Being erica – oder was wäre wenn?

Ich bin ja in den letzten Monaten treuer Seher von zdf neo geworden. Und das obwohl ich es nicht live sehen kann (ist zwar im Kabel drin, aber nur digital und für mich tuts noch die alte Röhre). Ist schon komisch, das gute neue Serie in ZDF neo kommen und das ZDF sein Programm mit Krimis und Telenovellas zupflastert. Was mich auf den heutigen Blogeintrag gebracht hat, ist "Being Erica". Die Story: Erica Strange wacht nach einer Haselnussallergie im Krankenhaus auf und muss danach eine Psychotherapie machen (nein, ich habe da auch nicht den Zusammenhang verstanden). Der Therapeut ist eigentlich ein Zauberer, denn Erica kann einen beliebigen Tag in ihrem Leben nochmals erleben. Alles was sie dann macht, verändert sich aber nur in ihrer Erinnerung. Der Tag selbst bleibt so, wie er ist, für alle anderen. "er wird gelöscht" wie es dort heißt. Es dreht sich (nicht nur) um viele Momente in Leben von Erica, die nach dem Motto gehen – was wäre gewesen, wenn ich damals das getan hätte und nicht das?

Das ist ein Lieblingsthema der Filmindustrie, denn es gibt etliche Filme in denen Leute in ihre eigene Vergangenheit zurückreisen um etwas zu ändern oder es wird als Traum den Leuten gezeigt wie im Weihnachtsklassiker "Ist das Leben nicht schön?". Ich weiß nicht ob ich da eine Ausnahme bin, aber das hat mich eigentlich nie beschäftigt. Sicher gibt es in meinem Leben zig Punkte, wo sich Wege verändern können, Abzweigungen oder Möglichkeiten. So habe ich ja zuerst Chemie studiert, bin dann auf Lebensmittelchemie gewechselt und habe ein Jahrzehnt später noch ein Softwarestudium absolviert. Programmiert habe ich schon vor dem Abi – hätte ich nicht gleich den Weg einschreiten können? Komischerweise habe ich mich das nie gefragt. Vielleicht auch, weil ich gerne Lebensmittelchemie studiert habe und das Studium auch heute noch im Alltag sehr nützlich ist.

Wenn mich die Vergangenheit beschäftigt, dann eher die Situationen die peinlich waren, oder in denen ich mich blamiert habe oder wo ich einfach besser die Klappe gehalten hätte. Aber nachzudenken, wie wohl das Leben verlaufen verlaufen wäre hätte ich mich anders entschieden, kam mir nie in den Sinn. Ich weis nicht ob ich da eine Ausnahme bin, oder es vielleicht eine persönliche Prägung ist. Ich weis zum Beispiel, das ich Pessimist bin. Hängt es damit zusammen, dass ich mich eher an negative Dinge im Leben erinnern, oder geht das auch Optimisten so?

Das ganze ist ja, wenn man es genauer betrachtet, sogar eine philosophische Frage. Ich kann mich dunkel mal dran erinnern (ich denke es war von Hoimar von Dithfurth) gelesen zu haben, dass wir in dem Sinne keinen freien Willen haben. Das sollen Ergebnisse der Zwillingsforschung sein. Also Kinder, die getrennt adoptiert wurden und sich nicht kennen weisen nicht nur identische Lebensläufe auf sondern selbst in Kleinigkeiten ist selbst ihr Leben identisch – sie richten ihre Wohnungen ähnlich ein, suchen ähnliche Ehepartner aus und haben selbst dieselben Marotten wie z.B. die immer Gummis an der Hand zu tragen oder die Angewohnheit im Fahrstuhl bei vielen Leuten laut zu niesen.

So gesehen ist die Frage schon überflüssig. Immerhin: Erica bringt sie was. Sie lernt meistens, dass die Situation früher komplexer war oder sie einfach Dinge übersehen hat und sie lernt immer etwas das sie sofort ins jetzige Leben übertragen kann – eben typisch Film….

2 thoughts on “Being erica – oder was wäre wenn?

  1. Also ich kann die gegenteilige Erfahrung kundtun. Ich träumte schon oft davon, im eigenen Leben eine Zeitreise zurück zu einem bestimmten Punkt zu machen, um Fehler zu korrigieren.

    Aber diese Möglichkeit wäre letzlich zu mächtig in der Hand eines Menschen, würde ihn überfordern. Denn was, wenn man vermeintliche Fehler rückgängig machen will, die eigentlich gar keine Fehler waren, wie man 1 Jahr später festgestellt hätte, wenn man nicht in der Zeit zurückgereist wäre? Die Gefahr der Verschlimmbesserung besteht, je größer die Distanzen der Zeitreise werden. Und es wird dann eine Korrektur der Korrektur nötig.
    Ganz heftig wird es, wenn man Verstorbene plötzlich wiedersieht oder Neugeborene die man kennengelernt hat durch Änderung der Vergangenheit nie existiert haben.

    Wenn man den Zweck der Zeitreise beschränken könnte auf Rückgängigmachung von Verarsche, z.B. sich einen teuren Riestervertrag aufschwatzen zu lassen, wäre das eine ganz prima Sache.

    Und eine 90-Sekunden-Zeitreise für experimentelle Zwecke bei der Konversation mit Mitmenschen wäre auch ganz prima.

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