SpaceX: vom Hai zum Koi

Zum Abschluss meiner kleinen SpaceX Reihe will ich heute mal das Geschäftsmodell und ihre Erfolgsaussichten untersuchen. Mein persönliche Einstellung zu SpaceX hat sich ja im Laufe der Zeit geändert. Als ich anfangs über die Firma berichtete erschien sie eine positive Bereicherung zu sein – warum es nicht anders versuchen, und das heute viel Bürokratie in den Firmen vorliegt und viele mehr Rechtsanwälte und Betriebswirte als Ingenieure beschäftigen ist meiner Meinung nach auch nicht gerade förderlich wenn man Raumfahrt preiswerter machen will. SpaceX klang nach einem Hai im kommerziellen Launchgeschäft.

Meine Einschätzung änderte sich im Laufe der Zeit, als der Users Guide der Falcon 1 verschwand, irreale Termine auftauchten und technische Daten durch Vergleiche mit anderen Trägern, Postulierten Leistungen „engine out cability“ z.B. ohne Beweis erschienen. Da die Firma zudem die Performance ihrer Falcon 1 reduzieren musste und die Falcon 9 irreale Leistungsdaten aufwies, stehe ich heute Angaben der Firma sehr kritisch gegenüber, zumal sich eigene Berechnungen und Gegenargumente bisher immer als richtig erwiesen.

Schauen wir uns mal den Markt an den die Firma avisiert und wie sie sich darin schlägt.

Sie bietet zwei Raketen mit 900 und etwa 8 t Maximalnutzlast an. Daneben noch eine Kapsel die bergungsfähig ist für ISS Transporte oder andere unbemannte Raummissionen.

Die Falcon 1e liegt in einem Segment wo es nur wenige Nutzlasten gibt und einige Konkurrenz auf US-Seite. Es ist heute hier nicht das große Geld zu machen. Jeder dieser Träger fliegt nur wenige Male pro Jahr, wenn überhaupt. Europa und Russland haben eigene Trägersysteme, somit ist nur mit US-Aufträgen zu rechnen.

Die Falcon 9 hat nach SpaceX Angaben 10,45 t Nutzlast für LEO, 4,5 t für GTO. Selbst wenn sie die LEO Nutzlast erreichen sollte, was noch nicht gesagt ist, so ist doch eine nur halb so große GTO Nutzlast bei nur zwei Stufen und mittelenergetischem Treibstoff physikalisch unmöglich. Sie wird wahrscheinlich unter 3 t liegen. Der Träger selbst liegt damit in der Nutzlastklasse der Delta II.

Gerade deren Produktion wurde nun aber eingestellt: Die USAF wird ihre nächsten GPS Satelliten mit der Delta IV/Atlas V starten und die NASA hat einen Bedarf für nur etwa 1-2 Starts pro Jahr, für die sich aber keine eigene Produktionslinie lohnt. Für GTO Starts ist sie zu klein und konkurriert mit der Sojus um die wenigen Starts.

Bleibt noch eine Kapsel die bergungsfähig ist. Das ist für ISS Transporte nicht notwendig, sondern senkt nur die Nutzlast. Auch umfasst der derzeitige Transportvertrag keinerlei Rücktransport von Fracht.

Das führt zum Auftragsportofolio. Es umfasst derzeit nach Elon Musks Angaben 2,78 Milliarden Dollar, die COTS Aufträge machen mit 1,88 Milliarden Dollar mehr als zwei Drittel dessen auf. Von den anderen Aufträgen belegt einer die Hälfte des restlichen Volumens: Der Transport des Irdiumnachfolgesystems, für das die Firma erst noch die Finanzierung stemmen muss. Also: Zwei Drittel der Aufträge haben die Versorgung der ISS zum Ziel, bei einem weiteren Sechstel ist der Auftrag noch nicht sicehr.

Die Firma ist damit von einem Auftrag abhängig. Nicht von der NASA wie viele andere kleinere Aerospacefirmen wie z.B. der unmittelbare Konkurrent um diesen Transportauftrag OSC, sondern von diesem Auftrag. Sollte es hier Probleme geben so wird OSC die Gesamtsumme von 3,5 Milliarden absahnen und mit den wenigen Startaufträgen für andere Nutzlasten wird die Firma nicht überleben können. Vom preiswerten Zugang zum Weltraum ist nicht viel übrig geblieben. Die Firma hängt mehr am Staatssäckel als andere Firmen wie z.B. Boeing bei denen die Space Sparte nur ein Teil ihrer Produktion ist.

Erstaunlich ist nun, das die Firma die Abhängigkeit noch vergrößern will. Auf der Website wird bei jeder Gelegenheit hervorgehoben, dass die Dragon für bemannte Einsätze konzipiert wurde und Musk lässt sich bei jeder Gelegenheit darüber aus dass die Dragon besser sei als die Orion. Er rief auch dazu auf Kongressabgeordneten mit Mails zu bombardieren damit SpaceX bemannte Transporte durchführen wird. Warum das? Nun es gibt viel mehr zu verdienen. Die NASA gab zwischen 2006 und 2010 rund 4,8 Milliarden für die Orion aus. Der COTS Auftrag aus dem selben Zeitraum umfasst nur 278 Millionen Dollar – weniger als ein Zehntel der Summe. Das wichtigste ist das die Gelder fließen, nicht ob man an den Starts verdient, denn bei bemannten Raumfahrzeugen ist die Entwicklung erheblich teurer als bei unbemannten. Selbst wenn man scheitert oder das Projekt eingestellt wird – die Gelder hat man erhalten, sowie Lockheed einen guten Batzen der Orion Entwicklungskosten.

Dumm nur, das das unabhängige Safety Advisatory Panel, das einberufen wurde nach dem Apollo 1 Unglück sich gegen die Firma und ihr Konzept ausspricht. So stehen die Chancen schlecht den Auftrag zu bekommen, zumal Lockheed und Boeing eines SpaceX und OSC voraus haben: Sie haben einige Jahrzehnte Erfahrung und auch schon bemannte Raumfahrzeuge entwickelt. Die Landung der Boeing X-37B vor wenigen Tagen wurde anders als der Dragon Start kaum beachtet. Okay. Es gibt also einen sich selbst stabilisierenden Eintrittskörper der 5 Stunden im All ist und dann an Fallschirmen wassert einen zweiten, der  220 Tage im All ist, beim Eintritt und der Landung aktiv gesteuert werden muss und der punktgenau auf einer Landepiste landet. Welche Firma hat wohl die größere Kompetenz im Bau von Raumfahrzeugen?

Bleibt noch der COTS Kontrakt. Ich sehe hier das Rennen offen: OSC muss auch erst mal seine Rakete testen genauso wie sein Raumschiff. Allerdings hat sich der zeitliche Vorsprung von zwei Jahren inzwischen auf ein Jahr reduziert. OSC kann pro Start mehr Nutzlast zur ISS transportieren. Für die 20 t sind nur acht Starts angesetzt bei SpaceX dagegen zwölf.

Die NASA scheint sich da auch nicht so sicher zu sein. Zitat von Phil McAlister Acting Director, Commercial Space Flight Development NASA HQ Washington bei der Presskonferenz nach dem COTS-1 Start: “We’re not going to know until the end of the program if we’ve been ultimately successful in achieving the capability of delivering these services to ISS.”. Nun ja Kois werden fett, wenn man sie füttert, aber sie werden nicht wirklich nützlicher.

5 thoughts on “SpaceX: vom Hai zum Koi

  1. Mühsam.
    Du hast leider kein Vision.
    Diesen Blog sollte eigentlich auch mit ins All geschossen werden-ohne Plan für re-entry…this blog has a problem…
    end message

  2. Daß Firmen sich gegenseitig in die Pfanne hauen ist nicht neu, und daß die Großen die Kleinen schlucken auch nicht. Aus der Sicht wäre in die Pfanne hauen und aufessen auch bei SpaceX durchaus möglich. Und falls der COTS-Vertrag platzt sogar recht warscheinlich.
    Andere Einsatzmöglichkeiten wie die Versorgung von Touristen-Raumstationen sind zwar theoretisch möglich, ob das aber jemals etwas wird und wenn ja wann ist eine noch völlig offene Frage.
    Schließlich nutzt selbst die beste Verdienstmöglichkeit nichts, wenn sie zu spät kommt. Und die Konkurrenz schläft auch nicht, wie hier zu sehen ist: http://www.raumfahrer.net/news/raumfahrt/16122010190826.shtml

  3. Einen Shuttle als kommerziellen Crew Transporter hat auch OSC vor einigen Tagen vorgestellt. Ich denke aber nachdem die NASA nach Columbia erkannt hat, das Shuttles niemals die gleiche Sicherheit wie eine Kapsel aufweisen (auch bei Orion wurde ja wieder auf eine Kapsel gesetzt) dürften diese Vorschläge einen schlechteren Stand haben als Kapseln wie die von Boeing.

    Derzeit regiert bei der NASA ein Stichwort LOC-Risiko: LOC = Loss of Crew (Tod der Besatzung). Es führte zur Ares I (gegen Atlas/Delta) und ich denke es wird auch gegen SpaceX sprechen. Physikalisch ist eine Kapsel sicherer weil sie bei geeigneter Formgebung sich so beim Wiedereintritt dreht dass der Hitzeschutzschild in die Flugrichtung schaut. Ein Gleiter muss imemr aktiv stabilisiert werden., Darüber hinaus ist sie kompakter und kann bei gleicher Startmasse massiver gebaut werden.

  4. Ich habe aktuell das Problem, das die NASA das Risiko komplett falsch anfasst. Raumfahrt ist gefährlich, das weiß jeder. Ehe man versucht, mit Unsummen eine vermeintliche Sicherheit zu schaffen, von der keiner weiß, ob sie überhaupt erreichbar ist, wäre es sinnvoller, die Gefahr der Raumfahrt offener zu kommunizieren. Viele Berufe sind gefährlich und bei großen Bauprojekten werden tödliche Arbeitsunfälle schon von Anfang an mit eingerechnet (allein beim Bau des Word Trage Center gab es 60 Tote durch Unfälle). Ehe man so tut, als ob Raumfahrt etwas völlig harmloses wäre, sollte man den Leuten lieber klar machen, das Raumfahrt gefährlich ist und man zu jeder Zeit mit Todesopfern rechnen muss. Natürlich darf mit dem Leben der Austronauten kein russisches Rolette gespielt werden, aber es darf auch nicht sein, das bemannte Raumfahrt wegen der Sicherheit praktisch unbezahlbar wird. Die NASA hat auch noch andere (wichtigere) Aufgaben als ein paar Astronauten ins All zu schicken. Bemannte Raumfahrt muss bezahlbar bleiben.

    Es kann nicht sein, das man die EELV Träger (die aktuell genau so sicher sind wie die Saturn Träger) als nicht geeignet ansieht, weil die Sicherheit nicht hoch genug liegt. Das ist hirnloser Unsinn. Ein vernünftiger Träger wie die Delta 4, ein Rttungssystem und ein zusätzliches Fehlererkennungssystem sowie eine angepasste Flugbahn des Trägers sollten für einen sicheren bemannten Flug locker ausreichen, da braucht man keine Ares 1, die die projektierte Sicherheit eh nie erreichen würde.

    Von daher sehe ich sogar theoretische Chancen für SpaceX, obwohl ich eindeutig die Boeing Kapsel bevorzuge. Bleibt zu hoffen, das sich die NASA schnell entscheidet, damit nicht noch mehr Geld für sinnlose Projekte rausgeworfen wird. Dann bleibt vielleicht auch für die unbemannte Raumfahrt wieder mal was übrig. 24 Jahre nach Voyager gibt es immer noch keine Pläne für eine neue UranAus Sonde (von Neptun mal gar nicht zu reden) und auch eine neue Jupitermission zur Erkundung der Monde ist frühestens in 10 Jahren Startbereit. Das Beispiel Cassini zeigt, was eine unbemannte Sonde leisten kann und diese Sonde kostete nicht mal die Hälfte von dem, was die USA pro jahr für die bemannte Raumfahrt ausgeben…

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