Die einen nennen es Panscherei, die anderen Verbraucherwunsch

Eines wogegen sich Udo Pollmer wendet ist das was er „Panscherei“ nennt. Es ist der immer extensivere Einsatz von Lebensmittelzusatzstoffen und was ich eher gesagt noch für schlimmer halte, der Ersatz teurer Zutaten durch Billige und das Umgehen von Deklarationspflichten durch Stoffe die wie Zusatzstoffe wirken, aber als Lebensmittel auftauchen. Also damit wir wissen wovon wir reden:

In Brot finden sie immer wieder Stoffe, die nichts mit dem klassischen Brot zu tun haben. Neben den neuen Moden allerlei Körner oder Fremdmehle zu verwenden, die weitere Zusatzstoffe nötig machen, findet man seit einigen Jahren auch Lebensmittel wie Runkelrübenextrakt, Malzsirup oder ähnliches. Was dies zu tun hat? Es sind schwarz-braune intensiv färbende Flüssigkeiten und so wird aus einem hellen Brot ein dunkles. Das verkauft sich besser weil es als gesünder gilt. Dies ist ein typisches Beispiel wie das Verbot des Farbstoffzusatzes für Brot umgangen wird.

Eis wird immer energieärmer, obwohl die Rezeptur eigentlich sich kaum geändert hat. Das Geheimnis: Luft. Eis wird (zu meinem Leidwesen) nicht nach Gramm, sondern Millilitern verkauft. Der Verbraucher zahlt also pro Volumen und so nimmt der „Aufschlag“, so der Fachausdruck immer weiter zu. Eis aus einer Cafeteria oder selbst gemachtes hat einen Aufschlag von 40 bis maximal 60%. Eis in den meisten Fertigpackungen, besonders wenn die Bezeichnung luftig klingt, wie „Eisstrudel“ 100%. Und die Luft wird mitgezahlt.

Dann gibt es noch die vielen Fälle wo man teure Zutaten durch billige ersetzt. Anstatt Vollmilch wird Magermilchpulver, Molkenerzeugnis (schon der Name zeigt, dass man nicht so genau sagen kann was es ist) und Butterreinfett zugesetzt. Das ist billiger. Milchzucker wird gerne als Streckmittel verwendet. Auch er wird aus Molke, einem Abfallprodukt der Käseherstellung gewonnen. Und wenn es keine Vorschriften für Milchbestandteile gibt, dann wird auch gerne mal Milchfett durch Pflanzenfett ersetzt, so in Eiscreme.

Das alles hat in den letzten Jahren zugenommen und natürlich geht es nun darum wer ist dran schuld. Der Verbraucher sagt natürlich: Die Hersteller sind dran schuld, schließlich panschen die. Dann wird sofort nach dem Gesetzgeber gerufen. Der soll dem einen Riegel vorschieben.

Der Gesetzgeber verweist dann auf den Grundsatz unseres Lebensmittelrechtes und der ist nicht das nur Premiumprodukte produziert werden, sondern die Nahrung nicht gesundheitsschädlich ist und ordnungsgemäß gekennzeichnet. Im Zweifelsfall macht er dann Aktionen wir Beschwerdeprortale.

Die Hersteller sagen dann „Der Verbraucher will das so“ und verweisen drauf, dass eben die Produkte wie sie so sind, verkauft werden. Er richte sich also nur nach dem Verbraucherwunsch. Und wenns ganz hart auf hart kommt, verweist er auf den Handel, der die Preise drückt nach dem Motto: „Die Leute wollen das so billig und Hersteller XY ist preiswerter“.

Und wer hat recht? Alle haben recht. Wir haben in Deutschland die „Alles muss billig sein“ Mentalität. Das führt dazu, dass Produkte tendenziell immer billiger sein müssen und irgendwo schlägt sich das dann auch auf die Qualität durch. Auf der anderen Seite ist auch der Verbraucher schuld, wenn er obwohl diese Schummeleien drauf stehen. De Fakto sehe ich aber auch eine große Mitschuld beim Handel, denn der Verbraucher kauft nicht beim Hersteller. Der Handel trägt durch den Preisdruck, den er ausübt sicher mit die Hauptschuld.

Ich bin draufgekommen durch Speiseeis, da kam vor einiger Zeit eine Sendung des „Verkosters“ über das Thema wo auch die Sache mit dem Aufschlag und der Differenz handwerkliches Eis und Industrieeis thematisiert wurde. Nun wir müssen nicht darüber reden, dass Industrieeis anders zusammengesetzt ist als Eis aus handwerklicher Fertigung. Denn dieses ist typischerweise 1-2 Tage haltbar, das geht beim Vertrieb über den Supermarkt nicht. Bestimmte Unterschiede wie mehr und verschiedene Dickungsmittel gab es schon immer, doch das man nun auch bei Markeneis Pflanzenfett, Magermilchpulver und Molkereiprodukte anstatt Sahne und Milch findet, dass wird immer schlimmer. Die Frage ist ob Langnese, Möwenpick und Co sich damit einen Gefallen tun. Wenn ich ein Markenprodukt kaufe, dann erwarte ich eine höhere Qualität. Wenn ich dann im Markenprodukt dieselbe Zusammensetzung wie beim Billigeis finde, dann brauche ich keine Marke.

Mal ein Vorschlag: Die meisten Hersteller produzieren ja auch für die Discounter oder andere Handelsmarken. Warum setzt ihr euch nicht die Maxime: „In unsere bekannte Marke, kommen nur gute Zutaten rein, in die Handelsmarken dann die billigen“. Das ist besser als mit irgendwelchen Zusätzen wie „Premium“ zu arbeiten. Es hilft auch eure Marke als qualitativ hochwertig hoch zu halten.

Nicht dass die Produktion wie sie heute ist schlechter sein muss, ich möchte nur die Auswahl haben. Ich habe z.B. jetzt bei ALDI ein „Bio Eis“ gekauft. Vergleichen mit den übrigen ALDI Preisen ist es schon recht teuer (1,70 Euro für 500 ml) aber es kommt näher dem was handwerkliches Eis ist: Keine fremden Zutaten, keine Farbstoffe, nur ein Verdickungsmittel (ganz ohne geht es auch bei handwerklicher Produktion nicht). Es ist relativ hell, fast weis, fest (Aufschlag 60%). Vergleichen mit normalen Vanilleeis, schmeckt es wenig nach Vanillin, ist nicht so cremig, mehr was zum lutschen. Also normales Vanilleeis finde ich etwas zu aufdringlich im Vanillegeschmack, dort wird Extrakt zugesetzt. In Vanilleschoten die ausgekratzt werden wie in diesem Bioeis geht weniger des Aromas über. Also im Geschmack wäre ein Mittelding zwischen beiden Formen nicht schlecht. Hinsichtlich der Konsistenz bin ich wirklich jemand, der die cremige Konsistenz des heutigen Industrieeises bevorzugt. Aber ich möchte die Wahl haben. Derzeit kann ich an einer Verpackung nicht erkennen wie viel Aufschlag drin ist.

Was kann man tun? Augen Auf – zumindest bei dem Kauf. Was eine Mogelpackung ist, das sollte man eben links liegen lassen. Ich habe da gerade so einen Fll vor mir. Ein „Eiweißbrot“, das ziemlich teuer ist (1,99 Euro für 400 g). Das werde ich wenn es gegessen ist dann mal zusammen mit anderen Brotsorten in der Was ist drin Rubrik unter die Lupe nehmen.

 

2 thoughts on “Die einen nennen es Panscherei, die anderen Verbraucherwunsch

  1. „Premium“-Produkte sind erstmal nur Premium im Preis, Da gibt es keinerlei Garantie, dass auch „Premium“ drin ist. Das gilt für Modelabels ebenso wie für Hautpflegecremes oder eben auch Nahrungsmittel.

    Der Handel achtet bei Premium-Produkten i.d.R. nicht auf die Qualität, sondern beurteilt das Image der Marke. Ist diese gut angesehen, und lässt sie sich somit auch verkaufen, kommt sie in die Regale, sonst halt nicht.

    Bei Discount-Produkten achtet der Handel hingegen sehr wohl auf die Qualität. Einer der beiden Herren Albrecht soll mal sehr ungehalten sein, als „sein“ Olivenöl bei der Stiftung Warentest berechtigterweise durchfiel. Der Hersteller durfte sich die Restbestände bei allen Aldi-Märkten einzeln wieder abholen …

    Merke: Wer nur ein Olivenöl (oder eine Sorte Freilandeier, eine Sorte Butter-Toastbrot usw.) im Angebot hat, der muss darauf achten, dass die in Ordnung ist. Wer fünf Sorten von fünf namhaften Herstellern anbietet, kann immer darauf verweisen, dem Verbraucher bewusst die Auswahl zu bieten, aber die Hersteller eben nicht kontrollieren zu können.

    Und so erlauben Aldi, Lidl und Co. den Herstellern ihrer Massenware, die oft genug aus denselben Fabriken wie die Markenprodukte kommen, zwar die Variation der Gewürzkombination (damit also Aldi-Chips nicht genauso schmecken wie die fünfmal teureren Markenprodukte), aber nicht die Verwendung minderwertiger Zutaten.

    Kai

  2. Kleine Korrektur: Nach dem Lebensmittelrecht muss jemand, der mit „Premium“, oder anderen Namenszusätzen wirbt ein qualitativ höherwertiges Produkt herstellen, das ist gängige Rechtsauffassung der Auslegung von §11 Abs 1. Nr.3 LFGB

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