolgt, wie soll dann noch 2011 ein Resupply Flug zur ISS erfolgen?

also meiner Meinung nach ist das Launchmanifest für 2011 Makulatur, da unrealistisch und SpaceX sollte es wissen, schließlich produzieren sie die Raketen. Warum also wird das dann veröffentlicht? Dann kommt dann meistens der Einwand, „Ja vielleicht übertreiben sie bei den Startraten und Launchmanifest und ich glaube auch nicht, das nur wegen SpaceX nun plötzlich eine Marsexpediton zustande kommt, aber sie haben diese Vision. Ohne sie wird die Raumfahrt unfinanzierbar oder ganz den Bach runtergehen.“.

Nur hat das nichts mit den aktuellen Dingen zu tun. Die Firma verspricht den Himmel auf Erden, kündigte Entwicklungen großartig an, Produktionsraten die ausreichen würden alle Nutzlasten die weltweit gestartet werden alle zu transportieren und kann gerade mal zwei Starts pro Jahr vorweisen. Es gibt anders als beim unmittelbaren COTS Konkurrenten OSC aber kaum technische Daten über Raumschiff oder Rakete. Nur lauwarme Luft. SpaceX hat das wohl selbst erkannt, denn ich habe noch nie gehört dass eine Firma eine Meldung wie diese veröffentlicht. Die Nachricht ist: Glaubt uns wir können es wirklich. Hätten sie das nötig wenn sie durch Taten überzeugen könnten? Oder steht die Firma vor dem Bankrott oder Kunden springen ab? Anders kann ich mir einen so verzweifeltes Statement nicht erklären. Arianespace startet einfach eine Rakete, und dann die nächste und am ende heißt es dann schlicht „Das war der 42.ste erfolgreiche Start einer Ariane 5 in Folge, der nächste ist am 19.Mai“. Lasst Taten sprechen, nicht Worte.

Ich brauche keine Propaganda, wie wir sie in der Raumfahrt ja in den letzten Jahrzehnten von Russland kannten, wo alles ein Erfolg war. Und wenn es mal kein Erfolg, dann hat man einfach das Kriterium geändert. So wie SpaceX, wenn die Bahn nicht den Vorgaben entsprach, dann einfach mal die Abweichungen vom Erdmittelpunkt aus bezieht, und nicht auf die Erdoberfläche. Und wenn das nicht einmal vorkommt sondern immer öfter, dann bezeichne ich das als Schaumschlägerei, Betrug, Täuschung. Und ich werde das auch in Zukunft tun. Zumindest solange bis die Firma eine Informationspolitik betreibt, die diesen Namen verdient.

Aber sehen wir es positiv: keine andere Firma bietet soviel Unterhaltung. Da sind die dauernden Änderungen der Produktpalette und nichts passt zusammen – Webseite und Users guide, Ankündigungen und Launchmanifest. da gibt es einen CEO und „Chief Rocket Engineer“, der nicht mal die Grundlagen der Raumfahrt beherrscht wie z.B. wie viele Antriebe die Sojus hat (Musk: 20) und dann gibt es noch die P&R Repräsentantin und Vizepräsidentin Gwynne Shotwell, die für sich steht. Aus der letzten COTS Pressekonferenz:

Then Associated Press correspondent Marcia Dunn asked, “Is there a cost attached to the upcoming flight?” Ms. Shotwell responded with the a flippant and haughty:

“A cost?” “Sure!” “Are you asking am I going to share that?” Uhhh, yeah, we don’t really talk about cost at SpaceX.”

Klar, Kosten spielen bei SpaceX keine Rolle, das erklärt die Preise ganz zwanglos. Also morgen ist wieder SpaceX bashing Time – Zeit das Geschäftsmodell zu beleuchten!

21 thoughts on “Einige nennen es Bashen, ich nenn es Aufklärung

  1. Irgendwie ist das schon komisch: Nicht wenn sich Jemand total zum Kaspermacht ist das schlimm, sondern wenn so ein böser, böser Mensch das auch zu sagen wagt.

    Das Grramnel mit den Russen wegen der Ankopplungs-Erlaubnis an die ISS hat wohl eine einfache Ursache: Daß sich die NASA so zickig angestellt hat wegen den Touristen-Flügen. Und jetzt hat man eine Gelegenheit sich dafür zu revanchieren. Alles nur kindisches Machtgerangel, typisch Politiker.

  2. Nicht unbedingt. Die anderen Transporter wurden in Kooperation geplant und es gab umfangreiche Tests. Beim ATV z.B. zuerst welche von den Annäherungssensoren alleine und dann Simulationen am Boden, wobei ein Roboterarm gesteuert wurde und so die Bewegung des Raumschiffs simulierte mit einem Mockup von Swesda. Ähnliche Tests gab es beim HTV, wobei zur Erprobung der Sensoren Japan sogar eigens ein Satellitenpaar startete.

    Demgegenüber gibt es von SpaceX (aber auch OSC) keinerlei Nachrichten über solche Erprobungen, was sicher auch ein Grund ist, warum die NASA zwei bzw. drei Erprobungsflüge beider Transporter haben will bevor sie Fracht transportieren dürfen (ATV und HTV transportierten beide bei den Jungfenflügen Fracht) und erst der zweite oder dritte Flug darf zur ISS führen. Ich denke dass wenn Russland auf Tests und die Dokumente wie diese ausgefallen sind besteht, dann hat das schon seine Berechtigung.

  3. Im Gegensatz zu den Marketingäußerungen von Space X lässt der Blogautor Fakten sprechen. Natürlich muss Space X die Werbetrommel rühren um an Kapital zu gelangen, aber es wird auch die Zeit kommen, wo Investoren fragen wo denn das ganze schöne Geld geblieben ist und wie es mit der Dividende aussieht. Ich halte es schlicht für unseriös, eine bemannte Marslandung für die nächsten 10 oder 20 Jahre zu prognostizieren. 5 Jahre sind für ein privatwirtschaftliches Unternehmen schon ein riskanter Planungshorizont, in dem viele Unwägbarkeiten eintreten können.
    Wenn ein Investor ca. 400 Mrd. USD für ein Marsprojekt zur Verfügung stellte, wär das eine andere Situation. Auftraggeber für solche Dimensionen kann aber nur ein Staat oder ein Staatenverbund sein. Und darauf spekulieren die wohl, auf nichts anderes.
    Ich glaube jede raumfahrende Nation könnte bei einem 400 Mrd. Budget zum Mars fliegen. Ob die Mannschaft auch lebend zurückkäme steht auf einem ganz anderen Blatt und darf nach dem derzeitigen Stand von Technik und Medizin bezweifelt werden.
    Mit einer Anzahlung auf die 400 Mrd. USD könnte Space X aber prima nicht gehaltene Versprechen aus der Vergangenheit finanzieren und durchführen.
    Auf dem Mars gibt es nichts zu gewinnen außer Erkenntnis. Wirtschaftlich ist es völlig Sinn frei. Ich sehe das ähnlich wie die Projekte, die auf dem Mond Rohstoffabbau vorsehen.

  4. Ich habe nichts gegen eine kritische Betrachtung von SpaceX – das kann hilfreich und erfrischend sein. Trotzdem sollte dabei die Wahrheit nicht auf der Strecke bleiben. SpaceX (bzw., Elon Musk) hat nie behauptet, sie würden in 10 bis 15 Jahren auf dem Mars landen. Er sagte sinngemäss: Wir werden in 10 bis 15 die Infrastruktur davon bereitstellen können. Die Frage sei, ob „man“ (sprich: der Steuerzahler) dann auch gehen wolle. Wenn aber die Falcon Heavy gebaut wird wie angekündigt (was zurzeit noch keinesfalls klar ist, u.a. wegen des fehlenden Marktes, wie hier auch schon angesprochen wurde) – dann rückt ein bemannter Flug zum Mars – zumindest was die nutzbare Infrastruktur angeht – näher, nicht zuletzt wegen den dramatisch tieferen Kosten. Wer sich an ein paar Filmchen stört, die eine auf dem Mars landende Dragon zeigen – da gibt es einfach unzählige solche „Filmchen“: jeder, der in diesem Business irgendwelche Absichten hat, produziert sie, von Virgin Galactic über Reaction Engines (Skylon) bis hin zu Boeing. Daraus abzuleiten, das sei alles nur „Dampfplauderei“, ist etwas gar verwegen.

    Dass Startdaten, Leistungszahlen und Kostenangaben auf der Webseite von SpaceX laufend angepasst werden, scheint mir auch nicht so dramatisch: so ist das nun mal eben, das ist eine junge Firma, ihre Produkte sind in der Entwicklung, und sie haben wohl auch nicht das Geld, um einen einmal angekündigten Termin auf Biegen und Brechen einzuhalten. Andere Hersteller veröffentlichen gar keine solchen Zahlen – der Vergleich ist damit nicht besonders fair. Darüber hinaus haben auch andere Firmen im Verlauf der Jahre jede Menge „Vaporware“ produziert, das ist ganz normal. Man könnte sich z.B. mal als Vergleich die Entwicklung der 787 von Boeing anschauen – der Verlauf ist etwa ähnlich chaotisch, bloss dass man das nur am Rande mitbekommt, eben weil keine Kennzahlen, Startdaten etc. laufend veröffentlicht werden.

    Und schliesslich sollte man die tatsächlichen Fakten anschauen und die strengen Kriterien auch auf andere anwenden: SpaceX hat erfolgreich Raketen entwickelt und gebaut. SpaceX hat als erste Firma ohne cost-plus-Vertrag überhaupt eine Nutzlast ins All und wieder heil zurück gebracht (die Dragon Kapsel). Insofern stehen sie der Erfüllung ihres COTS-Auftrags viel näher als etwa Orbital, die ausser zwei katastrophalen Fehlstarts in letzter Zeit nichts positives vorzuweisen haben. Angesichts dessen, dass gemäss dem ursprünglichen COTS-Auftrag die Frachter letztes Jahr hätten bereit stehen sollen – wo ist der Cygnus-Transporter? Hat man davon auch nur mal einen Prototypen gesehen? Und was ist jetzt eigentlich mit dem Orbital-Shuttle „Prometheus“ geworden? Ach, Vaporware?

  5. Ach ja ich vergaß zu erwähnen. SpaceX Jünger können auch nicht stehen lassen dass man die bekannten Fehler der Firma aufzeigt ohne sofort Vergleiche zu bringen. Diese Rakete war so viel teurer, jene Rakete hatte so viele Fehlstarts. Das ist wie im Kindergarten „Aber Jonas hat noch was viel schlimmeres gemacht ….“.

  6. Was zählt ist kein hätte und könnte, sondern was man hat und kann. Niedrige Preise versprechen kann Jeder, aber dann auch wirklich realisieren?
    Beim Space Shuttle wurden auch superniedrige Preise versprochen, die die ganze Raumfahrt umkrempeln sollen. Als die Dinger dann endlich zum Einsatz kane war davon allerdings nichts mehr zu merken.

  7. Zu den Preisen ist zu sagen, dass alle Falcon 9 Starts bisher im Rahmen des COTS Programmes erfolgten. Das waren 298 Millionen die anfangs vereinbart wurden, plus zweier weiterer Zuschüsse zu je 40 Millionen Dollar im letzten Oktober und März (diesselben auch an OSC, wahrscheinlich kommen beide Firmen nicht mit den Mitteln aus). Bisher musste die Firma also nicht beweisen, das sie eine Falcon 9 für den Preis starten kann.

  8. Apropos „Kindergarten“: Wenn dann halt im Kindergarten ständig der Kaspar von der Kindergärtnerin eins auf die Schnauze bekommt, Jonas und Hans-Rudolf aber stets ungeschoren davon kommen, dann sagt das vielleicht mehr über die Kindergärtnerin als über Kaspar aus, meinst du nicht?

    Ich seh gar nicht, warum du es nötig hast, einen derart irrationalen Bias zu unterhalten, und jemanden, der darauf hinzuweisen wagt, gleich als „SpaceX-Jünger“ abzukanzeln… Hat dir vielleicht SpaceX im Sandkasten mal die Förmchen weggenommen?

  9. Ein SpaceX Jünger ist jemand der in diesem Blog nur kommentiert, wenn es um SpaceX geht. Ich stelle auch sonst viele provokante Dinge in den Raum, sodass ich nicht annehmen kann, dass jemand mit mir immer einer Meinung ist, nur bei SpaceX nicht. Also wenn jemand sich hier nur meldet wenn es um SpaceX geht, dann ist er ein SpaceX Jünger.

    Und es ist nicht guter Still, als Argument für eine Firma anzubringen, dass andere Firmen auch Fehler machen. Damit kann man doch nicht die Fehler von SpaceX rechtfertigen, zumal ich das Gefühl habe die werden nicht weniger sondern mehr. Damit verbaut man sich auch die Möglichkeit über die angesprochenen Dinge zu diskutieren.

    Tja und dass du hier Kontra geben kannst beweist eher eher das in diesem Kindergarten die Betreuung hervorragend ist. Wo bitte kann ich auf der SpaceX Webseite über ihre Ankündigungen diskutieren?

  10. Na, nach dieser Definition bin ich dann wohl doch kein SpaceX-„Jünger“. Wie beruhigend… Die Sache ist halt die, dass ich oft mit dir einer Meinung bin (deine Artikel auch mit grossem Interesse lese), oder mich nicht genügend auskenne, um zu beurteilen, ob das was du da schreibst, provokant ist oder nicht (Computer, Lebensmittel…).

    Ich finde einfach deine SpaceX-Berichterstattung etwas seltsam. Nicht, dass ich es nicht begrüssen würde, dass man kritisch berichtet. Ich versuche hingegen, die ganze Sache so neutral wie möglich zu betrachten.
    In diesem Kontext verstehe ich dann halt einfach nicht, warum du ausgerechnet SpaceX vorwirfst, „Vaporware“ zu produzieren, wenn doch der direkte Konkurrent von SpaceX, Orbital (der sich ja, nur schon aufgrund der ähnlichen Auftragslage, als Vergleich anbietet) bisher bezüglich des COTS-Vertrags noch nicht einmal irgendwelche Hardware vorgestellt hat. Haben wir die Taurus 2 starten sehen? Gibt es auch nur ein Bild von einer Struktureinheit der Cygnus? Hat Orbital nicht sogar mehr Geld zugesprochen bekommen als SpaceX? In dieser Situation auf der erfolgreicheren Firma rumzuhauen wirkt eben halt einfach seltsam – eben kommentarwürdig.

  11. Mir gefällt die Vorgehensweise immer Vergleiche zu ziehen gar nicht. Wie schon gesagt kann man nicht eigene Versäumnisse damit rechtfertigen, dass es irgendwo anders auch schlecht lief.

    Ein Vergleich zu OSC muss auch gerecht sein. SpaceX bekam ihren Auftrag für COTS am 18.8.2006, OSC dagegen am 22.1.2008. Es ist doch dann logisch, dass die Firma in der Entwicklung hinterher ist. Der erste Flug ist derzeit für Dezember 2011 geplant. Das ist ein Jahr nach den Planungen. SpaceX lag mit ihrem ersten COTS Flug aber nicht 1 Jahr, sondern 2 Jahre 3 Monate hinter dem Zeitplan.

    Und ja, ich habe schon die erste Stufe der Taurus II gesehen und auch einen Probelauf dieser Stufe.

    Hier gibt es einen Vergleich zwischen beiden Partnern
    http://www.parabolicarc.com/2011/05/04/cost-overruns/
    Er fällt obwohl beide Kostenüberschreitungen aufweisen (übrigens bekommen beide nochmals 40 Millionen Dollar, die dort noch nicht berücksichtigt sind) immer noch zugunsten OSC aus. Auch was Kapitalseinsatz für die Entwicklung angeht.

  12. PS: Dass es keine Bilder der Cygnus gibt, nehme ich zurück: Man sehe hier:
    http://www.orbital.com/CargoResupplyServices/
    Ob Orbital den jetzigen Fahrplan einhalten kann, muss sich erst noch erweisen. Dass die letzten zwei Taurus XL abgestürzt sind, hat sicher nicht dazu beigetragen, das Vertrauen in diese Firma zu festigen. Insbesondere, weil nach dem ersten Absturz angeblich alles unternommen wurde, um einen zweiten zu verhindern – mit welchem Ergebnis?

  13. Wer sich informiert ist immer klar im Vorteil…
    Die Taurus XL hat aber technisch nichts mit der Taurus II zu tun. Ich rechne ja auch nicht die Fehlstarts der Falcon 1 und 9 zusammen, obwohl es hier mehr technische Ähnlichkeiten gibt. Das ist wieder ein Beispiel des falsch gezogenen Vergleichs, was ich überspitzt hier schon mehrfach erwähnt habe.

  14. Wer Lesen kann ist klar im Vorteil. Wie kommst du darauf, dass ich Taurus XL und Taurus II irgendwie technisch vergleichen wollte? Steht das da? Es ging mir um das Vertrauen in die (technischen Fähigkeiten der) Firma – steht ja auch genau so.

    Du hast natürlich recht, dass man bei den Verzögerungen berücksichtigen sollte, wann der Auftrag vergeben wurde, insofern hat Orbital noch die Chance, sich zu beweisen. Dass der Vergleich, den du verlinkt hast, zugunsten von OSC ausfällt, lese ich nicht heraus. Beim Kapitaleinsatz sollte man vielleicht berücksichtigen, dass Cygnus deutlich kleiner als Dragon ist (was wohl auch der Grund sein dürfte, warum das gleiche Auftragsvolumen bei Orbital teurer ausfällt als bei SpaceX).

  15. Nun wenn Du das technische Vertrauen in die Firma ansprichst, solltest Du dann auch erwähnen, dass OSC seitdem der Gründung 1982 über 100 Satelliten gebaut und gestartet hat, Hauptauftragnehmer bei mehreren Raumsonden war und es neben der Taurus XL ja noch die Pegasus und Minotaur Modelle gab die eine sehr hohe Erfolgsquote aufweisen. Die technische Kompetenz kann man nicht an zwei Fehlschlägen festmachen, sondern eben an der Gesamtbilanz.

    Die Cygnus ist für das ausgelegt was gefordert wurde – Frachtransport. Die Dragon ist zumindest was das Innenvolumen anbetrifft hier deutlich unterlegen und bietet nur 10 anstatt 18 m³. Ich verstehe also deine Argumentation nicht ganz. Aber die Dragon nehme ich mir noch nächste Woche vor….

  16. Beides hängt zusammen. Deswegen sehen die COTS Kontrakte für SpaceX ja auch nur 1,7 t pro Flug vor. Die Firma hat noch nicht realisiert, dass sie zwar nun mit der 16 t Falcon 9 vielleicht die seit langem angekündigten 6 t zur ISS bringen kann, aber die mittlere Dichte der Facht bei 250 kg/m³ liegt – mithin in ihre Dragon maximal 2,5 t reinpassen…. Aber das ist Thema das Dragon Artikels, oder wie wie man am Markt vorbei entwickelt….

  17. Wer als Raumfahrtfan in den Achziger-Jahren Jescos von Puttkamer´s „Der erste Tag der Neuen Welt“ oder Ähnliches gelesen hat, der regt sich über Elon Musk und seinen Plänen oder wegen seiner Vorgehensweise nicht mehr auf. Von einer Besiedelung des All´s kann nicht mehr die Rede sein, von einer Industrialisierung schon gar nicht, die führende Raumfahrtnation der Welt ist heilfroh, wenn sie bei lächerlich wenig Flügen im Jahr die Besatzung lustig und lebend zurückbekommt. Das einzige, was überrascht hat, ist die Nützlichkeit und Verbreitung von Navigationssystemen in Auto´s und Handys. Der Rest vom Ganzen diente wohl eher dem Militär und einigen Geschäftemachern. Wenn Musk sich am Kuchen ein Stück abschneidet, mir ist´s egal.

  18. Da lese ich mit Stirnrunzeln folgendes auf „www.raumfahrer.net“


    Die beiden ersten Satelliten der Orbcomm Generation 2 (OG2) sind für einen Flug mit einer Falcon-9-Rakete von SpaceX gebucht, auf der sie neben einem Transporter vom Typ Dragon für die Internationale Raumstation ISS als Sekundärnutzlasten fliegen sollen. Weil SpaceX mit der Fertigstellung des Transportschiffs hinter dem ursprünglichen Zeitplan zurückliegt, rechnet man mittlerweile mit einem Start nicht vor Jahresende.

    Ob das dieses Jahr noch etwas wird mit dem COTS-Flug der Dragon?

  19. Einen Kunden hat SpaceX schon verloren, ORBCOMM könnte der nächste sein. Ich kenne die Bahnen nicht so genau, aber die Vorgängerversion hatte höher geneigte Bahnen und höhere Erdabstände für eine längere Lebensdauer und größere abdeckung der Landfläche. Bei zwei Satelliten wird dies wohl gehen, aber nicht bei allen 18.

    Auch die Falcon 1e ist ein Beispiel für Versprechen die nicht gehalten wurden, obwohl sie ja eigentlich nur eine Weiterentwicklung der Falcon 1 ist.

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