Das schwarze Jahr für die Musik und die „Generation Kassette“

Nun hat ja das neue Jahr begonnen und es wird Zeit mal zurückzublicken auf das alte Jahr. Ich habe mir aber keinen Raumfahrtüberblick vorgenommen. Denn so viele positive Ereignisse gab es nicht: Die Landung von Schiaprelli ist gescheitert, eine Falcon 9 explodiert. Es gingen mehr Missionen zu Ende, als neue gestartet wurden und irgendwie ist das Jahr eher lau gewesen. Was aber auffällt, ist das im letzten Jahr viele Musiker gestorben sind. Vor allem viele, die man kennt. David Bowie, Prince, Roger Cicero, Leonhard Cohen, George Michael. Dazu kommen noch Unzählige die nicht jeder kennt, weil sie Musiker einer Band waren wie Maurice White von Earth Wind and Fire oder Keither Emerson und Greg Lake von Emerson, Lake und Palmer. Beatles Fans mögen sich auch an George Martin erinnern, der auch dieses Jahr verstarb.

Ich wollte nicht den Fehler einer WDR-Sendung wiederholen, die angesichts der schon vielen Toten am 8.11.2016 eine Sendung über verstorbene Musiker verfasste – einen Tag vorher verstarb Leonhard Cohen, der es so nicht mehr in die Sendung schaffte und nachdem auch an Weihnachten George Michael starb, wollte ich nicht vor Ablauf des Jahres das Thema anschneiden. An ihn musste ich noch denken, als eine Sendung über „Weihnachtssongs“ sein Lied „Last Christmas“ zum kommerziell erfolgreichsten Weihnachtssong erklärte. Angeblich soll ihm das Lied jährlich 8 Millionen Euro einbringen, was ich für zu hoch halte, aber 8 Millionen insgesamt also über 30 Jahre, das halte ich für wahrscheinlich.

Auch wenn man von den mdisten Künstlern schon seit Jahren oder Jahrzehnten keinen großen Hit mehr vernommen hat, bleibt doch eine Lücke. Die meisten waren auch noch produktiv. Nur hat sich der Musikgeschmack geändert. Dadurch kommen neue Lieder eben nicht mehr in die Top 10. Heute wird eben was anderes gehört als in den Achtzigern und Siebzigern. Die Musiker sind sich dagegen treu geblieben. Was mich bedrückt sind zwei Dinge. Zum einen das viele so früh von uns gegangen sind wie Prince oder George Michael. Gut,it Leonhard Cohen war über achtzig, da konnte man damit rechnen. Aber Abgang schon mit fünfzig? Vielleicht auch, weil nach meinem subjektivem Gefühl es heute keine „Superstars“ mehr gibt. Also Stars, die nicht nur mit einem oder zwei Alben erfolgreich sind, sondern über längere Zeit. Ein Jahrzehnt oder länger. Es kommt wenig Neues nach und die, die man kennt sterben auch noch – meiner Ansicht nach – viel zu früh.

Das Zweite ist, dass man bei Musik gar nicht so fühlt, wie die Zeit vergeht. Schaut man sich von Schauspielern Filme an, so merkt man, wie sie altern. Die Musik bleibt zeitlos. Selbst wenn ein Schauspieler später keine Filme mehr dreht, (was die Ausnahme ist, aber Manfred Krug, der auch dieses Jahr verstarb, hat z.B. mit dem Eintritt ins Rentenalter aufgehört) sieht man beim Betrachten aus welcher Zeit sie stammen, an Dingen wie Einrichtung, Kleidung oder so. Man merkt: Das ist Vergangenheit. Aber Musik bleibt irgendwie „ewig“. Nicht umsonst wird auch heute ja noch klassische Musik gekauft und gespielt. Was sich ändert, ist der breite Publikumsgeschmack. Es wird einem auch dann bewusst, wie man älter wird. Ansonsten bemerkt man das ja nicht so drastisch. Also ich fühle mich nun nicht so viel anders, als wie mit 30, obwohl seitdem 20 Jahre vergangen sind. Dass ich nicht mehr 30 bin, merke ich aber auch an der Musik: Mein Musikgeschmack ist in den Siebzigern und Achtzigern hängen geblieben. Das Einzige was ich mir an „moderner“ Musik kaufe sind deutsche Interpreten wie Annett Louisan, Wir sind Helden, Zweiraumwohnung, die gute Musik mit guten Texten verbinden. Viel deutsche Musik, die nicht Schlager war, gab es ja damals nicht.

Das leitet mich zu dem zweiten Thema über. Vor einiger Zeit kam mal auf ZDF Info eine Sendung über Erfindungen, die gar nicht so alt sind und die man schon wieder fast vergessen hat. Da ging es um Telefone mit Wählscheibe, Walkmans, Floppy Disks, Schallplatten, VHS-Video und eben auch die Kassette. Darüber gibt es auch ein Buch betitelt wie im Blog mit „Generation Kassette“. Ich habe noch etwa 270 Kompaktkassetten bei mir auf dem Speicher und eine Stereoanlage zum Abspielen auch noch. Von vielem anderen wie dem Videorekorder und den VHS-Kassetten habe ich mich dagegen getrennt. Bei den Kassetten konnte ich den Schritt nicht tun.

Warum nicht? In jeder Kassette steckt viel Arbeitszeit und damit auch viele Erinnerungen. Man muss zur richtigen Zeit auf „Rec“ und „Play“ drücken. Das geht nur, wenn man entweder die ersten Sekunden eines Songs nicht mitschneidet und schnell zum Kassettendeck hechtet. Die zweite Alternative ist, dass man den Titel vorher kennt. Dann muss er angesagt sein. So hatte ich ein Jahrzehnt lang feste Termine: Samstags nachmittags wo die Neueinsteiger und Aufsteiger der deutschen und US-Charts gespielt wurden, Sonntags abends das Gegenstück die Hörerhitparaden von SDR und SWF, wobei die SWF-Hörer einen besseren Geschmack hatten, aber auch Frank Laufenberg, der dauernd in die Titel reingequasselt hat. Mensch habe ich das damals gehasst. Radiomoderatoren, die reden während der Titel schon läuft oder wenn er fast zu Ende ist oder noch schlimmer in der Mitte. Das zweite waren die Wunschstunden, im SDR wochentags immer von 18-19 Uhr auch da wurde vorher angesagt. Als der SDR 1989 die erste Nonstop-Hitparade („Top 1000 XL“ machte, war das toll. Ich habe etliche Kassetten bespielt auch mit Titeln, die sonst selten liefen. Kurzum: es steckt viel Zeit in jeder Kassette. Man sitzt stundenlang vor dem Radio nur, um zum richtigen Zeitpunkt auf die richtigen Tasten zu drücken. Die Ausbeute: einige Songs pro Stunde. Aber das prägt auch und es sorgt für Verbundenheit zu den Kassetten.

Aus heutiger Sicht habe ich enorm viel Geld dafür ausgegeben. Ich habe nur wenige Kassetten gekauft. Eigentlich nur alle Alben der Beatles und eine von Whitney Houston. Aber es waren im Laufe der Zeit drei Kassettendecks, das Letzte sogar ein Doppelkassettendeck, zwei Receiver und dann kam noch ein Equalizer hinzu. Zusammen sicher 2000 Mark. Dabei ist die Ausstrahlung über das UKW schon mit einem Informationsverlust verbunden und selbst bei teuren Kassettendecks und teuren Kassetten auch die Aufnahme verlustbehaftet. Dafür hätte ich auch 100 bis 150 Schallplatten kaufen können. Einen Schallplattenspieler habe ich aber niemals besessen und ein CD-Spieler kam, auch erst als ich schon nicht mehr auf Kassette aufzeichnete. Das lief anfangs der Neunziger aus, lange bevor ich Musik auf CD oder gar MP3 gehört habe. Der Grund war, dass das, was in den Charts kam, nun nicht mehr meinem Musikgeschmack entsprach, der zugegebenerweise in den Achtzigern stehen geblieben ist.

Eines hatte ich nur selten: Bandsalat. In der Sendung wurde gesagt, die „Generation Kassette“ würde man daran erkennen, dass sie wissen, was die Verbindung zwischen einem Bleistift und einer Kompaktkassette ist. Für alle, die zu jung sind: Mit dem eckigen Griff des Bleistifts konnte man ideal die Räder in den Kassetten drehen, um ein entwickeltes Band „Bandsalat“ wieder aufzurollen.

Nun haben wir ein neues Jahr. Ich sehe relativ pessimistisch in das neue Jahr. Der Hauptgrund ist Donald Trump. Noch nie habe ich jemanden erlebt de weniger geeignet als Politiker ist als er. Die Leute, die er als Berater und Kandidaten für Ministerämter präsentiert, machen auch wenig Hoffnung das, die ihn zurechtstutzen. Es scheint eher noch schlimmer zu werden. Viel Hoffnung auf das Parlament in den USA kann man auch nicht haben. Wenn dort ein völliger Vollpfosten sagt „Wir müssen den Irak angreifen, die haben dort Chemiewaffen und unterstützen Terrorristen“ und als Beweis dann gezeichnete Risszeichnungen von Anlagen auf LKW liefert, dann jubelt ihm das Parlament zu und steht voll hinter ihm. Wenn dort einer aber meint, man müsste jeden Amerikaner Krankenversichern und die Triebhausgase senken, dann blockieren sie seine Politik, was bis fast an den Staatsbankrott geht. Putin sollte in die USA auswandern und US-Staatsbürger werden. Ich bin überzeugt die Amis würden ihn sofort wählen und er müsste nicht mal die Wahl manipulieren.

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