Von der Osterinsel lernen

Ich habe einen Beitrag darüber auf der Website, aber ich denke man kann das Thema im Blog aufgreifen. Wir haben ja einige Probleme, nun ja Probleme ist zu verharmlosend. Bei Überbevölkerung, Klimawandel, Zerstörung der Umwelt geht es um das Überleben. Seit Jahrzehnten kommt man bei der Lösung dieser „Probleme“ nicht vorwärts. Es wird viel als Begründung angegeben. Die Kurzsichtigkeit von Politikern, oder die Verantwortung nur gegenüber den Wählern. Oft auch, das der Mensch nur etwas tut, wenn er direkt betroffen ist. Und von Klimaerwärmung ist man zwar betroffen, doch ist das schleichend und man kann vor allem nicht sehen, wenn man sein Verhalten ändert, das dies tatsächlich das Problem vermindert. Das ist sicher ein Aspekt. Ich habe aber eine andere Theorie. Der Mensch kann nicht im Einklang mit der Natur leben. Das zeigt sich, egal wohin man schaut, selbst bei primitiven Völkern. So rottete der Mensch, als er in Nord- und Südamerika kam die meisten Großsäuger aus, und die Prärie im Westen der USA ist nicht normal, sondern das Ergebnis dessen das die Indianer um die Büffel in ein Gebiet zu locken regelmäßig das Grasland abfackelten und so das Wachstum von Bäumen verhinderten. Am besten sieht man meine Theorie aber an der Osterinsel.

Die Osterinsel ist eine isolierte Insel. Die nächste Insel ist 2000 km entfernt, die nächsten größeren Landmassen Hawaii und Chile über 3200 km. Durch die isolierte Lage ist die Insel und das umgebende Meer die ganze Welt für die dort lebenden Insulaner. Das ist eine überschaubare Welt, rund 162 km² groß, so groß wie in Deutschland ein kleiner Landkreis. Wer dort wohnt, sollte also im Einklang mit der Natur leben, oder wie wir sagen „ressourcenschonend“. Das sagt einem der gesunde Menschenverstand. Das war auch zuerst der Fall. Die ersten Siedler hielten sich nur an der Küste auf und betrieben ressourcenschonend Landwirtschaft. Das ist auf der Insel schwierig, denn es herrschen starke Passatwinde. Die Insel war aber mit Hongpalmen bedeckt. Ab 1010 n.Chr., stark ansteigend am dem 13-ten Jahrhundert wurde dieser Wald abgeholzt. Nur wuchs kein neuer mehr nach. Bis heute ist die Insel kahl, weil der Passat ein neues Wachstum schwer macht. Man versucht gerade mit Eukalyptus Wald nachzuziehen. Eukalyptus ist sehr anspruchslos, aber gilt auch mehr als Schadpflanze, da in Eukalyptuswäldern kein anderer Baum aufkommt. Anstatt die Ressource Wald zu schonen (die Nahrung stammte primär vom Fischfang aus dem Meer) nahm das abholzen noch zu, als man die heute noch sichtbaren riesigen Götterstatuen baute. Die wurden aus einem Steinbruch im Innern der Insel herausgebrochen, wahrscheinlich indem man mit Feuer einen Stein erhitzte und dann Wasser hinaufgoss, das abkühlen führt zu Hitzespannungen und sprengt ihn frei. Daneben brauchte man unzählige Stämme um die Kolossalstatuen über Rollen Kilometer zur Küste zu transportieren. Es sollen rund 10 Millionen Palmen abgeholzt worden sein. Was passierte? Irgendwann war der letzte Baum gefällt und damit auch kein Baumaterial mehr für Kanus für den Fischfang vorhanden. Die Kultur der Insulaner starb aus, es kam zuletzt noch zu Kämpfen der Stämme gegeneinander, die Statuen wurden gestürzt. Als James Cook die Insel 1774 „entdeckte“ lebten noch 2000 Personen auf der Insel, etwa 100 Jahre zuvor waren es noch 10.000 gewesen. Die Bevölkerung nahm dann auf dem ungastlichen Eiland noch weiter ab und erreichte 1871 mit 111 Personen den Tiefpunkt.

Die Osterinsel war für die Insulaner ihre Welt. Sie war genauso beschränkt wie die Erde, denn realistischerweise sind die Chancen, von ihr zu entkommen klein gewesen sein. (Wenn man überhaupt weis in welcher Richtung die nächste Insel liegt). Sie ist aber nicht so groß wie die Erde. Mit einer maximalen Länge von 24 km ist sie in einigen Stunden zu durchqueren. Veränderungen des Ökosystems sieht jeder Einwohner sofort, genauso wie die Auswirkungen (das kein neuer Wald mehr wuchs, dürfte wohl auch aufgefallen sein). Da die Abholzung in rund 400 Jahren erfolgte muss jeder Einwohner während seiner Lebenszeit gesehen haben wie der Wald um 10% abnimmt und man kann sich leicht ausrechnen, wie lange das gehen kann. Doch was haben die Insulaner gemacht? „Businiess as Usual“, bis die letzte Generation dann damit konfrontiert wurde, das der Wald weg ist und dann brachen Kriege aus.

Und genau das ist typisch für den Menschen. Selbst wenn die Folgen offensichtlich sind lebt jeder nach dem Motto „Nach mir die Sintflut“ und daher klappt es nicht mit der Nachhaltigkeit, weder bei der Osterinsel, noch bei der Erde. Daher sehe ich schwarz für die Zukunft der Menschheit und ein katastrophales Ereignis wie am Ende der Maori-Kultur auf der Osterinsel sehe ich in nicht allzuferner Zukunft. Ich habe ja noch die Hoffnung das ich das nicht mehr erleben, aber zu Kindern würde ich keinem raten….

11 thoughts on “Von der Osterinsel lernen

  1. Das stimmt aber nicht so ganz. Die Bewohner haben als das Holz alle war mit den Statuen notgedrungen aufgehört. Sie haben dann aber angefangen, Steingärten zu bauen, wobei der Aufwand dafür insgesamt sogar noch höher war als für die Statuen. Sie konnten damit nachhaltig Landwirtschaft betreiben und von leben. Sie haben also erfolgreich das Ende der Ressource Wald durch Anpassung überlebt. Der Rest stimmt schon, auch dem Vergleich würde ich zustimmen…

  2. Also die riege und der Bevölkerungsrückgang sind erwiwesen. Das sie von irgendetwas leben mussten war klar, genauso klar wie wir unsere Probleme gelöst hätten wenn wie bei der Osterinsel die Bevölkerung auf ein Fünftel sinkt….

  3. 10% Änderung der Waldfläche pro Generation ist ein Änderungstempo, bei dem die einzelne Generation eben NICHT erkennt, dass es fundamental weniger wird. Bei der kleinen Population ist dann noch die Frage, ob die Bevölkerung überhaupt über Experten verfügte, die gewusst hätten, wie man die Waldfläche wieder vergrößert. Bis heute scheint das ja selbst Experten nicht gelungen zu sein.

    Kai

  4. Nun man muss an die Dimension denken. Es gab 10.000 Insulaner, die in 400 Jahren 10 Millionen Bäume abholzten, also pro Person zweieinhalb pro Jahr. Wegen dem Klima braucht man kein Holz um zu heizen. Experten braucht man nicht, wenn man erkennt das es nicht geht. Vor allem war die Insel ja schon einige Jahrhunderte besiedelt bevor das Abholzen begann. Also wussten sie auch das es anders gehen kann.

  5. Ich bin da eher Kais Meinung. Der ganz normale Inseleinwohner wird da keine Übersicht drüber gehabt haben. In Hochkulturen wie den Ägyptern und anderen wurden schon in antiken Zeiten Aufzeichnungen gemacht und Geschichtsschreibung betrieben. Aber sowas war nur den Eliten zugänglich und bekannt.
    Der einfache Arbeiter oder Stammeszugehörige tut was man ihm sagt. Wenn er einen Baum fällen soll, macht er das. Der Häuptling oder Hohepriester hat’s ja schließlich gesagt und die wissen schon, was zu tun ist. (Erinnert mich fatal an viele einfache Bürger unserer Zeit.)
    Evtl. haben in späteren Generationen, als es nicht mehr lange bis zur vollständigen Abholzung dauerte, die Großeltern den Kindern was erzählen können: „In meiner Kindheit gab es noch einen Wald gleich hinter dem nächsten Hügel. Aber jetzt muss man ja schon einen ganzen Tag zum nächsten Wald laufen.“ Vorstellen kann sich ein einfacher Arbeiter, der nie die ganze Insel bereist hat, trotzdem nicht, dass es schon SOOO schlecht um den Baumbestand stehen soll, dass eines Tages gar nichts mehr übrig ist.
    Das kann höchstens die letzte Generation, die buchstäblich die letzten Bäume gefällt hat, gesehen haben. Und evtl. die Mächtigen, die vielleicht nen Überblick über die Situation auf der Insel hatten. Und die sitzen Probleme gerne aus. (Und auch das erinnert mich fatal an die Jetztzeit.)

    Und so ähnlich seh ich das auch mit der Überbevölkerung. Ein einfacher Arbeiter in Indien oder ein Dorfbewohner in einem afrikanischen Land hat vielleicht schon mal die Worte „Überbevölkerung“ und „Geburtenkontrolle“ gehört. Aber es fehlt an den Alternativen zum Lebensmodell, das schon seit Jahrhunderten so gelebt wird. Möglichst viele Kinder in die Welt setzen, das ist die einzige Möglichkeit der Altersvorsorge. Eine Rentenversicherung wie bei uns gibt es dort nicht.
    Ich war schon einige Male in Indien (und einigen anderen asiatischen Ländern, aber hier denke ich vor allem an Indien). Dort war ich beruflich und deshalb nicht in den Touristen-Gegenden sondern in der Pampa, wo neue Fabriken und Siedlungen gebaut wurden.
    Selbst dort, im hintersten Outback sind ÜBERALL Menschen. Man kann selbst Nachts keinen Kilometer auf einem „Highway“ unterwegs sein, ohne Menschen zu begegnen, mobil auf allem was sich bewegt, und wenns die eigenen Beine sind.
    Und die Inder wissen um die Situation. Ich habe mit vielen gesprochen. Aber sie haben eben keine Alternativen als Großfamilien und immer neue Siedlungen, auch in Gegenden, wo noch ein bisschen sowas wie Natur ist.
    Die Gegend, wo ich hauptsächlich unterwegs war, war direkt bei Neu-Delhi und im Norden, nördlich von Chandigarh. Dort forciert die Regierung die Ansiedlung von Industrie und damit auch Siedlungs-Bau.
    Noch ein paar hundert Kilometer weiter nach Norden, da kommt dann schon das Kaschmir-Gebirge, was seit Jahrzehnten umkämpft ist. Ein paar Jahre, evtl. auch Jahrzehnte wird das noch weitergehen, bis die Ausbreitung im umkäpften Gebiet angekommen ist. Und dann?
    Und wie gesagt: die Inder wissen das. Heutzutage gibt es dort viele Gebildete, es gibt Zeitungen, Radio, Fernsehen und natürlich das Internet (ja, selbst kleine Hotels dort in der Pampa haben Internet und stellen ihren Gästen WiFi zur Verfügung). Trotzdem läuft die Entwicklung wie oben geschildert.
    Und in vielen afrikanischen Ländern wird es ähnlich sein, evtl. auch schlimmer.

  6. Moin,

    ich frage mich was eine solche Petition bringen soll? Ein Kind ehe durch US Truppen in Indien und Afrika forcieren wird wohl kaum gehen. Die USA ist so konservativ, dass in vielen Staaten Abtreibung verboten ist, und Empfängnisverhütung nicht in der Schule gelehrt werden darf.

    Das Problem ist, ist das es zur Menschlichen Überlebensstrategie gehört dass Arme 5-7 Kinder haben, in der Hoffnung das 2 davon überleben, um den Eltern eine Rente zu stellen, während die Mittelschicht eher 2 Kinder hat, und in deren Bildung investiert.

    Die einzige Chance die Überbevölkerung in den Griff zu bekommen ist Wohlstand und Bildung für alle, insbesondere für Frauen.

    Daher mein Kommentar auf diese Petition: http://www.youtube.com/watch?v=YbqaKyVEFjU

    Crazy preachers of our doom, telling us there is no room, not enough for all menkind, and the seas of time are running dry. Don’t you know thats a lie!

    ciao,Michael

  7. Das Problem der Überbevölkerung besteht eigentlich nur darin, dass jeder den gleichen Lebensstandard habe will wie wir und dass wir Müll produzieren. Die Ameisenpopulation auf der Erde ist 4 mal so groß (von der Masse her) als die des Menschen. Der Unterschied: sie produzieren keinen Müll, sondern deren „Abfall“ ist Rohstoff für andere.
    Mal ein interessantes Konzept:
    http://www.youtube.com/watch?v=ACT7xbEe6Os

  8. Moin,

    aktuell zum Thema gibts in Telepolis einen Artikel, in dem auf die Global Forest Change Karte verwiesen wird:

    http://earthenginepartners.appspot.com/science-2013-global-forest

    Selbst hier in Deutschland ist mehr Rot (Abholzung) als Blau (Aufforstung). Schlimm siehts in Brasilien, Bolivien, Paraguay, Argentinien, Malaisia, Indonesien, usw aus. Aber auch in Canada, der USA, Russland wird massiv abgeholzt.

    Und weil Drogen Quoten bringen, sollte man sich mal das Humboldt County in der USA anschauen. Dort findet sich auf fast jedem Hügel der von den Hauptstraßen abgelegen ist abgeholzter Wald, und eine Marihuana Plantage.

    ciao,Michael

  9. Wenn wir eins von der Osterinsel gelernt haben, dann wie man trotz allem grünen Gerede seine Umwelt möglichst gründlich zerstört.
    Wie heißt es doch so schön: Es werden ganze Wälder abgeholzt, um auf dem daraus hergestellten Papier Aufrufe zum Schutz der Wälder zu drucken.

  10. Die Osterinsel sehe ich aber auch für noch ein Beispiel, sozusagen astronomischer Tragweite:

    1. Der Mensch hat zwar Intelligenz die ihn befähigt Maschinen zubauen aber
    er ist noch zuviel „Affe“, um damit auch richtig umzugehen.

    2. Jede intelligente Lebensform steht wahrscheinlich in ihrer Entwicklung genau
    vor dem selben Problem: Intelligenz, aber noch zuviel Tier.

    Schlußfolgerung:
    Lebensformen, die diese Phase ihrer Entwicklung überleben sind wohl sehr selten.
    Eher nicht existent, da eine biologische Evolution nunmal sehr viel langsamer abläuft als eine technologische.

    Fazit: Ufos sind garantiert unmöglich, keiner kann interstellare Raumfahrt betreiben, ohne sich vorher seinen Heimatplaneten zu versauen.

    Meine Meinung.

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