Die Informationspolitik von SpaceX

„Ich bin dagegen“ den Blogtitel hatte ich ja und wenn es nach einigen ginge dann wäre das auch mein Dauerblogtitel beim Thema SpaceX. Doch so einfach ist es nicht.  Es geht mir nämlich nicht um die Erfolge oder Leistungen, die es natürlich gibt. Die nehme ich zur Kenntnis, aber sie beschäftigen mich nicht. Nicht weil ich nichts von SpaceX halte, sondern weil die Firma sich auf die bemannte Raumfahrt konzentriert hat, ein Thema das mich persönlich nicht so sehr interessiert.

Was mich aber interessiert sind Raketen und ich möchte meine Aufsätze zu jedem Träger mit Informationen spicken. Das ist nicht immer möglich, so sind sicherlich die chinesischen Träger kaum bei uns bekannt, zumindest was technische Daten angehen. Daher kritisiere ich die Informationspolitik der Firma. Nur über das kann ich mich auslassen und wenn dort einige Schnitzer über die Technik kommen, auch über die. Das je nachdem wo man bei SpaceX auf die Website schaut die Performance eine andere ist und technische Daten schwanken ist eine Sache. Viel mehr erfährt man aber durch Interviews die man mühsam sich über Portale und Nachrichtenagenturen zusammensuchen muss bzw. in neuester Zeit muss man sich die Videostreams mit stotterndem, konfus das Thema wechselnden Elon Musk antun, um Infos zu bekommen.

Muss das sein? Nein, muss es nicht. Natürlich können sich Daten ändern, auch wenn man noch in der Entwicklung ist. Allerdings kenne ich keine Rakete in den letzte paar Jahrzehnten, bei denen dies viel war. Das sind einige Prozent mehr oder weniger bei den Massen, meistens noch weniger bei den spezifischen Impulsen. Sie wirken auch nicht sich so auf die Nutzlast aus wie dies bei SpaceX der Fall ist. Hat SpaceX Stümper? Nein, bestimmt nicht. Ihre Mitarbeiter rekrutiert sie teilweise von anderen Aeospacefirmen, viele aber auch direkt von der Uni. Die Firma ist ja nicht im Takatuka Land angesiedelt. Sie befindet sich in dem Land mit der größten Raumfahrtindustrie in der Welt. Daher erwarte ich auch das Starts klappen – die Luft & Raumfahrtindustrie in den USA zu der SpaceX auch gehört hat schließlich genügend Erfahrung. So gesehen versthe ich auch nicht die aufregung wenn der zweite Start klappt, zumal der erste ja schon gut verlief, wenn auch nicht so perfekt wie das SpaceX monierte – hätte die Firma die Abweichungen die es gab nicht so verharmlost oder mal schnell für die Berechnung der Genauigkeit von der Höhe über der Erdoberfläche auf die Entfernung vom Erdmittelpunkt gewechselt, dann hätte ich da sicher auch nicht so viel kritisiert. Aber das sind eben Steilvorlagen.

Wenn man bei SpaceX also die Daten über die Raketen hat, aber sich erst an die endgültige Version herantasten will – warum veröffentlicht ihr das nicht und macht es transparent? Vielleicht weil euer Chef aus der Softwarebranche kommt und so arbeitet wie dort üblich? Also erst mal was ankündigen und später was liefern was nicht ganz dem entspricht und danach eine fehlerbereinigte Version nachliefern? Könnte sein. Nervend ist auch der Stil, den vor allem Elon Musk bemüht, mit unpassenden Vergleichen, Verharmlosungen, aber das ist seine Sache und wäre man nicht auf Interviews mit ihm angewiesen so könnte man das ignorieren. (Ich lese wenn ich mich über NASA Themen informieren will ja auch nicht die Interviews von Boulden durch).

Das Thema, wie privat das Unternehmen ist und was es erreicht hat ist ein anderes. Zu privat habe ich mich schon mehrfach geäußert. Mit dem Erreichten denke ich ist es sicher mehr als Lockheed oder EADS mit dem Geld geschafft hätten. Das steht auch außer der Frage. Nur vermute ich dass da noch mehr nachkommt. Systeme die nur irgendwie mit bemannter Raumfahrt zu tun haben neigen dazu, plötzlich ziemlich teurer zu werden. (Der Auftrag für das ATV war ursprünglich auch mal nur 470 Millionen Euro teuer und bis zum Start wurden dann 1350 draus). Mit Sicherheit (und das ist auch die Meinung anderer Quellen) unterschätzt die Firma die Anforderungen die auf sie zukommen wenn sie für die NASA Astronauten transportieren will, aber das ist eine andere Sache und das kann man aufgreifen, wenn es vielleicht tatsächlich mal dazu kommt dass die Firma in einen Wettbewerb um bemannte Transporte sich beteiligt. Daher werde ich nach wie vor die Informationspolitik dieser Firma aufgreifen und auseinandernehmen.

In all der Menge von unkritischen „Gläubigern“ muss es ja noch Kritiker geben. SpaceX ist keine Religion, sie ist ein Unternehmen. Und sie ist auch nicht das einzige das ich kritisiere. Ich habe mich in diesem Blog auch mehrmals mit der Informationspolitik europäischer Raumfahrtkonzerne und den technischen Planungen von EADS zur ESC-B befasst. Nur gibt es hier wohl keine EADS Gläubigen.

Außerdem seid doch froh, wenn sich einer die Mühe macht die Daten mal zu hinterfragen. Das tut ja sonst keiner. Bislang sieht meine Bilanz aber gut aus. Als ich den spezifischen Impuls von 342 s (3366 m/s) für das Zweitstufentriebwerk anzweifelte, haben mir das einige nicht geglaubt, nun stehen im Presskit noch 336 s (3295 m/s) drin. Nach Kürzung der Düse werden es noch weniger werden.

Und auch die Nutzlast bewegt sich langsam in die richtige Richtung – im Presskit sind es nun schon 9.800 kg, auf der Website noch immer 10.450 kg. (Es waren mal 12.500 kg). Noch immer läuft ja meine Wette mit den Fans dieser Firma. Ginge es nach der Logik, so kann ich doch nur verlieren, schließlich habe ich keine Konstruktionszeichnungen, Computermodelle etc. Aber da die veröffentlichten Angaben offenbar auch nicht auf diesen beruhen, denke ich habe ich eine gute Chance die Wette zu gewinnen. Von dem damaligen Wert von 12.500 kg ist die Firma ja schon abgekommen und hat die Nutzlast um 2.700 kg reduziert. Eigentlich habe ich ja faast schon gewonnen, denn das ist mehr als die Restdifferenz zu meinem postulierten Wert von 8.200 kg, da fehlen nur noch 1.600 kg. Mit Wiederverwendung der ersten Stufe und gekürzter Düse könnte das sogar hinkommen.

Aber wie wäre es wenn ihr SpaceX-Fans mal die Scharte ausbügelt welche die Firma hinterlässt? Ich kann nicht alles sichten und sicher entgeht mir auch vieles. Also schickt mir Links, Dokumente etc. und betreibt die Informationspolitik, die SpaceX offensichtlich nicht leisten kann. Denn wie ich schon sagte. Es geht bei einer Website, die sich mit Technik beschäftigt, nicht um „dafür“ oder „dagegen“ sondern um verlässliche Informationen. Wie ein Rezensent eines meiner Bücher schrieb: Bei mir stehen leider nur Fakten. Das Lobhudeln und Märchenerzählen überlasse ich anderen und ich will auch nicht die Märchen anderer wiedergeben. Am liebsten wäre mir natürlich, wenn ich kein Kritiker mehr sein müsste, also  SpaceX mal ordentliche Presseinformationen mit aktuellen und vollständigen Angaben, Hintergrundinformationen etc hin bekommt und ich nichts mehr zu kritisieren habe. Das spart mir nämlich viel Zeit für andere Dinge.

3 thoughts on “Die Informationspolitik von SpaceX

  1. SpaceX hatte in den Anfangszeiten rund um das Jahr 2005 eine ausgesprochen gute Informationspolitik und es hat einmal eine Zeit gegeben wo Elon Musk Anfragen noch persönlich per Email beantwortet hat. Nach den ersten Fehlschlägen und dem COTS Auftrag hat sie die verfügbare Information jedoch relativ rasch auf mehr oder weniger Null reduziert.

    Um die Zukunft der NASA herrscht seit über einem Jahr ein erbitterter Kleinkrieg inklusive mehrerer Versuche die Gelder für SpaceX und Orbital zu streichen. Dementsprechend versucht SpaceX derzeit so wenig Angriffsfläche wie möglich zu liefern und lässt deshalb nach außen ausschließlich positive Erfolgsmeldungen durch, was wenn man sich in erster Linie für die Technik interessiert extrem frustrierend sein kann und stark an die ehemalige Sowjetunion erinnert.

    Ich gehe davon aus das sich die Situation bessert sobald ein wirklich neues NASA Budget beschlossen und die Zukunft von SpaceX klarer wird. Derzeit hangelt sich die USA aber nur von einem faulen Kompromiss zum Nächsten und SpaceX hat berechtigte Angst davor als Bauernopfer zu enden.

  2. ich muss sagen, ich halte es nicht für richtig, dass Sie die Welt einteilen in den einsamen Streiter Bernd Leitenberger mit einem hohen Ross auf der einen Seite und spaceX und deren dummen Fans auf der anderen. Das kommt so nicht gut an. Kai und andere haben in ihren Anmerkungen zu „Nichts Neues …“ ausgeführt, dass die Leistungen von spaceX doch auf jeden Fall sehenswert sind. Ob dies so bleibt und ob vor allem auch der kommerzielle Erfolg nachfolgt, bleibt abzuwarten.

    Aber es kommt mir auf eine Tatsache an, die bisher meistens außen vorblieb: Als Unternehmen hat spaceX natürlich ein Unternehemensziel. Ist doch klar! Sie wollen – genau wie andere Unternehmen – am Markt erfolgreich sein und ihre Produkte gewinnbringend vermarkten. Dabei stehen sie nicht nur in Konnkurrenz zu Mitbewerbern, sondern auch im Spannungsfeld er Politik (S. Atrawog „Bauernopfer“). Natürlich gibt es da auch noch Bernd Leitenberger, der es lobenswerterweise genau wissen will und die mangelnde Informationspolitik der Fa. beklagt. Aber ich wage zu behaupten, dass dies Elon Musk ziemlich egal ist. Denn die Musik spielt ganz woanders. Und der Erfolg des Unternehmens wird nicht daran gemessen, was unsereins von der Informationspolitik hält, sondern daran, ob die Leute von spaceX es wirklich bringen. Und das wird wohl genau so spannend bleiben wie japanische Weltraummissionen.

  3. Das ist ein Blog, nicht Spacref.com oder NASA.TV. Also die private Website wo jemand seine private Meinung äußert. Ich wende mich auch nicht an Elon Musk sondern an die Leute die ich nie in diesem Blog sehe, und sie sich nur bei einem SpaceX Thema melden. Für solche kann man die Bezeichnung Fans sicher nehmen, denn sonst würden sie sich auch sonst am Blog beteiligen.

    Zur Informationspolitik wurden sicher schon hier und im letzten Beitrag einige wichtige Punkte gesagt, wobei natürlich der Hauptadressat die US-Politik ist. Sollten tatsächlich die COTS Aufträge wegfallen (was ich mir nicht denken kann), wären vom Launchmanifest etwa 70% gegenstandlos, was sicherlich gravierende Folgen für die Firma hat.

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