Revolutionär, begehrt und absolut nutzlos

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Ja das könnte man über den ersten „PC“ sagen, den Altair 8800. Er läutete die PC Revolution ein. Er rettete MITS vor dem finanziellen Bankrott und er machte Microsoft bekannt. Die Geschichte ist ja bekannt und findet sich auch auf meiner Website. Die Frage ist eigentlich: Warum waren die Leute so wild auf den „PC“. Viele sandten an MITS Schecks per Vorkasse und sanierten dami6 die Firma, die ja an die Zeitschrift „Popular Electronics“ einen Prototypen sandte – mehr gab es nicht.

Der Altair 8800 war selbst nach damaligen Maßstäben ein recht nutzloses Gerät. Viele können sich an die Einplatinencomputer zum Assembler Lernen erinnern, die man in Hexadezimal programmieren konnte – die waren gegenüber dem Altair 8800 eine echte Revolution, denn da gab es immerhin eine Hexadezimaltastatur und eine Sieben-Segment Anzeige!

Der Altair konnte nur mit Schaltern programmiert werden – acht Kippschalter pro Byte umlegen, einen Bestätigungsschalter umlegen. Ausgabemedium waren Leuchtdioden, welche den Inhalt des Datenbusses und Adressbusses wiedergaben. Das einen „Computer“ zu nennen ist schon etwas kühn. Wer in die 256 Bytes des Speichers ein nützliches Programm einspeichern konnte sah sich mit einem neuen Problem konfrontiert – das Gerät hatte in der Grundausstattung keinen Massenspeicher.

Es war ein taubstummes Gerät ohne einen sinnvollen Einsatzzweck. Dafür musste es aufgerüstet werden. Beim Altair saßen alle Komponenten auf Karten. Fünf Stück hatte das Seriengerät, damit es benutzbar war, musste man es noch um eine Speicherkarte (anfangs 4K oder 8K), einen Druckeranschluss für einen Typenradddrucker und einen Kasettenanschluss anschließen (später gab es sogar Floppy Disks und Papierstreifenleser – sonst hätte Paul Allen wohl 30.000 mal Kippschalter umlegen müssen um die erste BASIC Version einzugeben….

Trotzdem war der Computer ohne eine höhere Programmiersprache weitgehend nutzlos, außer sie können eine solche selbst entwickeln oder nutzen ihn für Steueraufgaben und programmieren in Assembler. Das war die Chance von Bill Gates und Paul Allen, die BASIC für den Altair entwickelten. Die primäre Schwierigkeit war nicht das BASIC, sondern es in nur 4 KByte Speicher zu bekommen (später gab es auch noch eine 8K Version und ein EXTENDED BASIC).

Wie bekannt wurde Bill Gates darüber nicht glücklich. Er bekam Ärger an der Uni, wo er das Programm auf einer PDP-10 (einem 36 Bit Großrechner) entwickelt hatte und dabei für 40.0000 $ Computerzeit verbraucht hatte. Das war nun doch etwas viel und das noch dazu für ein kommerzielles Produkt. Vor allem wurde es aber ein Reinfall, weil bald sehr viele Kopien des Programmes (auf Papierstreifen!) kursierten, was Bill Gates zu einem bitterbösen Brief gegen die Hobbyisten brachte die sein Eigentum „stehlen“ würden.

Das lag aber nicht an den Hobbyisten, sondern an MITS. Die Firma hatte Probleme: Der Altair war schlecht designt und es waren viele Verbindungen zu machen. Die meisten kauften daher nicht das Selbstbaukit sondern den 200 $ teuren zusammengebauten Computer. Die 4 KByte Speicherkarten (mit dynamischem RAM) waren fehlerhaft und konnten kaum vertrieben werden. BASIC kostete 500 $, wenn man es alleine kaufte, aber nur 75$, wenn es mit einer Speicherkarte gekauft wurde, die so mit dem BASIC billiger war als das BASIC alleine. Als dann noch Prozessor Technologies auf den Markt kam mit eigenen 4K Karten, die preiswerter waren und funktionierten (dank statischem RAM) brach der Umsatz ganz weg und das BASIC wurde auch mit Karte nicht mehr gekauft. MITS bekam innerhalb eines Jahres Konkurrenz mit ähnlichen Geräten oder sogar Clones, die billiger und zuverlässiger waren und schließlich sanken die Umsätze bald wieder. Sehr bald verkaufte ED Roberts seine Firma an einen Zulieferer.

Ed Roberts, so lese ich gerade in dem Buch „Hard Drive“, war ein schwieriger Charakter. Er beschimpfte z.B. die Firmen die MITS nachfolgten, Peripherie und Klones fertigten als Parasiten. Auch der Altair 8800 in seinem Aufbau und die technischen Probleme bei den Speichererweiterungen sprechen eine deutliche Sprache – schließlich war MITS schon vorher fast bankrott. Der Altair war die Rettung, aber nur für eine kurze Zeit. Es war mit einem Computern mit Kippschaltern und Leuchtdioden nicht getan und die Konkurrenz legte nach – führte so was exotisches wie Tastaturen und Monitorausgänge ein. Kurze Zeit nach dem Verkauf war MITS pleite.

Bill Gates lernte aber einiges von MITS – der Vertrag für das BASIC war so abgefasst, dass MITS es verkaufen sollte und die Rechte dafür hatte. Doch das tat MITS nicht – Das BASIC war der einzige Wettbewerbsvorteil den der Altair nach einem Jahr noch hatte – etwa ein Dutzend Lizenzangebote, jedes im Wert von 100.000 $ lehnte Roberts ab.- Beim nächsten Deal achtete Gates darauf, sich noch Rechte zu sichern – beim PC-DOS z.B. die Möglichkeit es selbst zu lizensieren.

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