Werbung

Der heutige Blog wird nicht lang, doch er drängt sich mir auf: es geht um Werbung. Werbung wird ja meistens als störend empfunden und zumindest ich habe das Gefühl sie ist einfaltloser geworden. Es gibt ja ganze Shows mit witzigen Werbespots, doch die bedienen sich immer aus dem Ausland. In Deutschland darf Werbung maximal nervig sein. Und weil sie so nervig ist, mal ein Blog über nervige Werbung.

Das Erste ist die Werbung in Erstem und zweiten Programm. Es ist ja inzwischen nicht mehr viel. Vor allem aber nervt mich, dass es immer die gleiche Werbung ist und vor allem besteht sie inzwischen zu einem großen Teil aus Produkten für Wehwechen: Schlafmittel, Schmerzmittel und Salben, dazu Nahrungsergänzungsmittel wie das völlig unnütze und überteuerte Vitasprint.

Ich bin jetzt 51, aber wenn ich mir die Werbung ansehe, dann habe ich das Gefühl die Zielgruppe und damit auch die Zuschauer der Sendungen ist weit über 70. Da es zudem immer die gleichen Spots sind, sieht man sie auch dauernd, manche zweimal während einer Werbepause. So ist der Nervfaktor enorm.

Werbung bei den Privaten

Die privaten Programme sind nicht besser. Die schaue ich inzwischen meist über Medientheken an, weil mir die Werbeblöcke zu lange und zu häufig sind. Online ist es noch deutlich weniger. Aber sie bekommen es nicht hin, die Lautstärke der Werbespots aufeinander zu justieren. So ist ein Ikeaspot enorm laut und manche Spots sind extrem grobpixelig wie von Hornbach oder Coca Cola. Sehr unprofessionell für eine Branche, die darauf angewiesen ist, dass die Leute nicht wegkucken oder das Browser-Fenster schließen. Mein Tipp für die Branche: Setzt doch einfach durch, dass es nur noch Fernseher ohne Fernbedienung gibt, dann zappen noch weniger weg…. Ich finde es ist kein Zufall, das das Aufkommen von Fernsehern mit Fernbedienung zusammenfällt mit der Verbreitung des Privatfernsehens, denn die Fernbedienung gab es schon deutlich früher.

Schlechte Werbung

Schlecht ist vor allem die Machart dies mittlerweile gibt. Die Radiowerbung von Grippostadt-C übertrifft die ansonsten auch nervige Seitenbacherwerbung in dem Nennen des Produktnamens: siebenmal in einem nicht mal 20 s langen Spot.

So was Ähnliches macht nun auch Medipharma Cosmetics. Der Spot fällt schon durch die schlechten Schauspieler auf die betont künstlich reden und natürlich immer toll geschminkt sind. Das muss man ja auch tun, wenn man Einkaufen geht. Dazu werden sie vor einem Regal aufgenommen, das voller Produkte des Herstellers ist (leicht erkennbar an den grün-weissen Packungen), auch das ist in einer Apotheke nicht so. Da bekommen selbst Renner wie Aspirin maximal einen schmalen Regalboden. Der neueste Spot für ihre Olivenöl-Creme hebt dreimal in Ton und einmal in Schrift heraus, das diese ohne Mineralöle und Parabene ist. Das ist schon extrem auffällig, vor allem wenn Apotheker und „Verbraucherin“ dasselbe sagen. Übrigens sind Mineralöle weniger allergisch als Naturöle, ganz zu schwiegen von kalt gepresstem Olivenöl, das nicht zahlreiche Begleitsubstanzen enthält, die bei raffinertem Öl entfernt wurden.

Imagewerbung für die deutsche Landwirtschaft

Inzwischen macht auch die deutsche Landwirtschaft Werbung. Zumindest im Radio läuft nun Imagewerbung über Leute, die der deutschen Landwirtschaft „vertrauen“. Einer geht so. „Überall haben deutsche Landwirtschaftsprodukte einen guten Ruf, nur bei uns nicht. Denken Sie mal darüber nach. Ich vertraue der deutschen Landwirtschaft“.

Passend dazu kommt heute als Meldung, dass ein Veterinäramt in unserem Bundesland mit der Kontrolle nicht nachkommt und massive Verstöße bei Schweinemastbetrieben festgestellt hat. Ich vertraue unserer Landwirtschaft nicht, zumindest nicht pauschal. Daran ist primär nicht die Landwirtschaft schuld, sondern Handel und Verbraucher. Da Fleisch ja so billig sein muss. Dass dies auf Kosten der Tiere gehen muss, ist doch klar. Natürlich wird es auch sonst noch schwarze Schafe geben, aber ich nehme mal an, das die meisten Landwirte gerne auch bessere Bedingungen und weniger Krankheiten bei den Tieren hätten, aber das mit den niedrigen Fleisch- und Milchpreisen eben nicht möglich ist. Meine Konsequenz ist weitestgehender Fleischverzicht und wenn dann kaufe ich nur Bio. Nicht weil ich Wert auf Bioware lege, hinsichtlich des Einsatzes von Hormonen oder Medikamenten, sondern weil dort die Bestimmungen wenigstens etwas mehr Platz und -Zeit den Tieren geben. Solange sich an den Zuständen in der Tiermast aber nichts ändert und die meisten Verbraucher kennen auch die Zustände, solange machen solche Imagespots wenig Sinn.

ALDI und die Einfachkeit

Zuletzt noch zu einer Firma, bei der ich gerne einkaufe: ALDI. ALDI ist ja der letzte Discounter mit nur wenigen Markenprodukten. Derzeit läuft eine Werbung nach dem Motto „Einfach ist besser“. Das Wörtchen „Einfach“ ist natürlich Auslegungssache. Ist der Einkauf einfach? Die Produkte? Steht Einfach für eine Beschränkung z. B. wenig konsumieren oder geringe Diversität? Für mich steht „einfach“ im Zusammenhang mit ALDI für ein reduziertes Produktsortiment. Sie haben etwa 500 Produkte, LIDL 1200, Supermärkte 2500 bis 3500. Und zwar wirklich reduziert. Es geht mir nicht darum aus 5 oder 6 Sorten Vollmilchschokolade auswählen zu können, aber bestimmte Produkte, die ich eigentlich häufig brauche, finde ich nicht bei ALDI wie: normale Karamell- oder Fruchtbonbons, Rotkohl, rote Beete, Spülmaschinensalz, Kartoffelpuffer … Selbst verglichen mit LIDL ist das Sortiment sehr klein. So macht der Bonus auch noch Umsatz, denn dort kaufe ich die Sachen dann meistens ein. Aber etwas mehr Vielfalt wäre mir schon recht.

Seit unser LIDL aber umgebaut hat, weiß ich, was ALDI meint: Jeder Markt ist zu einem guten Teil identisch eingerichtet und man findet sich schnell zurecht. Bei LIDL finde ich mich nach einem Umbau für Wochen nicht mehr zurecht. Dieses Mal haben sie es aber zu weit getrieben. Um noch mehr unterzubringen, haben sie zusätzliche Regale eingebracht, sodass es wirklich eng ist, manchmal wird es schon problematisch, wenn zwei mit einem Einkaufswagen aus verschiedenen Seiten kommen. Vor allem haben sie die Produkte, die zusammengehören auseinandergerissen. Süßigkeiten findet man nun nicht mehr in einem Regal nebeneinander, sondern auf die Gänge verteilt: in einem Schokolade, im zweiten Kekse und im dritten Bonbons. Anscheinend soll man möglichst viel durch den Laden laufen.

Obwohl man durch die neuen Regale eigentlich mehr präsentieren kann, habe ich bei den letzten Einkäufen festgestellt, dass ich Dinge nicht mehr bekomme, die ich sonst gekauft habe. So eine Eissorte, die von mir geliebte Schokolade mit mittlerem Kakaogehalt (nicht Vollmilch und nicht Bitter) und einiges mehr. Also wird mich der Bonus-Markt in Zukunft noch öfters sehen, denn LIDL ist für mich inzwischen zu kompliziert und hat den wichtigsten Vorteil verloren, nämlich dass ich dort einiges bekam, was ich nicht bei ALDI kaufte, aber trotzdem nicht Marke ist.

2 thoughts on “Werbung

  1. Und dessen Werbestil gab es bei den Österreichern auch schon in den 70er/80er Jahren.
    Humanic!? Franz! (eigentlich Fragns, Österreichischer Slang)

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