Ed Roberts und MITS

Ich habe nun parallel zu meinem Ernährungsbuch, weil ich mich doch damit in letzter Zeit verstärkt damit beschäftigt habe, nun angefangen am übernächsten Buch „Computergeschichte(n)“ zu arbeiten. Ich fing also an bei den Anfängen – Ed Roberts und dem Altair 8800. Dabei habe ich festgestellt, das Ed Roberts am 1.4.2010 gestorben ist.

Diese Meldung ging zwar in Deutschland über den Heise Ticker, aber sie erschien nicht in der ct und ich vermute auch nicht in anderen Fachzeitschriften. Das ist nicht das erste Mal. Auch der Tod von Gary Kildall 1994 wurde nirgends gewürdigt. Ich finde das ziemlich traurig. Fachzeitschriften ist eine neue Chipsatzrevisioon von Intel mehrere Seiten Tests wert – von Boards die in ein paar Monaten nicht mehr erhältlich sind, aber die Personen, die diese Industrie erst begründet haben sind keine Zeile wert.

Das unterscheidet sich ziemlich von dem Bewusstsein, das echte Wissenschaften haben. In der Chemie wird das Andenken an Forscher gepflegt. Anekdoten bereichern die Vorlesungen. Vorlesungssäle wurden bei uns nach deutschen Chemikern benannt und Reaktionsformeln oder Typen werden nach Chemikern benannt. (wer sich mit Ethern beschäftigt sollte z.B. auf die Staudinger-Explosionen achten….).

Die Computerwissenschaft (sofern man sie überhaupt so nennen kann) hat ein Bewusstsein für Leistungen und Geschichte. Es ist eben keine echte Wissenschaft sondern nur Technik und in Technik gibt es keine herausragenden Persönlichkeiten. Im Gegenteil: Wer es weit gebracht hat wird meist kritisiert wie Bill Gates oder Steve Jobs.

Was ist das Verdienst von Ed Roberts? Um es kurz zu fassen – er erkannte, dass man um den 8080 Prozessor ein Computersystem bauen kann. Er entwickelte ein rudimentäres System, das er preiswert verkaufen konnte. Der niedrige Preis und das er der Erste war, das waren die Gründe für den Erfolg. Wäre er später auf den Markt getreten oder der zweite gewesen, wohl sicher heute vergessen gewesen.

Ich habe meinen Artikel über Ed Roberts und den Altair aktualisiert. Daher an dieser Stelle nur einige Punkte. Ed Roberts war der einzige mit einem Abschluss in Elektronik in seiner Firma. Das ergab zahlreiche Mängel im Design des Altairs. So mussten die Basisplatinen durch jeweils 100 Drähte verbunden werden. Die CPU Platine hatte bei den Steckern ein von den Steckern auf der Basisplatine abweichendes Raster (0,15 und 0,156 Zoll), Spannungen mussten jeweils auf den Karten von der Netzteilspannung generiert werden und und und…

Sie verzögerten die Auslieferung der ersten Altairs auf März 1975 und die ersten waren dann oft fehlerhaft und mussten repariert werden. Später hatte MITS Probleme bei den 4 KByte Speicherkarten die notwendig waren um die einzige kommerziell verfügbare Software einzusetzen – das Altair BASIC.

Sehr bald kamen daher Fremdhersteller auf den Plan. Sie boten funktionierende Speicherkarten an (Processor Technologies), Erweiterungskarten die MITS nicht anbot (Cromenco: „Dazzler“ Karte für Grafik) oder bauten einen Clone, der mechanisch und elektrisch besser als der Altair 8800 war (IMSAI 8080). Letztere wurden durch die MITS Politik ja sogar dazu gedrängt – sie brauchten die Altairs als Terminal, aber Vorauskasse und 90 Tage Lieferzeit sind bei Geschäftskontakten nicht gerade üblich und sprechen für eine Firma die zuverlässig ist. Ed Roberts bezeichnete diese als Parasiten und Schmarotzer die von seiner Idee profitierten. Wie später andere Computerpioniere erkannte er nicht, dass im Endeffekt diese Vielfalt den Markt vergrößerte – schlussendlich war der Altair in der Grundausstattung ein Gerät nur für Elektroniknerds, die nicht davon zurückscheuten jedes Programm beim Start über 8 Binärschalter einzugeben. Ach ja ein Betriebssystem gab es nicht, nur die Ausgabe eines Bytes in binärer Form durch LED an der Frontblende. Erst durch die Erweiterungen war der Rechner für viel benutzbar.

Ed Roberts war kein Geschäftsmann. So bestand er darauf dass ein Händler nur Altairs verkaufen dürfte, keine Peripherie von Fremdherstellern oder Konkurrenzgeräte. So beschneidet man den Markt künstlich. Er konnte sich auch nicht von den Kits lösen, die MITS bisher produzierte und den eigentlich folgerichtigen Schritt zu einem vollwertigen Computer, also einem mit Tastatur, Monitoranschluss und Massenspeicher erfolgte nicht. Dieses Privileg kommt daher dem „Sol“ von Processor Technologies. Stattdessen entwickelte er auch ein Kit auf Basis des MC 6800.

Das zeigte sich auch bei dem Vertreib von BASIC. Wie bekannt, programmierten Bill Gates und Paul Allen das BASIC für den Altair. Der Vertrag sah vor dass MITS das exklusive Recht für den Vertreib von BASIC hatte (wohlgemerkt BASIC und nicht nur für den Altair). Micro-Soft erhielt eine Beteiligung für jede verkaufte Kopie mit einer Kappung bei 180.000 $. Doch Micro-Soft wurde damit nicht glücklich. Bill Gates machte Softwarepiraterie durch den Homebrew Computerclub verantwortlich. Doch der Hauptverantwortliche war Ed Roberts und MITS. MITS konnte die 4 KByte Speicherkarten nicht zum Arbeiten bringen. Mit diesen wurde aber das BASIC vertrieben. Es kostete ohne die Karten mehr als mit Karte. Logisch dass dies erst recht die Piraterie förderte. Noch schlimmer: Es gab Anfragen anderer Firmen nach Lizenzen. Firmen die nicht in Konkurrenz zu MITS standen sondern z.B. das BASIC für größere Computer brauchten oder nur auf dem japanischen Markt ansässig waren. Roberts sah jedoch in jeder Firma die einen Computer herstellte als einen Konkurrenten und lizenzierte kein einziges BASIC.

Er erkannte bald, das BASIC das wichtigste Pfund war mit dem MITS wuchern konnte – es war die einzige vorhandene Anwendungssoftware und zugleich Betriebssystem (später gab es auch ein Disc BASIC). Er sprang rechtzeitig ab. im Mai 1977 verkaufte er MITS an Pertec, einen Hersteller von Speichergeräten. Pertec befand dass der Name „Altair“ zu sehr nach Hobbyisten klänge und stellte die Produktion ein. Das bewog auch Gates und Allen, die trotz einiger Konflikte zögerten den Vertrag mit MITS zu lösen auch dagegen zu prozessieren. Sie gewannen – da MITS erwiesenermaßen eine Bestimmung „ihr möglichstes zu tun um BASIC zu verbreiten“ verletzt hatten,

Der Rest ist Geschichte. Am 1.4.2010 starb Ed Roberts im Alter von 68 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung.

2 thoughts on “Ed Roberts und MITS

  1. Liegt an der (im Vergleich zu heute) geringen Stückzahlen und der (zumindest beim Altair) schlechten Verarbeitung. Sehr viele dürften heute nicht mehr laufen. Das ist dann der gleiche Effekt wie bei Oldtimern bei den Autos: Sie sind heute teurer als früher.

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