Staatsverschuldung

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Stellen sie sich mal vor: Sie verdienen im Jahr rund 25.600 Euro netto, haben aber einen Schuldenstand von 128.410 Euro und machen jedes Jahr 4.970 Euro Schulden. Dabei nutzen sie 3.220 Euro um Zinsen zu bezahlen und der Rest sind neue Schulden. Würden Sie von der Bank einen Kredit bekommen?

Wohl kaum. Wenn Sie die Zahlen mit 10.000.000 multiplizieren, dann erhalten sie die Situation der BRD. Doch ein Staat bekommt das Geld, das wohl dem Privatmann verweigert würde, wenn er neue Schulden macht um alte zu begleichen und Zinsen zu bezahlen. Es ist schon komisch mit den Staatsschulden. Das eine ist, dass es unisono das Gerede gibt man durfte keine Schulden den Kindern und Enkelkindern hinterlassen, dabei haben ja schon die Eltern der Politiker die jetzt an der Macht sind Schulden gemacht. Außerdem redet zwar jeder von einer Verringerung der Neuverschuldung, aber keiner vom Zurückzahlen der Schulden. Stattdessen gibt es die EU-Schuldenbremse von 3% des BIP. Das ist das nächste. Ich würde den Schuldenstand in Bezug auf die Staatseinnahmen setzen, nicht das Bruttoinlandprodukt, schließlich müssen ja nicht die Arbeiter für die Staatsverschuldung geradestehen.

Was passiert denn wenn ein Staat nicht mehr zahlen kann? Muss er dann seine Leute entlassen, seine Beteiligungen verkaufen oder schauen einfach die Gläubiger in die Röhre? Es ist ja klar, dass die Schulden nicht weniger werden. Denn derzeit nimmt man ja Geld auf um die Zinsen zu begleichen und nimmt gleichzeitig neue Schulden auf. Ich habe mal eine Prognose angestellt. Die beiden Grafiken zeigen die Schuldenentwicklung über die nächsten 40 Jahre. Einmal unter der Annahme, der Zinssatz bleibt bei den 2,5% wie er heute ist und einmal er steigt um 1% auf 3,5 %. Deutlich wird, dass in diesem Falle die Neuverschuldung in 40 Jahren genauso hoch ist wie die Staatseinnahmen. Das ist natürlich überspitzt, denn die Staatseinnahmen werden ja auch ansteigen, alleine durch die Inflation. Doch es zeigt den Trend: Die Neuverschuldung wird immer größer und dies wird sich beschleunigen. Schon heute entfallen ja schon 2/3 der neuen Schulden nur auf die Zinsentilgung der alten Schulden (und das bei einem niedrigen Zinssatz von durchschnittlich 2,5%).

Das interessante ist, das Schuldenmachen seit Jahrzehnten bei fast allen industrialisierten Nationen üblich ist. Der Schuldenstand mag sich unterscheiden, doch alle haben Schulden. Nehmen wir diese Karte der Wikipedia. Da sieht man das mit Ausnahme von Libyen und Russland fast alle entwickelten Länder Schulden haben. Selbst arabische Ölstaaten wie Saudi-Arabien oder China das ja so boomt. Die Frage ist was passiert, wenn mal ein größeres Land bankrott geht. Ich vermute mal das gibt einen Domino-Effekt – die anderen Länder bekommen kein neues Geld mehr oder die Ängste breitet sich aus, dass Schuldner ihr Geld zurück haben wollen und alle Länder werden zahlungsunfähig.

Zeit zu sparen, richtig zu sparen. Nur will man ja keinem wehtun, noch dazu Großmacht spielen, die in Afghanistan sich engagieren muss. Die Bundeswehr kostet rund 32 Milliarden Euro – reduziert schon mal die Schuldenaufnahme auf ein Drittel. Dann wäre noch der Posten Arbeit und Soziales dran – da geht fast die Hälfte der Nettoeinnahmen hin. 12% weniger und man ist bei einem ausgeglichenen Haushalt. Aber dazu wird es nie kommen, eher werden neue Schulden gemacht – um die Konjunktur anzukurbeln, weil die Konjunktur schlecht ist, weil andere Länder Geld brauchen, weil es ausplanmäßige Ausgaben gab, weil der Winter streng war, weil Vollmond ist, weil ….

7 thoughts on “Staatsverschuldung

  1. Das grundsätzliche Problem bei der Berichterstattung über Staatsschulden ist aber, das zwar massig über die Ausgabenseite berichtet wird, aber kaum über die Einnahmeseite. Eine Bilanz hat aber neben der Schuldenseite auch eine Einnahmeseite. Über diese wird aber kaum berichtet. Würde man das aber mal tun, würden sich die Schulden in einem anderen Licht zeigen, als es bisher der Fall ist. Wenn man dann noch die Einnahmen der letzten 30 Jahre auflisten würde, würde man feststellen, das die Einnahmen kontinuierlich zurück gegangen sind. Da stellt sich dann wieder die Frage, woran das liegt?

  2. Wie ein Staatsbankrott aussieht, werden wir in Kürze sehr genau sehen. Griechenland, USA, Portugal usw. In der Vergangenheit haben Staaten immer darauf gesetzt durch Inflation die Schulden zu vernichten, da durch die Inflation natürlich auch die Verbindlichkeiten wertlos werden. Dann macht man eine Währungsreform und setzt dadurch die Sparkonten der Bevölkerung auf 0 und dann is fertig. Das ist das Grundprinzip. Die USA haben im Gegensatz zur Bundesrepublik z.B. die Möglichkeit die Notenpresse nach belieben anzuwerfen. Nach unserer Erfahrung mit Hyperinflation in der Weimarer Republik und natürlich nach dem II. Weltkrieg war Währungsstabilität höchstes Ziel bei der D Mark. Das hat man auch auf den EURO übertragen und bis Griechenland hat man sich da auch dran gehalten. 1,5% Inflation war die akzeptierte Obergrenze im Euroraum. Nun erkennt man, dass daraus neue Schwierigkeiten erwachsen. Die Inflation wird zukünftig wohl höher liegen und das ist nicht „gottgegeben“ sondern kalkulierte Absicht.

  3. Woran das liegt daß die Einnahmen zurückgehen? Unter anderem auch daran, daß noch unter Kohl die meisten Steuerprüfer abgeschafft wurden. Die einzigen Beamten die auf direktem Weg dem Staat mehr einbringen als sie kosten. Und alle folgenden Regierungen haben daran nichts geändert. Auch eine Form von „Witschaftsförderung“.

    Ob sich die Staatsverschuldung durch Inflation abbauen läßt ist wohl eher fraglich. Die Banken werden schon darauf achten, daß ihre Zinsen über der Inflationsrate liegen. Selbst wenn die Banken dabei pleite gehen wäre das halb so schlimm. Dann lassen sie sich vom Staat (sprich vom Steuerzahler) eben wieder aufpäppeln. Mit dem Geld das sie den Staat leihen. Und schon hat man das Geld (das man ja eigentlich gar nicht hat) wieder und kriegt dafür sogar noch Zinsen.

  4. Die Staatsverschuldungen sind nur das Symtom.
    Die Gründe liegen meiner Ansicht nach tiefer.

    1. Das ungelöste Problem der „Steuerkurve“.

    Sicher ist nur, dass bei einem Steuersatz von 0% die Steuereinnahmen genauso bei 0 liegen, wie bei einem Steuersatz von 100%.
    Um alles was dazwischen liegt toben seit Jahrzehnten ideologische Grabenkämpfe.
    Die Neokonservativen (Friedman et.al.) tendieren eher nach niedrigen Steuern, die eher sozial ausgerichteten (Keynes et.al.) nach hohen Steuern.
    Dahinter stehen grundsätzlich unterschiedliche Vorstellungen von dem was einen Staat ausmacht.

    Weltweit haben seit 1980, Amtsamtritt von Ronald Reagan die Neokonservativen die Oberhand bekommen. „Reagonomics“ war der Beginn des wieder ungezügelten Kapitalismus. Mit dem Untergang des Ostblocks sind dann noch die letzten Schranken gefallen. Es besteht in vielen Staaten keinerlei Tendenz mehr in Richtung sozialer Solidarität.

    Die einzigen Ausnahmen sind die skandinavischen Länder, die es bis heute mit hohen Steuersätzen geschafft haben einen sehr guten sozialen Standard aufrecht zu erhalten.

    Fast im gesamten Rest der Welt herrscht eine grundlegende Tendenz zu Steuersenkungen, was direkte Auswirkungen auf den Schuldenstand hat. Fakt ist, dass z.B. in den USA Steuersenkungen zunächst zu mehr Steuereinnahmen geführt haben. Dies wurde aber nicht dazu genutzt etwa die Staatsschulden abzubauen, sondern um weitere Steuersenkungen machen. Die Nebenwirkungen wie Verfall der öffentlichen Infrastruktur, zunehmende Ungleichheit in der Gesellschaft, Verarmung, Massenverblödung durch Einsparungen im Bildungsbereich und quasi monopolisierte Massenmedien (FOX, Murdoch, Berlusconi etc.), Abstieg der Mittelschicht sind aber erst im Lauf der Jahre evident geworden.
    Wenn man das dazurechnet, ist die Staatsverschuldung in Wirklichkeit noch deutlich höher.

    Wirklich profitieren aber nur etwa 1% der Weltbevölkerung, die 90% der Vermögens kontrollieren.

    Nur wer etwas übrig hat kann etwas zahlen. Die Superreichen müssen zur Verringerung der Staatsschulden herangezogen werden.

    2. Der Wachstumsirrsinn

    Exponentielles Wachstum auf einem begrenzten Planeten stösst zwangsläufig auf Grenzen.
    Deshalb entstehen immer häufiger „Blasen“: Internetblase, Immobilienblase, Rohstoffblase.
    Die Entkopplung des Wachstums von der Realwirschaft wird damit evident.

    Das sind die letzten Zuckungen einer Wirtschaftsform, die völlig den Bezug zu den realen, begrenzten Ressourcen des Planeten verloren hat.

    Momentan schafft es die Elite der Superreichen erfolgreich diese Diskrepanz zu sozialisieren indem weitere Staatsschulden aufgehäuft werden.

    Die nächste Stufe hat mit dem Zusammenbruch von einzelnen Staaten begonnen.
    Zunächst kann man Geld mit überteuerten Staatanleihen verdienen. Dann zwingt man die Staaten zu privatisieren. Wer wohl davon profitiert….
    Natürlich wieder das obere 1% der Vermögenspyramide.

    Die Armen sollen sparen, die Reichen profitieren.

    Wenn es nicht gelingt, das jetztige Wirtschaftssystem so zu verändern, dass auch langfristig bei einem Wachstum von NULL ein Mindestmass an Deckung der Grundbedürfnisse und sozialer Gerechtigkeit erreicht werden kann, wird es bald gewaltig krachen.

    Grüße
    Peter

  5. Wir haben im engeren Sinne kein Armuts- oder Verschuldungsproblem, es ist tatsächlich ein Verteilungsproblem, wie Peter richtig darstellt. Nur wie wäre das Problem zu lösen? Eine stärkere Vermögenssteuer führt z.B. dazu, dass die Leute ihr Geld ins sichere Ausland bringen. Man kann also nur die schröpfen, die sich nicht wehren können und nicht weglaufen.
    Und es hat sich generell was geändert. Früher reichte es, wenn ein Unternehmen gut war. Heute muss es das Beste sein, sonst ist es gleich zweitklassig und hat es richtig schwer im globalen Wettbewerb.
    Übrigens: mein Entschluss BWL zu studieren kam damals, nachdem ich Kalle Marx gelesen hatte (nicht den ganzen…..).Die Strukturen, die er erkannt hatte gelten noch heute.
    Das Problem sehe ich darin gerechte Strukturen zu schaffen, die trotzdem einen Leistungsanreiz für den einzelnen bieten. Das ist nach meiner Ansicht mit ein Grund, weswegen alle sozialistischen Wirtschaftsformen gescheitert sind.

  6. Das Problem ist auch eine grundlegende Eigenschaft unseres Zinseszinssystems, daß nämlich Geld die Eigenschaft hat, sich auf Dauer immer mehr auf einzelne Superreiche zu konzentrieren.
    Es fließt quasi aus der Ebene ab und ballt sich zusammen in den Gravitationstrichtern der Geldverleiher.

    Ein Reset war bisher immer eine Hyperinflation oder ein Weltkrieg.

    Wir haben in diesem System ein Verteilungsproblem von Ressourcen, Lohnarbeit, Eigenkapital, Bildung…

  7. Wie hier schon mehrfach festgestellt wurde haben die Staaten (auch Deutschland) eher ein Einnahmenproblem, als ein Ausgabenproblem. Während in den Medien immer ohne Rückfragen auf die Verschuldung gesehen wird, wird meist verschwiegen, dass die Staaten wegen Steuerdumping einfach auf Einnahmen verzichten, die Ihnen aufgrund ihrer Tätigkeit zustehen.

    Beispiele:
    Gesenkte Steuersätze für Unternehmen,
    Steuerbefreiung von Veräusserungsgewinnen beim Verkauf von Unternehmen, gesenkte Kapitalertragssteuer, abschaffung der Vermögenssteuer und der Erbschaftssteuer, gesenkte Einkommensteuersätze.

    bei all dem Discountergebaren ist es kein Wunder, wenn der Staat immer Leistungsunfähiger wird, und seine Aufgaben nicht mehr erfüllt.

    Also anstatt die Bürger und unternehmen an den Aufgaben über Steuern zu beteiligen schaffen die Politiker durch Steuersenkungen Sachzwänge um nichts mehr tun zu können.

    Lösung:
    Steuern wieder erheben, Steuersätze anpassen (erhöhen), Freibeträge sinnvoll anpassen (Inflationsausgleich), Steuerhinterziehung stärker verfolgen. Vermögensteuer wie die USA unabhängig vom Wohnsitz erheben (Auch ein Deutscher, der in USA wohnt muss sein Vermögen in Deutschland versteuern).

    Natürlich ist es auch notwendig Werbung für die Vorteile von Deutschland zu machen, damit die Menschen sehen was sie für ihr Geld bekommen.

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