’s ist zu spät

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Das sagt nicht nur Othello zu Desdemona im zweiten Aufzug, bevor er sie erstickt sondern das möchte ich auch John Glenn und Michael Griffin zurufen. (Nur mal um ein bisschen klassische Bildung in den Blog einzustreuen). Nun warum? John Glenn hat sich dafür ausgesprochen die Shuttles weiter zu betreiben.

Nun ja, das ist nichts außergewöhnliches Glenn ist ja Astronaut. Doch ungewöhnlich ist der Zeitpunkt: Die Äußerung kam am 21.6.2010. Nur mal als kleine Zeitlinie. Am 29.3.2006 beschloss die NASA die Ausmusterung der Space Shuttles. Das bedeutete zu diesem Zeitpunkt noch nichts. Ernst wurde es erst im Laufe des Jahres 2008, als die NASA begann Terminierungskontrakte mit den Zulieferern auszuhandeln. Das ganz hat schon 2009 einmal ein Shuttle Manager in seinem Blog erläutert (leider habe ich den Link nicht an der Hand) und schon damals schrieb er war es unumkehrbar. In den letzten zwei Jahren hörte man dann von Stellenabbau bei den Produzenten. So haben schon letztes Jahre die meisten Arbeiter bei der Fabrik die die Tanks produziert, ihr Kündigungsschreiben erhalten. Das sind Tatsachen die man nicht ignorieren kann.

Das Shuttle Programm kostet ja nicht nur so viel, weil die Sicherheitsstandards hoch sind oder die Herstellung der Hardware so viel kostet. Das Programm kostet so viel, weil die NASA dafür zahlt Teile zu erhalten die sonst längst nicht mehr produziert werden würden. Das Shuttle wurde Anfang der siebziger Jahre konzipiert, der letzte Orbiter vor mehr als zwei Jahrzehnten gebaut. In dieser Zeit ändern sich Technologien, Herstellungsweise und Teile werden unüblich, selbst wenn es nicht Mikroelektronik ist (die z.B. nicht mehr nachgeordert werden kann – kein Hersteller kann es sich leisten, eine Produktionsstraße aufrecht zu erhalten, welche Chips mit der Technologie der siebziger Jahre herstellt – also nicht Chips mit der gleichen Logik in neuen Gehäusen und neuen Versorgungssspannungen, sondern in exakt den damals üblichen Plastikgehäusen – sie müssen ja in die vorhandenen Platinen passen). Wenn heute die Produktion erneut angeschmissen werden würde, gäbe es zwei Punkte. Das erste, es würde wenn alles noch vorhanden wäre, mindestens zwei Jahre dauern bis neue Tanks, Feststoffraketen etc. wieder zur Verfügung stehen. Das zweite: Das die Teile nochmals erhältlich sind ist sehr unwahrscheinlich, eben weil die NASA vor zwei Jahren schon die Verträge beendet hat. Danach war niemand mehr verpflichtet für die NASA zu produzieren. Natürlich kann man nach neuen Teilen suchen – doch wie in der Raumfahrt üblich, müssen diese dann neu qualifiziert werden – sprich getestet und die Verträglichkeit mit dem Gesamtsystem untersucht werden. Das dauert viel länger als zwei Jahre, sodass ein Shuttle mit neuen Teilen noch ein paar Jährchen länger nicht zur Verfügung steht. Vielleicht wäre die Situation anders hätte sich die NASA für den Vorschlag von Boeing erwärmt hätte nach dem Verlust der Columbia einen neuen Orbiter zu bauen. Doch man wollte ja lieber ausmustern. Das sollte eigentlich Glenn wissen, denn das ist kein Geheimnis. So fällt seine Äußerung eigentlich nur auf ihn selbst zurück.

Das zweite ist Michael Griffin. Ich habe jetzt von ihm schon mehrere Aussagen gelesen in allen jammert und schimpft er über die Einstellung von Constellation und Obamas Plan wäre „just money“. Nun in letzterem, stimme ich überein. Ob das was nun kommt, erst der Anfang eines größeren Programmes ist oder nur eine Kompensation um den Aufruhr bei zahlreichen NASA Zentren und Firmen, die schon goldene Jahre witterten, zu dämpfen wird erst die Zukunft zeigen. Derzeit würde ich es auch für das zweite ansehen. Doch Griffin ist der letzte der das bemängeln darf. Das Constellation eingestellt wurde, daran ist am meisten Griffin schuld: Er war für das Programm verantwortlich. Hier ein paar Fakten Mr. Griffin:

  • Sie verkauften der Öffentlichkeit ein Programm, das finanziert werden sollte durch das Einstellen laufender Programme – neben den vielen unbemannten Projekten vor allem durch Einstellung von Shuttle und ISS. Das ist so ziemlich das dämlichste was man tun kann – eine Raumstation und ihr Hauptversorgungstransporter einstellen, wenn sie fertig sind.
  • Trotzdem wurde das Programm immer weiter zusammengestrichen. Die Mondbasis fehlt, die Zahl der Astronauten wurde reduziert.
  • Dabei steigen die geschätzten Kosten von 85 auf 120 Milliarden Dollar an und der Zeitpunkt der ersten Mondlandung verschob sich immer weiter. Nach der Augustine Kommission wäre 2030 realistisch.
  • Wesentliche Teile sind nach 6 Jahren noch nicht mal im Design festgelegt. So die Ares V und der Altair Lander. Sechs Jahre nach Kennedys Aufruf startete die erste Saturn V – die NASA brachte gerade mal den Start eines normalen Shuttle-SRB mit Ballast in sechs Jahren nach Ausrufen von Constellation hin.
  • Trotzdem hat der Spaß bis jetzt schon 9 Milliarden Dollar gekostet

Also ehrlich: Wenn ich soviel Mist verbockt hätte, dann würde ich ich nicht beschweren, wenn ich durch jemand anders ersetzt werden würde. Für Beschwerden ist es dann zu spät.

2 thoughts on “’s ist zu spät

  1. Hat man denn irgentwann mal versucht, eine Rakete modular zu bauen? Modular in dem Sinn, dass für alle Komponenten Anforderungen an die Funktion und Form so festgesetzt werden, dass man sie jederzeit durch eine andere Komponente austauschen kann die im inneren Aufbau abweicht, deren Form und Funktion identisch ist, ohne dafür die ganze Rakete neu qualifizieren zu müssen?

    In anderen Branchen ist ein solches Vorgehen ja durchaus üblich … und anders als in der Raumfahrt wird die Produktion bei denen mit der Zeit auch immer billiger und nicht teurer.

  2. Nein, wahrscheinlich nicht in dem Sinn wie Du das meinst. Es gab früher dir Möglichkeit Stufen auszutauschen so flog die Titan mit der IUS oder Centaur Oberstufe und die Atlas mit der Agena oder Centaur, aber nie auf Teilebasis. Was auch geht ist es ganze Triebwerke auszutauschen, dass wurde z.B. bei der Atlas mehrmals so gemacht.

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