Was will der Mensch im Weltraum 2

Heute erneut ein Gast-Blogeintrag von Frank, ich denke von mir wird auch noch einer folgen, doch stehen derzeit noch drei andere zur Veröffentlichung bereit. Wie immer gibt es bei Gastbeiträgen zwei Tage Zeit zum Diskutieren, damit sie auchjederwürdigen kann. Von mir gibt es dann am Sonntag einen neuen.


Danke für die Resonanz auf Teil 1 meines Beitrages. Zu technischen Fragen der Raumfahrt kann ich ja nicht so viel beitragen. Das ist ja der Vorteil dieses Blogs, dass man sich zu Raumfahrtthemen austauschen kann und dass neben sachlicher Information auch Raum für Phantasie bleibt. Neben der Bewertung des Einsatzes von Menschen oder den Möglichkeiten der Automation, hier noch ein Aspekt, den ich für wesentlich erachte. Phantasie, Träume und Realismus haben die Raumfahrt doch von Beginn an begleitet. Aber ich meine doch, dass die Verwirklichung Ideeller Ziele immer teuer erkauft werden musste. (Und jetzt muss ich ganz weit ausholen.)

1929 sieht Werner v. Braun Fritz Langs Science-Fiction Film „Die Frau im Mond“. Das scheint ihn sehr geprägt zu haben. Denn auch auf der späteren V2 ließ er das Bild von Frau Luna aus dem Film anbringen. Soviel zum ideellen und träumerischen bei ihm. Umsetzen konnte er seine Raumfahrtvisionen nur mithilfe der Militärs. Die wollten mit den Raketen sicher nicht zum Mond. Dass die Militärs überhaupt für so etwas Exotisches wie Raketen offen waren, sollte uns eigentlich heute erstaunen. Raketen wurden im Signalwesen genutzt, auch gab es Beispiele aus dem alten China und Versuche im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Das Potential eines praktischen Nutzwertes als Artillerie zu erkennen, war schon eine ungewöhnliche Leistung. Um diesen Hintergrund zu verstehen muss man den I. Weltkrieg mit in die Betrachtung hereinnehmen.

Das Militär in Deutschland verstand sich immer schon als Staat im Staate. Im ersten Weltkrieg hat man sich bereits sehr genau mit volkswirtschaftlichen Fragestellungen befasst. Nicht nur Produktionskapazität und Rohstoffe, auch Logistik und Informationstechnologie. Es gab z.B. das sog. Salpeterversprechen. Zur Herstellung von Sprengstoff und Düngemitteln war man bis 1914 auf natürlichen Salpeter angewiesen, den man aus Chile hätte importieren müssen. Durch das Haber-Bosch-Verfahren konnte man nun Ammoniumnitrat herstellen. Eine ungeheure Innovation. Im Bereich der Informationstechnologie war man ebenfalls sehr fortschrittlich. Telegrafenleitungen im Britischen Empire gelten heute als das Internet des 19. Jh. Als erste Versuche mit drahtloser Telegrafie erfolgreich verliefen, setzte das Deutsche Militär alles daran diese Technik für die Kaiserliche Kriegsflotte verfügbar zu machen und zu verbessern.

Alle größeren Schlachten der Zeit der frühen Industrialisierung wurden in der Nähe von Eisenbahnlinien geschlagen. Das war das einzige Transportmedium. Folglich machte man sich grundsätzliche Gedanken zur Mobilität. Die spätere Entwicklung von Panzern muss man vor diesem Hintergrund sehen. (Die Panzer des I. Weltkrieges waren nicht wirklich mobil). Auch den Einsatz von Giftgas muss man in diesem Zusammenhang sehen. Stellungskrieg ist Materialschlacht und man konnte sich gut ausrechnen, wann alle R

essourcen an Menschen und Material aufgebraucht waren. Also ersann man eine perverse Methode, die Soldaten aus den Gräben zu kriegen. Den Militärs war klar, dass auch die eigenen Soldaten von den Gasschwaden verätzt würden. Das war sogar beabsichtigt, um wieder Bewegung in den Stellungskrieg zu bekommen.
Als sich 1918 klar abzeichnete, dass der Krieg nicht mehr zu gewinnen ist, machen diese Militärs etwas hoch Interessantes. Sie wissen, dass nach dem Krieg auf unabsehbare Zeit demilitarisiert und abgerüstet wird. Also ziehen sie ihre fähigsten Leute aus dem Kampfgeschehen ab. Diese bekommen nun die Aufgabe Schubladenkonzepte für eine ferne Zukunft zu entwickeln. Damit sollte sichergestellt werden, dass sofort aufgerüstet werden kann sobald die Zeit gekommen ist. Das auf höchstem technischem und ausbildungstechnischem Niveau.

Deshalb gab es Leute, die den Wert v. Brauns Raketenkonzepten verstanden. Er hatte die Vision einer Reise zu den Sternen und das war für ihn der einzige Weg diese Technik zu entwickeln. Die anderen brauchten eine Waffe.

Heute sind wir auch wieder an so einem Wendepunkt. Drohnen in der militärischen Luftfahrt und untrennbar damit verbunden Aufklärungs- und Nachrichtensatelliten, Sensoren, Scanner, Kameras. Die Zukunft sind unbemannte Flugzeuge. Alle, auch die sog Schurkenstaaten entwickeln daran. Es ist ja auch nachvollziehbar. Als Polen damals der Nato beitreten sollte reichte deren gesamter Wehretat rechnerisch für die Anschaffung einer F16. Heutige Flieger sind erheblich teurer.

Nur in diesem Themenbereich hat die Raumfahrttechnik heute eine Chance an Forschungsmittel zu kommen. Natürlich gibt es auch staatliche zivile Programme, aber im militärischen Sektor fließt das große Geld.

Hier geht es zunehmend um die Entwicklung autonomer Systeme. Die USA können in einem Gebiet derzeit nur 2 Drohnen gleichzeitig steuern. Für mehr reicht die Kapazität nicht. Satellitensysteme müssen ausgebaut werden. Aber auch wenn sie vorhanden sind bleiben sie die Achillesverse des Systems. Größere Autonomie der Systeme könnte hier Abhilfe schaffen.

Es ist technisch leicht möglich mit entsprechenden Sprengkörpern die Satellitenkommunikation wirksam auszuschalten. Das absolute Horrorszenario geht davon aus, dass der entsprechende Orbit dann so mit Trümmern verseucht ist, dass auf 100 Jahre keine Raumfahrt mehr möglich ist. Iran, Nordkorea, Pakistan, alle wären dazu in der Lage. Also wird man versuchen entsprechende Schutzmechanismen bauen. Der Krieg ist ja schon längst im Weltall angekommen. Satelliten zur Wartung anderer Satelliten können natürlich auch dazu genutzt werden, gegnerische Satelliten zu kapern oder zum Absturz zu bringen. Dieser Problematik wird heute schon bei Exportbeschränkungen der technischen Komponenten berücksichtigt.

Diese Entwicklung ist unaufhaltsam. Einmal gedachte Gedanken kann man nicht mehr aus der Welt schaffen. Das ist vielleicht mit der Entwicklung der Atombombe vergleichbar. Ohne Spionage hätten die Sowjets und Chinesen vielleicht 5 Jahre länger gebraucht. Sie wären aber zum Ziel gekommen, weil sie wussten dass es gehen muss! Ähnlich verhält es sich mit der unbemannten Raumfahrt. Nur mit solchen Systemen kann man mit der Technik des Gegners gleichziehen.
LG Frank

One thought on “Was will der Mensch im Weltraum 2

  1. Ich verstehe nun nur nicht, was das mit dem Thema des Blogeintrags zu tun hat, denn es geht ja eher um das Militär als Triebfeder von Entwicklungen „Der Krieg ist der Vater aller Dinge“ heißt es ja. Das dieser natürlich auch im Weltraum stattfindet ist nichts neues. Killersatelliten, Atombomben im Orbit – EMP Impulse die die Elektronik ganzer Staaten lahmlegen. Das alles wurde ja schon in den sechzigern erdacht und erprobt. Nur was hat das mit dem Mensch im Weltraum zu tun?

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