Es gibt immer zwei Sichten

 120 total views,  2 views today

Bei allem gibt es zwei mögliche Sichten. Meine Lieblingsfirma SpaceX liefert mir mal wieder eine Steilvorlage. Ich will zwei Dinge beleuchten. die beim letzten Start vorkamen. Das eine ist die Bergung der ersten Stufe. Sie entfiel, weil das Wetter ungünstig war. Man wollte deswegen den Start nicht verschieben. Wegen der öffentlichen Meinung. Nun ja, das ist doch toll. Eine Firma die nicht wegen jeder Kleinigkeit einen Start verschiebt und sich Mühe gibt einen Start pünktlich zu absolvieren. Das das Wetter schlecht war wusste man schon vorher. Einen Tag vor dem Start gab die NASA die Wahrscheinlichkeit von gutem Wetter mit 40% an, ansteigend auf 90% zu Ende des Startfensters. Warum hat man also nicht zumindest das Ende des Startfensters abgewartet?

Also warum? Es gibt doch keine Eile. Das ist ein Erprobungsflug gewesen, den hätte man wahrscheinlich noch einen Tag später starten können. Mehr als zweimal um die Erde und dann wieder wassern war nicht vorgesehen. Es gab keine Station die auf Vorräte in der Kapsel wartet, keine Astronauten die sonst verhungern würden. Aber so ist SpaceX. Eine gnadenlos erfolgsorientierte Firma, man verzichtet sogar auf Millionen, wenn man nur einen Erprobungsstart pünktlich absolvieren kann.

Nun ja das ist eine Seite. Auf der anderen Seite hat SpaceX von Anfang an gesagt, dass Wiederverwendung ein wichtiger Faktor für ihre Preise ist. Das erscheint auch logisch, stecken doch 9/10 aller Triebwerke in der ersten Stufe. Leider hat bisher noch keine Bergung geklappt. Damit man weiter kommt und es mal klappt wäre es doch wichtig gewesen es wenigstens zu versuchen – vielleicht überlebt die Stufe es nicht oder geht zu schnell unter, vielleicht hätte man sie aber trotz schlechtem Wetter bergen können. In jedem Falle hätte es neue Daten gegeben die vielleicht für eine zukünftige Bergung nützlich gewesen wären. SpaceX hat aber nicht mal die Bergungsschiffe losgeschickt. Das ist eine andere Sicht der Dinge, zum Beispiel die die ich einnehme.

Das zweite sind die Risse und wie damit verfahren wurde. Es gab zwei Risse nahe des Düsenendes. Einer war 8 cm lang, der zweite kleiner. Die Lösung war es, die Düse zu kürzen (sie besteht aus dem Metall Niob) und Elon Musk kündigte an, dies auch für die nächsten Flüge zu überlegen. Die Reaktionen können nun eingeteilt werden in „Toll, schnelle Reaktion, zeigt mal wieder wie unbürokratisch SpaceX ist“ und Kopfschütteln, so auch bei mir. Andere Raumfahrtfirmen hätten bei einem solchen Problem wohl eine Untersuchung angestellt, so Arianespace im Frühjahr nachdem bei mehreren Countdowns ein Heliumdruckregulierer Probleme machte. Da wurde nicht nur das Teil ausgetauscht, sondern die ganze Produktion untersucht. Reine Hysterie? Nein, zumindest nicht meiner Meinung nach.

Also die Düsenverlängerung ist notwendig, damit das Merlin Vacuum eine höhere Effizienz als das Triebwerk in der ersten Stufe hat. Das ist nicht ein Zierrat, den man mal weglassen oder kürzen kann. Wenn ich in der Düse aus Metall Risse feststelle, dann haben diese Risse eine Ursache. Warum entdeckt man sie erst kurz vor dem Start? Warum fielen sie vorher nicht auf? Sind sie vielleicht erst durch das Probezünden der Triebwerke entstanden? Wenn ja, sollte ich nicht vielleicht dann nicht nach den Ursachen forschen? Liegt es an der Produktion, dem Transport oder der Probezündung? Ist mit dem Kürzen dann das Problem behoben? Wer garantiert ob dann nicht weiter oben Risse auftreten und welche Auswirkungen können sie haben? Also ich möchte solche Fragen geklärt haben und andere Firmen in diesem Business auch. Das man solchen Problemen nachgeht ist keine Schwäche, es zeigt Verantwortung. Einfach kürzen das ist wie wenn ihr Auspuff komische Geräusche von sich gibt und sie montieren ihn ab. Oder für PC Fans – ihr Lüfter macht klackernde Geräusche und sie montieren ihn ab. klar der PC läuft noch aber nur noch langsam oder er stürzt vielleicht wegen Überhitzung ab. Die Düse ist in dieser Länge geplant worden um die Nutzlast zu transportieren. Wenn sie kürzer ist, so sinkt die Nutzlast ab. Das würde mir Sorgen bereiten, wenn ich bei SpaceX arbeiten würde.

Nun wurde von SpaceX gesagt, dass die Performance der verlängerten Düse diesmal nicht benötigt würde. Das mag stimmen. Aber damit fliegt sie auch ins All und damit ist sie auch weg und kann nicht untersucht werden. Die Ursache kann eventuell aus dem abgetrennten Teil gefunden werden, aber das muss nicht so sein.

Noch aussagekräftiger ist aber die Aussage das man das für weitere Flüge übernehmen will. Das sagt doch viel darüber aus, wie bei SpaceX Probleme gelöst werden. Die leider schwer verständliche Pressekonferenz der NASA (insbesondere bei Elon Musk kamen Stottern und eine schlechte Leitung zusammen) war da schon interessant. Aber lesen sie dazu einfach mal diesen Beitrag. Mein Lieblingszitat von Gwynne Shotwell auf die Frage was den dieser Flug kostete:

A cost? Sure! Are you asking am I going to share that? Uhhh, yeah, we dont really talk about cost at SpaceX.

Ja, in einer Firma in der Geld keine Rolle spielt möchte ich auch gerne arbeiten.

3 thoughts on “Es gibt immer zwei Sichten

  1. Ups, irgendwie wurde das angehängte Zitat verschluckt:

    „SpaceX spokesperson Kirstin Brost has provided more information on the cause of the engine nozzle cracks that triggered the Falcon 9 launch delay from Tuesday.

    „SpaceX has discovered the root cause of the two small cracks in the aft end of the 2nd stage engine nozzle extension,“ the statement said. „A GN2 vent line caused fluttering of the the thinnest portion of the nozzle extension, creating the cracks. SpaceX engineers repaired the extension by trimming off the end where the cracks are located and corrected the root cause by diffusing the vent.“ “

    Im verlinkten Beitrag zur SpaceX-Pressekonferenz klingt die Pressesprecherin (Vizepräsidentin?) in der Tat reichlich unprofessionell. Schade, eigentlich.

  2. Also eine Düse aus Metall bekommt Risse durch ein Ventil das gasförmigen Stickstoff auf es leitet. Sind das die von SpaceX beschworene Sicherheit mit Zuschlägen von 1,4 bis 1,5 anstatt den üblichen 1,25? Irgendwas stimmt da nicht. Meiner Erfahrung nach bekommt Metall durch Gase nicht einfach Risse – es darf auch keine bekommen, denn die Düse soll ja den Ausströmgasen widerstehen können und die haben mehr Power als ein Stickstoff Druckgasventil….

    Noch schlimmer war auf der Pressekonferenz Elon Musk. Zum einen akustisch kaum zu verstehen, zum anderen hat er gestottert, hat Sätze abgebrochen, ist abgeschweift. Hinsichtlich Informationspolitik war das wirklich keine Ruhmestat. Es ging vornehmlich um Informationsverschleierung. Schlimmer noch: Selbst die NASA darf nun nichts mehr veröffentlichen, siehe NASA Fotos deren Freigabe SpaceX verweigerte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.