Buchkritik: Sven Piper:Exoplaneten

Nach Eugen Reichels neuestem Buch nun die nächste Buchkritik eines aktuellen Titels. Sven Piper ist wie ich Jungautor, konnte aber für sein Thema den renommierten Springer Verlag zur Veröffentlichung bewegen. Das Buch spannt einen sehr weiten Bogen. Er beginnt mit einer Geschichte der Astronomie, Dann beginnt die packende Story der Entdeckung der ersten Exoplaneten. Es folgt eine sehr kurze Beschreibung der Methoden, wie man die Planeten neben dem viel leuchtkräftigeren Stern entdecken kann. Das nächste Kapitel widmet sich den Satellitenmissionen und erdgebundenen Instrumenten mit denen bisher Planeten entdeckt. Die Problematik diese direkt abzubilden nimmt das nächste Kapitel ein.

Danach folgt eine Einführung in die Klassifizierung der Planeten und er wirft einen Blick auf einige bekannte Exoplaneten, die besonders aus der Masse herausragen. Es schließt sich ein Vorausblick auf einige geplante Raumfahrtmissionen für die Suche an (irdische Teleskope scheinen wohl nicht so wichtig zu sein) und er beschäftigt sich in den letzten beiden Kapiteln mit der Frage wie Leben im Universum entstehen könnte, wo es im Sonnensystem entstehen könnte und wie sinnvoll die Suche nach anderen intelligenten Wesen sein könnte.

Das gute zuerst: Anders als bei Reichl, sind mir wenige offensichtliche Fehler aufgefallen. Die wenigen hängen alle zusammen: Wenn es darum geht außerirdisches Leben zu postulieren entfallen bei einigen Themen die Kontraargumente. So denke ich als Chemiker, dass es wohl kein Leben auf Siliziumbasis geben wird und ein Blick ins Chemiebuch reicht auch aus, um das zu erkennen. Schiaparelli sprach bei Canali nicht von künstlichen Wasserläufen, sondern natürlichen und inzwischen meint nicht mal die NASA in ALH 84001 Bakterienspuren entdeckt zu haben. Dafür vielen mir viele Ungenauigkeiten auf. So schreibt Piper die Sojus wäre als Trägerrakete für Corot ausgewählt worden, weil sie preiswerter gewesen wäre als eine Ariane und der Satellit auch zu klein ist. Das ist so richtig, allerdings ist das nicht der Grund gewesen. Auch eine Sojus ist noch für den knapp 400 kg schweren Satellit zu groß. aber die Sojus wird von französischen Unternehmen mitvermarktet, die für diesen Satelliten eigentlich ausreichenden Kosmos oder Rockot dagegen nicht. Das ist so ein typisches Beispiel, wo die Aussage zwar im Prinzip richtig ist, aber eben nicht ganz. Dazu gehören auch schon in anderen Kritiken bemerkte Übersetzungsfehler englischer Fachbegriffe ins Deutsche.

Das leitet mich weiter zu der Kernfrage, die ich mir gestellt habe, als ich das Buch las: für wen ist es gedacht oder geeignet. Es gibt meiner Ansicht nach drei Möglichkeiten ein solches Thema zu behandeln:

  • Als Wissenschaftsjournalismus: Forschung lebendig machen, zu zeigen wie spannend sie ist. Hier steht das Erzählen und Menschen im Vordergrund. Bücher dieser Art sind selten. Sie stammen meistens von ehemaligen Projektleitern oder Leuten die gute Kontakte haben z.B. hat Daniel Fischer einige solche Bücher veröffentlicht.
  • Als Einführungsbuch: gedacht an eine kaum oder nur wenig vorgebildete Allgemeinheit: Zur Einführung in ein Themengebiet, und um Interesse zu wecken. Hier muss viel erklärt werden. Die Informationsdichte ist eher gering. Die meisten Bücher entfallen in diese Kategorie.
  • Als Buch für inetreessierte Laien: Hier ist das Zielpublikum astronomisch vorgebildete Laien. Die Informationsdichte ist hoch, es wird durchaus auch tief in die Materie eingedrungen. Die wenigsten Bücher schaffen diesen Spagat zwischen Fachbuch für Wissenschaftler und Einführungsbuch (siehe oben).

Sven Pipers fällt in keine der Kategorien und enthält Teile von allen drei und das kann man je nach Sichtweise als Vorteil oder Nachteil sehen. Zum einen findet man erzählerische Bestanteile, wie in der ersten Kategorie. Zum andern geht er nicht so tief in die Materie hinein, wie in der zweiten Kategorie. Trotzdem ist die Informationsdichte recht hoch. Piper schreibt über sehr viele Dinge, vertieft aber keines der Themen, obwohl z.B. es sehr wichtig wäre, die Methoden Exoplaneten zu finden genauer zu beschreiben. Grafiken zur Verdeutlichung würden hier nicht schaden. Wer also schon astronomisch vorgebildet ist, mag an vielen Stellen Tiefe vermissen und sich fragen ob man nicht vielleicht das Kapitel über die Geschichte der Astronomie dafür rausgeschmissen hat. Der Laie dagegen könnte mokieren, das selbstverständlich vorausgesetzt wird, dass man weis, was ein Lichtjahr ist, wie groß die Entfernung ist und wie sich dies auf die Kommunikation auswirkt, oder dass Körper die Zimmertemperatur haben im IR-Bereich Strahlung aussenden und Berge um so flacher werden, je mehr Masse ein Himmelskörper hat. Das wird alles erwähnt, aber nicht erklärt. Selbst ich finde die Angabe, dass Detektoren aus Arsendotiertem Silizium bestehen, als überflüssige Information, die ohne Erklärung nur wichtig ist für Leute, die die Empfindlichkeit verschiedener Detektoren auswendig wissen.

So gesehen kann man das Buch vollständig zerreißen oder hoch loben, je nachdem welche Erwartungshaltung man hat. Im positiven Sinne ist es ein Buch, dass über den Titel hinaus einen sehr breiten Bogen schlägt. Dem Leser auch Astronomiegeschichte, die Entstehung des Lebens oder die Möglichkeiten, wo sich im Sonnensystem Leben bildet nahe bringt und einiege Satelliten ausführlicher bespricht. Im negativen Sinn wird das eigentliche Thema nicht genug vertieft. Die Methoden zur Suche werden nur erzählt, Limits und Einschränkungen finden sich nicht. Es fehlen quantitative Angaben über die bisher gefundenen Planeten. Wie verteilen sich Masse, Entfernungen, Oberflächentemperaturen, Zusammensetzungen? Wie viele Exoplaneten wurden überhaupt entdeckt? Welche Prozesse laufen in 800C heißen Gasriesen ab etc.. Also viele Detailfragen bleiben offen.

So überlasse ich es dem Leser sich ein Urteil zu bilden. Ich tue dies auch, weilichselbst ja noch weis, wie meine ersten beiden Bücher waren und ich habe von beiden inzwischen Neuauflagen folgen lassen. Ich denke man sollte bei einem Jungautor etwas weniger kritisch sein. Schließlich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und man lernt immer dazu.

Sven Pipers Website astris.de

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